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Sonntag, 19. November 2017

[ Rezension ] "Die Elementarsturm-Chroniken: Die Kinder des Windes" von Kieran McLeod


Dieses Buch wurde mir über die Agentur Spread and Read vermittelt und vom Autor für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

Kieran McLeod: Die Elementarsturm-Chroniken 1

| Handlung |

"Auf Gaetan wandelten einst Götter unter den Sterblichen, mit ihnen verschwand die Magie aus der Welt. Ein 600 Jahre altes Geheimnis bringt den junge Waliser Stuart nach Gaetan, der dort gegen seinen Willen zum Mittelpunkt eines magischen Krieges wird. Seine Ankunft setzt eine Kettenreaktion in Gang: Eine uralte Gefahr erwacht , ein längst vergessenes Volk kehrt ans Tageslicht zurück – und eine Prophezeiung aus alter Zeit stellt Stuart vor die Entscheidung seines Lebens. 480 Buch-Seiten High-Fantasy-Abenteuer mit jeder Menge Magie, faszinierenden, fremden Kulturen und Landschaften."
(Klappentext)

| Meine Meinung |


Die 'Elementarsturm-Chroniken' werden unter direkter Mitwirkung ihrer Leser geschrieben. 

Wie das funktioniert?

Zu dem Zeitpunkt, an dem ein Sammelband wie dieser erscheint, hat die Geschichte schon einige Stationen durchlaufen. Und zwar erscheint sie immer erstmal als sogenanntes 'Serial', also in Form eines Episodenromans mit relativ kurzen Einzelbänden, die dafür auch für den schlanken Geldbeutel etwas sind. Alle drei Episoden wird die Geschichte nochmal überarbeitet und dann in einem Sammelband zusammengefasst.

Beim Schreiben ermöglicht Kieran McLeod seinen Lesern, über den Verlauf der Geschichte mit zu entscheiden. Entweder als Teilnehmer des Betaleser-Programms oder über Umfragen nach Erscheinen jeder Episode. Wer lebt, wer stirbt, wie soll es nach xyz weitergehen?

Das ist natürlich eine hochspannende Idee, die sicher zu einer starken Leserbindung führt! Aber kann das Ergebnis auch bestehen, wenn man von diesem Hintergrund nichts weiß und die Sammelbände ohne jegliches Vorwissen liest?

Die Interaktion mit seinen Lesen ist jedenfalls nicht Kieran McLeods einzige gute Idee: die Welt seiner Bücher ist unglaublich komplex und strotzt nur so vor originellen Einfällen abseits der Fantasyklischees. Elfen, Orks und Zwerge sucht man hier vergebens, dafür gibt es mehrere eigens erdachte Völker, die jeweils eine lange Geschichte, eigene Herrschaftssysteme, eigene Religionen und einzigartige Formen der Magie mitbringen. Da kann einem schon mal der Kopf schwirren, und bei der Vielzahl der handelnden Charaktere war ich dankbar für das Personenverzeichnis am Anfang des Buches! Manchmal fiel es mir dennoch schwer, den Überblick zu behalten, gerade weil sich die Geschichte nicht nur über zwei Welten, sondern auch jeweils über zwei Zeitebenen erstreckt.

Aber ich war sehr beeindruckt von der Vielfalt und dem Reichtum an bunten Details, die sich stimmig ins Gesamtbild fügen. Besonders das interessante Magiesystem hatte es mir angetan!

Viele Szenen sind sehr cineastisch geschrieben, mit rasantem Tempo und viel Action. Das liest sich spannend und unterhaltsam, ist in meinen Augen allerdings nicht immer hundertprozentig logisch und glaubwürdig und enthält auch ein paar typische Filmklischees – zum Beispiel rast ein aufgemotzter Oldtimer mit 200 Sachen in eine Kurve, und der Fahrer bringt das Auto scheinbar mühelos noch in der Kurve zum Stehen. Das überspannte für mich gelegentlich ein wenig den Bogen!

In manchen Szenen fand ich den Schreibstil großartig, mit einer dichten, lebendigen Atmosphäre, so dass man alles wirklich vor sich sehen und miterleben kann. Dann gab es wieder Passagen, in denen mir der Schreibstil eher flach erschien, mit relativ kurzen Sätzen

Ein paar Dinge hätten sich meines Erachtens mit einem guten Lektorat / Korrektorat vermeiden lassen, wie zum Beispiel zahlreiche Wiederholungen von Wörtern und Phrasen, Rechtschreib- und Kommafehler oder verwirrende Perspektivwechsel innerhalb einer Szene oder sogar eines Abschnitts. Auch inhaltlich fielen mir ein paar Entwicklungen störend auf, wie zum Beispiel völlig überzogene Missverständnisse, die die Geschichte eher forciert in eine bestimmte Richtung lenken.

Die wichtigsten Charakter wirkten auf mich überwiegend sehr gut geschrieben, stimmig, authentisch und glaubhaft. Einige davon habe ich ins Herz geschlossen und mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten, manchmal auch über ihre Schrullen und Eigenheiten gelacht.

Allerdings muss ich auch hier leichte Abstriche machen.

