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Samstag, 9. September 2017

[ Rezension ] "Die Moortochter" von Karen Dionne


| Handlung |


"Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen ..."

(Klappentext)

| Meine Meinung |

Die ersten zwei Dinge, die mir zu diesem Buch einfallen:

Erstens, es ist ungewöhnlich, aus psychologischer Sicht interessant und in einem schnörkellosen, indes ausdrucksstarken Schreibstil geschrieben.

Zweitens, es ist kein Thriller. Nicht mal ansatzweise.

Letzteres kann natürlich ein großes Manko sein für den Leser, der nur zu "Moortochter" gegriffen hat, weil er dem Aufdruck 'Psychothriller' auf dem Cover geglaubt hat. (Verständlicherweise.) Wer es mit dieser Erwartung und ausschließlich dieser Erwartung liest, wird mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden – ich habe ein paar negative Rezensionen zu dem Buch gelesen, und diese enthielten fast alle eine Variation von dem, was ich eben unter 'Zweitens' gesagt habe.

Doch auch, wenn man diese Erwartung erstmal beiseite lässt, ist es immer noch ein Buch, das die Meinungen spaltet. Es war das Buch des Monats in unserem Krimi-Lesekreis und rief bei unserem letzten Treffen die volle Bandbreite an Reaktionen hervor: von Begeisterung über verhaltene Zufriedenheit bis hin zu tödlicher Langweile oder sogar Abbruch.  Ich selber gehörte zur Faktion der Begeisterten.

Wenn es kein Psychothriller ist, was ist es dann?

In meinen Augen vor allem das komplexe Psychogramm einer Frau, die unter höchst ungewöhnlichen Voraussetzungen aufgewachsen ist. Ihre Kindheit verbrachte Helena zusammen mit ihren Eltern in einer winzigen Hütte in der Einsamkeit des Moors – ohne zu ahnen, dass ihre Mutter nicht freiwillig dort war und ihr Vater ein Entführer, Vergewaltiger und Mörder.  Ihr erschien vieles normal, weil sie nicht wissen konnte, wie Normalität aussieht. Nicht alle Väter sperren ihre Töchter tagelang im Brunnenschacht ein. Nicht alle Väter schneiden ihnen bei Ungehorsam Worte in den Arm. Und dennoch empfindet Helena ihre Kindheit im Rückblick als glücklich, das Verhalten ihres Vaters als gerechtfertigt. Vom Verstand her weiß sie, dass dem nicht so ist, aber sie ist immer noch geprägt von seiner Erziehung. Sie ist stolz darauf, dass sie als Kind schon Fallen stellen, Spuren lesen, jagen und töten konnte, und (ob sie will oder nicht) sie ist ihm dankbar dafür. Ihre glücklichsten Erinnerungen sind solche, in denen sie ihn stolz machen konnte – wie zum Beispiel die Erinnerung an ihr erstes selber getötetes und ausgeweidetes Tier.

Ein Großteil des Buches konzentriert sich auf Helenas Erinnerung an ihre Kindheit, die Jagd auf den entflohenen Vater rückt da deutlich in den Hintergrund. Ich fand es trotzdem spannend, weil ich von Helena und ihrer Sicht auf die Welt fasziniert war.

Sie ist verheiratet, hat Kinder, und dennoch merkt man auf jeder Seite, dass sie emotional verkümmert ist. Ja, sie liebt ihre Kinder und würde für sie töten, aber ansonsten spürt man ihre Gefühle so gut wie nie. Auch nach all den Jahren ist sie im Grunde immer noch fixiert auf ihren Vater, und deswegen bleiben alle Charaktere außer ihm und Helena selber blass, unwichtig, Nebensache. Ich sehe das nicht als Scheitern der Autorin, denn es passt zu dem, was Helena erlebt hat, und ist in meinen Augen daher sicher gewollt. Tatsächlich sehe ich es als Kunststück der Autorin an, dass man als Leser trotz Helenas distanzierter Art überhaupt so einen guten Einblick in ihr Seelenleben erhält.

