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Sonntag, 9. Juli 2017

[ Rezension ] "Die Heimsuchung von Grayson Manor" von Cheryl Bradshaw

© Mikka Gottstein | Vollständiger Beitrag auf meinem Blog: http://www.mikkaliest.de/2017/07/die-heimsuchung-von-grayson-manor.html

Handlung

"Addison Lockhart hat paranormale Fähigkeiten. Seit ihrer Kindheit quälen sie Visionen und dunkle Vorahnungen. Über die Jahre lernte sie ihre Gabe so gut wie möglich zu ignorieren. Als sie nach dem Tod ihrer Mutter das verwunschene Landgut „Grayson Manor“ erbt, tun sich Fragen auf. Ihre Mutter soll dort geboren und aufgewachsen sein, doch wieso hat die das Haus nie erwähnt? Welche Geheimnisse verbirgt es? Addison begibt sich auf Spurensuche und zieht in das leerstehende Anwesen."
(Klappentext)

Meine Meinung

Der Klappentext klingt nach wohliger Gänsehaut: ein geerbtes altes Landgut, ein düsteres Familiengeheimnis... Dazu kommt noch eine Protagonistin mit paranormalen Fähigkeiten, und damit sind eigentlich schon die perfekten Zutaten für eine tolle Geistergeschichte mit ganz viel Atmosphäre gegeben. Das Potential ist da, keine Frage, aber leider konnte "Grayson Manor" mich nicht in seinen Bann ziehen, zu meiner großen Enttäuschung. 

Die Geschichte kam mir in einigen Elementen bereits nach wenigen Kapiteln sehr vorhersehbar vor. Manches davon fand ich zunächst verzeihlich, da es nun mal zu einer klassischen Geistergeschichte dazugehört: natürlich ertönen des Nachts schaurige Geräusche, natürlich spielt das einzige verschlossene Zimmer im Haus eine wichtige Rolle, natürlich muss die Protagonistin herausfinden, warum der Geist nicht ins Licht gehen kann. Aber hier passiert einfach zuviel, was man so oder so ähnlich schon aus anderen Geistergeschichten kennt, und zu wenig, was die Geschichte darüber hinaus außergewöhnlich machen würde. 

Spannung oder Grusel wollten sich da nicht so richtig einstellen, und auch die Atmosphäre kam bei mir nur selten wirklich an, was allerdings zum großen Teil sicher an der Übersetzung liegt. (Dazu gleich noch mehr.) 

Vieles ging mir schlichtweg zu glatt: Addison stößt in ihren Ermittlungen nur selten auf Hindernisse, die sich nicht relativ schnell überwinden lassen, zum Teil mithilfe von schieren Zufällen. In der zweiten Hälfte des Buches gibt es zwar ein paar nette unerwartete Wendungen, die tatsächliche Auflösung ließ mich indes etwas unbefriedigt zurück, denn hier klären sich die Dinge weniger auf, weil Addison so gut ermittelt hätte, sondern mehr, weil ihr von anderen erzählt wird, was passiert ist.

Wenn man das Ganze nur als Kriminalfall betrachtet und die Geistergeschichte mal außer acht lässt, dann finde ich die Auflösung gar nicht mal so schlecht, wenn auch ein bisschen unspektakulär. Das Ende der paranormalen Handlung wirkte auf mich hingegen übertrieben und klischeehaft. 

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vor allem Addison, der Handwerker Luke, der das Landgut renovieren soll, und die "Heimsuchung", wobei ich über deren Identität noch nichts verraten möchte. 

Mir waren Luke und Addison zwar nicht unsympathisch, aber wirklich warm bin ich mit ihnen ebenso wenig geworden. Vor allem fehlte mir das Gefühl, dass sie sich glaubhaft weiterentwickeln, und ihre Bekanntschaft entwickelt sich in meinen Augen ein wenig zu sprunghaft. Im Großen und Ganzen kamen mir die Charaktere eher blass vor, und Addisons Verhalten konnte ich nicht immer nachvollziehen. Ihr Verhalten ändert sich oft sehr schnell, ohne einen für mich nachvollziehbaren Wandel von einem zum anderen. 

Nach einer Leseprobe des englischen Originals würde ich sagen, dass der Schreibstil sich gut und flüssig liest, wenn auch manchmal mehr wie ein Jugendbuch als ein Roman für Erwachsene. Im Deutschen finde ich es sehr schwer, den Schreibstil zu bewerten, weil die Übersetzung, ich kann es nicht anders sagen, katastrophal ist.

Nachdem mir zahlreiche Sätze ins Auge fielen, da sie sich sehr merkwürdig und holprig lasen, habe ich angefangen, diese Passagen mit dem englischen Original zu vergleichen (Google Books macht's möglich) und dabei festgestellt, dass diese Sätze oft beinahe wortwörtlich übersetzt wurden, obwohl es Phasen und Ausdrücke in dieser Form im Deutschen gar nicht nicht gibt.

Da werden Türknäufe "weggebaut" und Addison wird auf eine Tür "zugewinkt"... 

