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Mittwoch, 27. September 2017

[ Deutscher Buchpreis 2017 / Shortlist ] "Romeo oder Julia" von Gerhard Falkner


Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.


| Handlung |

"Kurt Prinzhorn ist zu einem Schriftstellertreffen nach Innsbruck eingeladen, wo ihm Merkwürdiges widerfährt: Jemand muss während seiner Abwesenheit ein ausgiebiges Schaumbad in der Wanne seines Hotelzimmers genommen und dort bewusst Spuren hinterlassen haben. Die Chipkartenschließanlage der Tür zeigt jedoch kein fremdes Eindringen an. Als nächstes verschwindet der Schlüsselbund des zunehmend ratlosen Autors. 

Während einer Moskau-Reise wenige Tage später kommt es zu neuen Unerklärlichkeiten, und auch in Madrid, wo Prinzhorn einer früheren Geliebten wiederbegegnet, reißt die Kette seltsamer Geschehnisse nicht ab – bis ihm durch Zufall das Puzzle der Erinnerung zu einem Bild zusammenfällt, das ihn weit in die eigene Biographie zurückführt. Am nächsten Morgen klingelt die Polizei an der Tür seiner Berliner Wohnung, denn unter dem Fenster von Prinzhorns Zimmer in Madrid wurde eine tote Frau gefunden." 
(Klappentext)

| Meine Meinung |

Zum Zeitpunkt, da ich diese Rezension schreibe, ist "Romeo oder Julia" für den Deutschen Buchpreis nominiert und hat es bereits auf die Shortlist geschafft, ist also eines von sechs Büchern, die in die engere Auswahl aufgenommen wurden.

Obwohl ich normalerweise nicht davor zurückscheue, meine Meinung ehrlich zu äußern und gegebenenfalls auch negative Rezensionen zu schreiben, fällt mir das bei Büchern, die Preisträger oder zumindest Preisanwärter sind, schwer. Menschen, die ohne Zweifel belesener sind als ich, die mehr von Literatur und vom Literaturbetrieb verstehen, haben das Buch für auszeichnungswürdig befunden. Wer bin ich also, dem zu widersprechen?

Die einfachste Antwort: ich bin eine Buchbloggerin, vor allem aber bin ich eine Leserin, die sich von diesem Buch herb enttäuscht fühlt. Die Prämisse klingt originell und vielversprechend, eine Mischung aus Krimi, Einblicken in den Literaturbetrieb und möglicherweise einem Hauch Drama. Tatsächlich verrät der Klappentext jedoch schon fast alles, was in diesem Buch passiert – die Handlung erschien mir etwas dürftig für 272 Seiten.

Natürlich gibt es Bücher, die nicht durch ihre Handlung bestechen, sondern durch andere Eigenschaften, wie unvergessliche Charaktere, atemberaubende Sprachgewalt oder die Art und Weise, wie sie den Leser aus seiner Komfortzone zerren und ihn zwingen, die Welt oder sich selbst in einem neuen Licht zu sehen. Von "Romeo oder Julia" fühlte ich mich indes selten bestochen, sondern über lange Passagen sogar gelangweilt.

Das Krimi-Element der Geschichte, das für Spannung hätte sorgen können, läuft in meinen Augen halbherzig nebenher und stößt auch kein sonderliches Charakterwachstum an. Ab und zu passiert etwas, das sich Protagonist Kurt nicht erklären kann, was ihn zunehmend beunruhigt, aber richtig dramatisch ist das alles nicht – jedenfalls bis zum Schluss, wenn sich das Rätsel rasant aufklärt und auch schon wieder vorbei ist, bevor Kurt und der Leser Zeit haben, daraus mehr zu ziehen als vage Bestürzung. Einen Teil der Auflösung hatte ich mir tatsächlich schon gedacht, denn der wird nach etwa einem Drittel des Buches angedeutet.

"Obwohl ich Kurt heiße, bin ich Schriftsteller. Allerdings bin ich weit davon entfernt, mir auf dieses Tatsache etwas einzubilden."
(Zitat)

Kurt Prinzhorn ist einer, der in seinen jungen, 'selig vernebelten' Jahren aus einem literarischen Rausch heraus schrieb, das Schreiben inzwischen aber als eine 'Art von gehobenem Selbstmord' empfindet. Dementsprechend lesen sich die Geschehnisse, durch seine Augen gesehen, oft wie eine Satire auf den Literaturbetrieb: selbstverliebte Schriftsteller unterhalten sich wodkatrunken über Nichtigkeiten und würzen diese Belanglosigkeit mit einer Vielzahl von (meist offensichtlichen) Anspielungen auf Literatur, Film und Kunst.