Da die Geschichte aus Helenas Sicht und in ihren eigenen Worten erzählt wird, ist der Schreibstil klar und direkt, ohne große Dramatik oder überbordende Emotion. Er fokussiert sich auf die Dinge, die in Helenas Welt entscheidend und wichtig sind, und vieles davon hat mit dem Überleben in der Wildnis zu tun, obwohl sie schon einige Jahre in der Zivilisation lebt, abgesehen von regelmäßigen Jagdausflügen.

Bei einem typischen Thriller wäre die Jagd nach dem Vater das wichtigste Element des Buches, und das fulminante Finale würde damit stehen oder fallen, ob Helena ihn tötet, ausliefert oder laufen lässt. Tatsächlich war mir das im Grunde jedoch vollkommen egal – was mich viel mehr interessierte, war, ob sie sich am Schluss emotional von ihrem Vater lösen kann oder nicht, und in der Hinsicht fand ich die Auflösung gelungen. 

| Fazit |

Obwohl "Moortochter" in meinen Augen kein Psychothriller ist, sondern vielmehr ein Roman mit psychologischen Spannungselementen, hat mir das Buch nichtsdestotrotz sehr gut gefallen. Die Autorin erzählt dem Leser die Geschichte einer Frau, die durch ihre Kindheit als Tochter eines Entführers und Mörders emotional verkrüppelt ist, ohne dabei in Melodrama oder Effektheischerei zu verfallen. Dennoch entwickelten die Geschehnisse auf mich eine enorme Sogwirkung.

Die im Klappentext beschriebene Jagd auf den Vater ist zweitrangig, viel interessanter sind die zahlreichen Rückblicke auf Helenas sonderbare Kindheit im Moor.

| REZENSIONEN ZU DIESEM BUCH BEI ANDEREN BLOGS |

Nisnis Bücherliebe (5 von 5 Herzen)
Sommerleses Bücherkiste (5 von 5 Sternen) 
Büchermonster (8 von 10 Sternen) 
booknerds.de (11/15 Survival-Kits)
Back Down to Earth (3 von 5 Sonnen)
Happy Booktime (3 von 5 Sternen)
Sarah hats getestet (2 von 5 Herzen)
Happy End Bücher (1 von 5 Sternen) 
Wallmanns Diversa (keine Sternewertung)
Himmelsblume (keine Sternewertung)

Meine Wertung 4 von 5 Sternen
Titel Die Moortochter
Originaltitel The March King's Daughter
Autor(in) Karen Dionne
Übersetzer(in) Andreas Jäger
Verlag* Goldmann
Seitenzahl* 384
Erscheinungsdatum* 24. Juli 2017
Genre Gegenwartsliteratur

* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon
Das Hörbuch bei Audible

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,

    ich habe dieses Buch, wie du ja schon weißt, bereits gelesen und mit fünf Sternen bewertet.

    Selten bin ich so durch einen Thriller gerast, wie bei diesem Buch. Das Schicksal der Protagonistin hat mit total gepackt und ich musste wissen wie sie mit ihrem Vater zum Schluß verfährt.
    Das du es nicht als Thriller siehst, kann ich nicht unterstützen, denn für mich war es Thrill pur. Gerade weil das Seelenleben von Helena den Hauptteil des Buches ausmacht.


    Liebe Grüße Barbara

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    Antworten
    1. Huhu Barbara,

      es ist total interessant, wie unterschiedlich dieses Buch wahrgenommen wird! Für mich und ein anderes Mitglied unseres Krimi-Lesekreises war es zwar kein Thriller, aber trotzdem ein richtig gutes Buch, aber eine hat sich durchgequält und fand es unerträglich langweilig, und wieder eine andere hat es sogar nach 100 Seiten abgebrochen...

      Ich finde richtig gut, dass das Seelenleben von Helana so im Zentrum der Geschichte steht, versteh mich nicht falsch, und ich finde es auch spannend, aber irgendwie nicht Thriller-spannend. Aber das ist ja auch immer Definitionssache. :-)

      LG,
      Mikka

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