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Mittwoch, 9. August 2017

[ Rezension ] "AchtNacht" von Sebastian Fitzek


| Handlung |

"Es ist der 8. 8., acht Uhr acht. 
Sie haben 80 Millionen Feinde.
Werden Sie die AchtNacht überleben?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie. Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen. Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei. Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst. Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.

Und Ihr Name wurde gezogen!"
(Klappentext)

| Meine Meinung |

Ich muss gestehen, ich fühle mich vom Klappentext leicht in die Irre geführt: für mich klang das Buch nach einer Art Thriller-Dystopie – einer alternativen Version unserer Gegenwart, in der diese Todeslotterie tatsächlich schon seit mehreren Jahre stattfindet ("jedes Jahres"), gesellschaftlich allgemein akzeptiert wird und aus unbekannten Gründen irgendwann in der Vergangenheit legalisiert wurde ("Jeder .... darf ihn straffrei töten"). Das entspricht allerdings nicht vollkommen der im Buch beschriebenen Realität, und von 80 Millionen Feinden kann ebenfalls nicht wirklich die Rede sein. 

Ich habe im Grunde eine Mischung aus Richard Bachmans (alias Stephen King) "Menschenjagd" und "Todesmarsch" erwartet. Oder so etwas wie die dystopischen Horrorfilme der Reihe "The Purge" – wobei ich dank Nachwort inzwischen weiß, dass genau diese Sebastian Fitzek wohl zu "Achtnacht" inspiriert haben.

Der Schlüsselsatz in der Beschreibung, dem ich nicht genug Bedeutung beigemessen habe, ist: "Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief." 

Aber ja, es gibt eine Todeslotterie, auch wenn die Umstände nicht hundertprozentig so sind, wie es der Klappentext suggeriert. Und obwohl es keine 80 Millionen Feinde gibt, gibt es immer noch mehr als genug. Ungeachtet dessen, dass es sich hier nicht um eine Dystopie handelt, sondern "nur" um einen gesellschaftskritischen Thriller, der voll und ganz in unserer Wirklichkeit verankert ist, bleibt die Grundidee bestechend.

Eigentlich finde ich sogar gut, dass der Autor nicht einfach seine eigene Version von "The Purge" geschrieben hat, sondern etwas, das jederzeit in unserer realen Welt passieren könnte – seine ganz eigene Interpretation der Grundidee, Fitzek-typisch mit einer guten Dosis Gesellschaftskritik, besonders an unserer Bereitschaft, uns von den sozialen Medien einer Gehirnwäsche unterziehen zu lassen. Ganz ehrlich? Würde morgen jemand glaubhaft auf Facebook posten,  man dürfe am 8. August straffrei jemanden töten und dafür 10 Millionen kassieren... Ach, ich will lieber gar nicht wissen, wie viele Leute dann ihr Messerchen wetzen würden.

Ich schwanke wegen der deutlichen Parallelen zu "The Purge" noch, ob ich das Buch jetzt originell finde oder nicht, aber es weicht doch stark genug von seiner Inspiration ab, um keine bloße Kopie zu sein. Also: ja und nein, aber es sollte in meinen Augen kein Grund sein, das Buch nicht zu lesen.

Damit kommen wir jetzt leider zu den Gründen, genau das nicht zu tun: 

Bei diesem Thema sollte man meinen, die Geschehnisse überschlügen sich nur so und die Protagonisten hetzten von einer lebensgefährlichen Situation in die nächste. Tatsächlich zog sich die Geschichte für mich über lange Passagen hinweg sehr in die Länge, zähflüssig und träge – und leider auch ziemlich konstruiert. So interessant ich die Handlung eigentlich fand, habe ich mich doch immer wieder gefragt: Wo sind die Feinde? Warum schlagen die jetzt nicht zu? Warum ist das Haus nicht schon von tausend Menschen umstellt? Wieso machen die Protagonisten sich das Leben schwerer, als es sein müsste?! Manches erschien mir einfach nicht mehr logisch und glaubhaft. 