Über die Männer im Leben eines Charakters wird gesagt: "sie prasselten auf sie ein".
Im Original: "they beat down her door" , sinngemäß "sie rannten ihr die Tür ein"

"Seine Arroganz hing in der Luft wie ein heftiges Puffen von Zigarrenrauch."
Im Original: "His arrogance clung to the air like a hefty puff of cigar smoke", was in etwa bedeutet: "Seine Arroganz hing in der Luft wie eine dichte Wolke Zigarrenrauch."

"Sie löste ihre Hand vom Bettpfosten und ließ einen wackligen Finger durch die Luft gleiten. Ihr Finger verfestigte sich, sobald er sein Ziel fand, und hörte auf zu wackeln." 
Im Original"She released her hand from the bed post, sweeping an unstable finger through the air. Her finger steadied once it found its target and the movement stopped." Wie ich es übersetzen würde: "Sie löste ihre Hand vom Bettpfosten und fuhr mit einen unsicheren Finger durch die Luft. Ihr Finger kam zur Ruhe, als er sein Ziel fand, und die Bewegung endete."

Fazit

Versprochen hatte ich mir von diesem Buch eine angenehm gruselige Geistergeschichte, aber Grusel oder Spannung kamen bei mir nur selten auf. Hier werden viele Elemente, die man aus Geistergeschichten eben so kennt, abgehandelt, dabei mangelt es der Erzählung jedoch meines Erachtens an Atmosphäre, und auch die Charaktere wirkten auf mich leider farblos. Das Ende konnte mich ebenfalls nur halbwegs überzeugen.

Das größte Manko ist für meine Begriffe jedoch die Übersetzung, die Sätze oft beinahe wortwörtlich ins Deutsche überträgt, was einfach nicht immer funktioniert.. 

Meine Wertung 2 von 5 Sternen
Titel Die Heimsuchung von Grayson Manor
Originaltitel Grayson Manor Haunting
Autor(in) Cheryl Bradshaw
Übersetzer(in) Andrea Blendl
Verlag* Mantikore
Seitenzahl* 320
Erscheinungsdatum* 12. Juli 2017
Genre Gruselgeschichte

* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon

Cover 4 Sterne
Originalität 2,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 2,5 Sterne
Charaktere 2,5 Sterne
Schreibstil 3 Sterne
Übersetzung 1,5 Sterne
Atmosphäre 2 Sterne

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,

    das macht mir ja jetzt gar keinen Must. Au weh, und ich konnte es mal wieder nicht abwarten und habe es mir gleich geschnappt. Aber mal schauen, vielleicht schneidet es bei mir besser ab ...

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Huhu Nicole,

      ich drücke dir echt die Daumen, dass es dir besser gefällt! Ich bin aber auch super empfindlich, was schlechte Übersetzungen betrifft, weil mein liebes Gehirn dann KONSTANT jeden Satz zurück ins Englische übersetzt...

      LG,
      Mikka

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  2. Hallo Mikka,

    oh jeh, eigentlich steht dieses Buch weit oben auf meiner Wuli, aber das klingt jetzt so gar nicht nach der düsteren, schaurigen Gruselgeschichte, die ich mir erhofft habe. Gerade Atmosphäre ist bei diesem Genre so wichtig, aber wenn diese nicht entsteht, fehlt die Wirkung. Schade!

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Huhu Silke,

      ich vermute, dass die Atmosphäre im Original besser rüberkommt, im Deutschen hat mich diese Übersetzung einfach immer wieder so gestört, dass sie mich wahrscheinlich von allem anderen abgelenkt hat...

      LG,
      Mikka

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  3. Hallo Mikka,
    auch ich schließe mich an und habe dieses Buch sehr schnell, vor allem aufgrund von Cover und KT auf meine Wunschliste gepackt. Ich habe es noch nicht zu Hause, es sollte aber bei der nächsten Bestellung dabei sein. Nun habe ich deine Rezi gelesen, da die liebe Nicole so nett war und mich auf diese verwies und nun ist deine Meinung verankert. Ende August zeigt sich dann, ob das Buch auf der Bestellliste landet oder doch eher ein anderes der langen Liste :P

    P.S. die genannten Sätze gehen echt gar nicht. Da ich der englischen Sprache nicht so mächtig bin, wie du, hätte ich mir die Rückübersetzung wahrscheinlich nicht durch den Kopf gehen lassen, aber der fehlende deutsche Zusammenhang wäre mir natürlich auch aufgefallen! Ich hoffe ich werde nie auf eine Tür zugewinkt :D :D :D

    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Huhu Andrea,

      ja, und der wacklige Finger klingt auch eher ungesund... Ich bin am Überlegen, ob ich mir den zweiten Band der Reihe eventuell auf Englisch kaufe und mal schaue, ob der mir dann besser gefällt.

      LG,
      Mikka

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  4. Dank Nicole bin ich hier gelandet und nach dieser Kritik bin ich geneigt mir das Original zu holen. Selbst wenn das Buch nicht zu 100% überzeugt hat, ich bin nun neugierig auf die Geschichte :D

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    1. Huhu,

      ich würde ja sagen, die Geschichte lohnt nicht, aber das ist natürlich auch Geschmacksache... Mich hat das Buch leider nicht mal zu 50% überzeugt! ;-)

      LG,
      Mikka

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Danke für deinen Kommentar! :D