"Ich öffnete den Wein. Der Kork seufzte wie meine aus dem nassen Lehm gezogenen Arbeitsschuhe auf der Baustelle im Ort ohne Eigenschaften."
(Zitat)

Mal ist das clever und unterhaltsam, mit wunderbar verunglückten Metaphern und schwülstigen Sätzen seitens Kurt, der vielleicht doch nicht so weit davon entfernt ist, sich auf seinen Genius etwas einzubilden. Auch gibt es durchaus einige Passagen, in denen ihm dann doch Momente der Sprachpoesie glücken – und manchmal fand ich es schwer, zu unterscheiden, wo das eine aufhörte und das andere anfing. 

Dann wiederum fühlte ich mich, als würde Kurt mir, der Leserin, ausführlich von den Freuden einer bereits vergangenen Party erzählen, zu der ohnehin nur Schriftsteller eingeladen waren. Manchmal ist das so mit Literatur über Literatur. 

»Hab ich dir eigentlich gesagt, dass mich deine schnittlauchgrünen Augen jedes Mal begeistern, wenn ich dich ansehe?« »Meine wasgrünen?« »Sie sind wirklich sehr schön«, sagte ich, »wie ein tiefer Blick in den Dschungel.« 
(Zitat)

Keiner der Charaktere ging mir wirklich nahe, sogar Kurt blieb mir bis zum bitteren Ende fremd. Denn der steht in steter Distanz zu sich selbst – als würde er, der sich über seinen Status als Schriftsteller definiert, seine Gedanken dem eigenen Lektorat unterwerfen. Als Leser sieht man daher weniger sein wahres Ich als sein konstruiertes Selbstbild.  

¹ http://kulturexpresso.de/gerhard-falkner-macht-den-romeo-annotation-zum-buch-romeo-oder-julia/

| Fazit |

"Romeo oder Julia" hat es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen – wurden jedoch bitter enttäuscht. Die Handlung erschien mir blutarm und unnötig aufgebauscht, und auch zahlreiche literarische Anspielungen und ein augenzwinkernder Blick auf die Banalitäten des Literaturbetriebs konnten mich nicht für das Buch erwärmen. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mich zum Nachdenken angeregt oder in irgendeiner Form bewegt hat.

Da es aber von einer Jury ausgewählt wurde, deren Mitglieder unumstritten Experten für Literatur sind, muss ich mich fragen: Habe ich das Buch einfach nicht verstanden? Oder ist es womöglich Literatur nur für Literaten?

| ANDERE REZENSIONEN / ARTIKEL ZU DIESEM BUCH |

Tiroler Tageszeitung
Kulturexpresso
kurier.at
FIXPOETRY
Zeilensprünge
Der Tagesspiegel
NDR.de
Süddeutsche Zeitung

Meine Wertung 2,5 von 5 Sternen
Titel Romeo oder Julia
Originaltitel ---
Autor(in) Gerhard Falkner
Übersetzer(in) ---
Verlag* Berlin Verlag
Seitenzahl* 272
Erscheinungsdatum* 1. September 2017
Genre Gegenwartsliteratur

* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches


Das Buch auf der Webseite des Deutschen Buchpreises

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,
    ohne das Buch schon selber gelesen zu haben, würde ich vermuten, dass es Literatur für Literaten ist. Offensichtlich zieht dieser Personenkreis mehr aus dem Buch. Dennoch - du verkörperst eine gewaltige Zielgruppe: Buchblogger und Vielleser. Ich traue dir, nach allem, was ich von dir weiß, einen guten Geschmack und ein feines Näschen für Literatur zu und ich vertraue deinem persönlichen Urteil sogar mehr als Leuten in einer Jury, die ich überhaupt nicht kenne.
    Liebe Grüße
    Daniela

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    1. Huhu Daniela,

      ich würde mich überhaupt nicht wundern, wenn dieses Buch gewinnen würde. Den Geschmack der Jury muss es ja ansprechen, sonst hätten sie es immerhin nicht auf die Shortlist gesetzt...

      Allerdings muss ich sagen, dass mir die beiden anderen nominierten Bücher, die ich bisher gelesen habe, sehr gut gefallen haben, auch als nicht-Literaturwissenschaftlerin. :-)

      LG,
      Mikka

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  2. Liebe Mikka
    Selten gibst du so wenige Sterne, also weiß ich das du fair beurteilst. Mich macht das Buch nicht wirklich an und immer wieder wundere ich mich, wie diese Bücher bei den besten der besten landen.
    Liebe Grüße Nicole

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    1. Huhu Nicole,

      ja, ich verstehe im Moment auch nicht, warum das Buch es auf die Shortlist geschafft hat – auch die Rezensionen sind überwiegend positiv.

      Das hier war sogar das Buch, das mich von den nominierten am meisten interessiert hat, aber die anderen beiden Bücher von der Liste, die ich bisher gelesen habe, fand ich um einiges besser.

      LG,
      Mikka

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