Es gibt eine (halbwegs) unerwartete Wendung gegen Ende, die mir gut gefallen hat, weil sie im Rückblick einiges in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt, und eine andere, die ich nicht so recht glaubhaft fand. Die Auflösung hat mich deswegen mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Das Buch hatte eine Unmenge an Potential, das meines Erachtens einfach nicht ausgeschöpft wurde. Ich hatte das Gefühl, eine noch nicht komplett ausgereifte Rohfassung zu lesen, die mit etwas Überarbeitung – vielleicht! – einen großartigen Thriller hätte ergeben können.

Der Protagonist heißt Ben, hat eine Tochter, die im Rollstuhl sitzt und zur Zeit der Handlung im Koma liest, und das ist auch schon so ziemlich alles, an was ich mich erinnere. Nein, das ist kein Witz, er ist mir wirklich kaum im Gedächtnis geblieben. Oh, doch – in einer Szene bringt er sich selber in Todesgefahr, um einen anderen Menschen zu retten, und das fand ich doch ziemlich anständig von ihm, aber ansonsten wirkte er auf mich eher blass, was leider auch für die anderen Charaktere gilt. 

Fitzek erspart dem Leser hier erfreulicherweise die erzwungenen Cliffhanger, die mir z.B. in "Das Joshua-Profil" so sauer aufgestoßen sind, aber der Schreibstil wirkte auf mich oft fast schon reißerisch, dabei aber gleichzeitig lustlos... Kopfkino? Leider Fehlanzeige.

Schreiben Sie inzwischen einfach zu schnell, Herr Fitzek? 

| Fazit |

Die Grundidee fand ich grandios, die Umsetzung sehr enttäuschend. Was ein nervenzerfetzender Thriller mit einem Hauch Dystopie hätte sein können, kommt in meinen Augen nicht so richtig in die Gänge. Die Charaktere wirkten auf mich farblos, der Schreibstil uninspiriert, und im Ganzen hat mich das Buch bestärkt, dass ich mit den neueren Büchern von Fitzek einfach nicht warm werde. 

| REZENSIONEN ZU DIESEM BUCH BEI ANDEREN BLOGS |

1. Book Walk (3,5 von 5 Sternen)
2. BücherSerien (keine Sternewertung)
3. Buchwurm.info (4,5 von 5 Sternen)
4. liberiarium (5 von 5 Lesebrillen)
5. Zeilenverliebt (4 von 5 Sternen)
6. Buntes Tintenfässchen (5 von 5 Sternen)
7. Booknerds by Kerstin (Abbruch-Rezension)
8. Janetts Meinung (4 von 5 Sternen)
9. Papier und Tintenwelten (4 von 5 Sternen)
10. Die Rezensentin (3 von 5 Büchern)
11. Leselust (2 von 5 Sternen)
12. Bücherstern (3 von 5 Sternen)
13. The Passion of Books (3 von 5 Sternen)
14. Food Meets Books (2 von 5 Sternen)
15. Lostcrow's Bücherchaos (2 von 5 Federspangen)
16. My Books Paradise (2 von 5 Sternen)

Meine Wertung 2,5 von 5 Sternen
Titel AchtNacht
Originaltitel ---
Autor(in) Sebastian Fitzek
Übersetzer(in) ---
Verlag* Knaur TB
Seitenzahl* 416
Erscheinungsdatum* 14. März 2017
Genre Thriller

* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches



Cover 4 Sterne
Originalität 3 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 2 Sterne
Charaktere 2,5 Sterne
Schreibstil 2,5 Sterne
Logik / Schlüssigkeit 2 Sterne
Auflösung 2,5 Sterne

Kommentare :

  1. Oje. Da bin ich gespannt, wie mir das Buch gefallen wird... ;)

    LG Anne

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    1. Huhu Anne,

      das Buch scheint sehr unterschiedliche Meinungen hervorzurufen! Das sieht man ja schon an den Rezensionen, die ich verlinkt habe, da ist von 2 bis 5 Sternen alles dabei.