Die emotionalen Reaktionen waren für mich zum Teil nicht angemessen. Einige Charaktere reagieren auch auf drastische und dramatische Entwicklungen seltsam gelassen: so stirbt in einer Szene ein Charakter plötzlich und unerwartet vor den Augen des Mannes, der seit über 700 Jahren (!!) sein Geliebter war, und der reißt sich innerhalb eines Absatzes, gefühlt innerhalb weniger Minuten, zusammen. Gut, die Situation ist prekär und erfordert rasches Handeln, aber dennoch... Nur ein paar Szenen später wird sein Gesichtsausdruck als ruhig und entspannt beschrieben.

Besonders die weiblichen Charaktere sind meines Empfindens klischeebehaftet, und das fängt bei ihrer Kleidung an: die eine trägt martialische schwarze Lederunterwäsche  (wie genau sieht martialische Unterwäsche aus?!), die andere eine hautenge Rüstung, die scheinbar einen tiefen Ausschnitt hat... Also typische Filmrüstung – Xena und Co. lassen grüßen!

Es gibt eine Liebesgeschichte, die für mich völlig aus dem Nichts kam. Die beiden Charaktere haben weder Zeit noch Muße, sich kennenzulernen, aber die starke Kriegerprinzessin verwandelt sich plötzlich in ein Mädchen, das errötet und quiekt (!!) und natürlich auch bald schon auf seinen starken Armen davongetragen werden muss. Schade, denn die weiblichen Charaktere hätten das Potential, wirklich starke Charaktere zu sein.

Abschließend möchte ich sagen, dass der Autor erfreulicherweise offen für Kritik ist und der zweite Sammelband auf jeden Fall ein Lektorat erhalten wird. Nach meinen letzten Informationen ist auch im Gespräch, den ersten Sammelband noch einmal zu überarbeiten.

| Fazit |

Die großen Pluspunkte des Buches sind für mich die komplexe Welt und die vielen originellen Ideen, die der Autor in seine Geschichte einfließen lässt, auch wenn es dadurch manchmal schwer ist, den Überblick zu behalten. Der Schreibstil hat zahlreiche großartige Momente, die Charaktere haben alle viel Potential – jedoch beides mit Abstrichen. Für mein Empfinden liest sich die Geschichte zum Teil zu sehr wie ein Film, inklusive der üblichen Filmklischees, und der Schreibstil verläuft streckenweise etwas holprig. Gerade die weiblichen Charaktere werden in meinen Augen zu sehr auf Klischees reduziert, obwohl die männlichen zum Teil sehr glaubhaft und überzeugend wirken.

Aber im Großen und Ganzen hat mich das Buch gut unterhalten und auch neugierig auf die Fortsetzung gemacht, für die ein Lektorat geplant ist, das hoffentlich ein paar der Kritikpunkte ausbügeln wird.

| REZENSIONEN ZU DIESEM BUCH BEI ANDEREN BLOGS |

Fräulein M liebt Bücher (3 von 5 Schildkröten)
Buchvogel (2 von 5 Sternen)
Charleens Traumbibliothek (3 von 5 Sternen) 


Meine Wertung 3,5 von 5 Sternen
Titel Die Elementarsturm-Chroniken: Die Kinder des Windes
Originaltitel ---
Autor(in) Kieran McLeod
Übersetzer(in) ---
Verlag* Independently published
Seitenzahl* 480
Erscheinungsdatum* 29. September 2017
Genre High Fantasy
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite der Elementarsturm-Chroniken

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,
    du schreibst so tolle Rezensionen...
    Es stimmt, dass die weiblichen Charaktere sehr klischeehaft sind, das hab ich auch beschrieben. Umso seltsamer, weil die Welt ja gerade nicht klischeehafte Fantasy ist. Mir hat gut gefallen, dass z.B. mit den Throc ein neues Volk ersonnen wurde, samt Historie, Bräuchen und spezieller Magie. Das ist mir gar nicht so aufgefallen, weil ich oft Star Trek lese und da eigenständige Völker der Regelfall sind und nicht die Ausnahme, einer der Gründe, warum ich es mag.
    Ich hab dich hier verlinkt.
    Grüße - Daniela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Daniela,

      oh, ein Trekkie! :-) Ich war früher jedes Jahr auf der Fedcon und habe da auch oft "Star Trek"-Romane gelesen. Aber schon länger nicht mehr! (Die neuen Filme sagen mir leider gar nicht zu...)

      Ich habe deine Rezension und die von Charleen jetzt auch verlinkt, hier und auf Wordpress. :-)

      LG,
      Mikka

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    2. Jaaa, ein TNG und Classic-Trekkie. VOY und DS9 ist auch gut. Enterprise, naja, es gab zu Anfang ein paar gute Folgen, aber dann war es mir zuviel Krieg und Action und zu wenig Star Trek. Und das, was Abrams veranstaltet hat, dazu mag ich schon gar nix sagen :(. Über Discovery kann ich nichts berichten, ich hab es noch ncht gesehen.
      Aber es gibt einige gute Buchadaptionen, auch Reihen, die mir sehr sehr gut gefallen. :)
      Grüße
      Daniela

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    3. Huhu Daniela,

      mein Lieblings-ST ist DS9, gefolgt von Classic. :-) Bei Enterprise steimmt ich dir da voll zu, und Abrams... Abrams? Wer? ;-)

      Ich weiß gar nicht, ob ich mir Discovery noch ansehen will.

      LG,
      Mikka

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