      Ein Mitglied aus unserem Krimi-Lesekreis fand "AchtNacht" richtig gut, aber was Fitzek betrifft, kommen wir auf keinen gemeinsamen Nenner – mir hat auch "Das Joshua-Profil" nicht gefallen, und das fand sie ebenfalls klasse. :-)

      Ich mochte "Der Augensammler" von Fitzek, "Noah" fand ich richtig klasse, aber mit seinen neueren Büchern werde ich scheinbar nicht warm.

      LG,
      Mikka

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  2. Huhu Mikka,
    ja dieses Buch spaltet die Leserschaft;-) Bei mir war es ja vorwiegend das Ende welches für mich gar nicht ging. "Noah" habe ich noch nicht gelesen, aber sonst glaube ich habe ich alle von Fitzek durch und muss auch sagen, dass ich seine früheren Bücher deutlich besser fand. "The Purge" kenne ich gar nicht, daher ist mir in die Richtung natürlich nichts aufgefallen;-)
    Liebste Grüße, Petra

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    1. Huhu Petra,

      in "The Purge" ist es nicht auf eine Person beschränkt, sondern an einem bestimmten Tag im Jahr darf einfach jeder jeden töten – allerdings nur Menschen bis zu einem gewissen "Level", die nicht als unverzichtbar für die Gesellschaft eingeschätzt werden. Das soll zum einen die Überbevölkerung regulieren, und zum anderen spekuliert die Regierung darauf, dass sich die Kriminellen dann gegenseitig auslöschen. Also schon ein etwas anderes Szenario!

      LG,
      Mikka

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  3. Hey :)

    "AchtNacht" war für mich im Frühjahr das erste der neueren Bücher von ihm, das ich nach einer langen Fitzek-Abstinenz gehört habe. Ich habe es auf LB und GR mit drei Sternen bewertet, es bei mir am Blog aber nicht extra rezensiert. In der Zwischenzeit habe ich "Passagier 23" gelesen und habe auf einmal Parallelen festgestellt - in beiden Fällen konnten mich die Figuren nicht begeistern. Keine hatte für mich die Tiefe, die es gebraucht hätte, damit ich wirklich mitfiebern hätte können ... Gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht.

    Habe es auch bei mir in einem entsprechenden Kommentar zu "Passagier 23" geschrieben: Vielleicht sollte ich als Kontrast einmal seinen Erstling "Die Therapie" zu Gemüte führen, einfach um zu sehen, ob es einen Unterschied gibt :).

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Huhu Ascari,

      ich hatte von ihm als erstes "Der Augensammler" gelesen, was ich richtig gut fand, dann "Noah", was ich ebenfalls mochte. Deswegen war ich überrascht, als mich dann weder "Das Joshua-Profil", noch "Die Blutschule" und jetzt "AchtNacht" überzeugen konnten... Ich glaube, ich werde, wenn überhaupt, nur noch seine ersten Bücher lesen.

      LG,
      Mikka

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    2. DAS ist sicher kein schlechter Plan ;)

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  4. Hallo Mikka :)

    Eine Freundin von mir liebt Fitzek und hat alle seine Bücher gelesen. Ich konnte bisher noch nicht wirklich mit ihm warm werden, allerdings habe ich es erst mit Noah versucht, dass ich aber abgebrochen habe, weil es mir einfach nicht glaubhaft genug war. Deine Rezension teilt mir nun mit, dass dieses Buch wohl auch nicht gerade der bester Einsteiger wäre.

    Was ist bisher dein liebstes Buch von ihm? Der Augensammler? Mir wurde bisher auch Passagier 23 viel empfohlen :)

    Schönen Lesesonntag!

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    1. Huhu Misty,

      ich habe noch gar nicht so viel von ihm gelesen, aber "Der Augensammler" hat mir gut gefallen!

      LG,
      Mikka

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Danke für deinen Kommentar! :D