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Sonntag, 11. Juni 2017

[ Rezension ] "Ready Player One" von Ernest Cline

Ernest Cline: Ready Player One
Schöne neue Welt? Nerd-Alarm!
Meine Wertung 3,5 von 5 Sternen
Titel Ready Player One
Originaltitel Ready Player One
Autor(in) Ernest Cline
Übersetzer(in) Sara & Hannes Riffel
Verlag* Fischer TOR
Seitenzahl* 544
Erscheinungsdatum* 27. April 2017
Genre Science Fiction / Dystopie

* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon
Das Hörbuch bei Audible

Handlung

"Im Jahr 2044 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis.

Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet ..."
(Klappentext)

Meine Meinung

"Ready Player One" ist ein Kultklassiker, eine kuriose Mischung aus 80er-Jahre-Hype und SciFi-Dystopie. 

Im Jahr 2044 lebt und arbeitet fast jeder nur noch in der virtuellen Realität "Oasis", wo man sich selber nach Belieben präsentieren kann – man kann aussehen, wie man will, klingen, wie man will, alles ist anonym, nichts hat ernsthafte Konsequenzen. Doch dann stirbt James Halliday, Schöpfer der Oasis und reichster Mensch aller Zeiten, und hinterlässt ein komplexes Rätsel: wer sich die drei Schlüssel erspielt, die drei Tore öffnet und das Ei findet, soll Hallidays ganzes Vermögen erben. 

Wie zu erwarten, wird die Jagd nach dem Ei zunehmend brisant, mit dramatischen Auswirkungen auf die reale Welt. Das Buch zieht das volle Register: riesige Kampfroboter in der digitalen Welt, Erpressung, Betrug und sogar Mord in der realen.

Das liest sich oft wie ein "Let's Play!", bei dem man Wade, der Hauptfigur, dabei zusieht, wie er seinen Avatar durch ein Computerspiel steuert! Was natürlich dazu passt, dass hier ein jugendlicher Gamer seine Erlebnisse in einer virtuellen Welt erzählt. Die Jugendsprache kam mir zum Teil etwas erzwungen vor, mit hölzernen, übertriebenen Dialogen, dennoch liest sich das Ganze süffig und unterhaltsam – mit leichten Abstrichen.

Halliday war ein glühender Verehrer der 80er-Jahre, und so sind die Rätsel nur so gespickt mit Popkultur-Referenzen. Als Kind der 80er und bekennender Nerd hat mir das erst eine Menge Spaß gemacht, aber irgendwann nutzte es sich ab: ich hatte den Eindruck, es sollten so viele Spiele, Filme, Serien, Bands, Autos und Bücher untergebracht werden, wie nur irgend möglich.
Wade ist am Anfang des Buches ein Außenseiter, weil er zu arm ist, um sich für seinen Avatar Designerklamotten oder teure Ausrüstungsgegenstände leisten zu können. Außerdem ist er ein Gestrandeter: Die Oasis besteht aus unzähligen "Welten", und der Transport zwischen ihnen kostet digitales Geld, das Wade nicht hat. Deswegen sitzt er auf der Welt fest, wo sich seine Schule befindet, was selbstverständlich total uncool ist.

Leise Sozialkritik kommt auf, wenn man sich Wades soziales Leben mal vor Augen führt: da gibt es seinen besten Freund "Aech" und die niedliche Gamerin "Art3mis", in die Wade komplett verschossen ist – aber beide hat er noch nie offline getroffen, er weiß nicht einmal, wie sie aussehen oder wirklich heißen. Was für eine Welt ist das, wenn Freunde und sogar Liebespaare nur das voneinander wissen, was sie im Internet von sich preisgeben? Sind wir auf dem Weg zur Oasis – alles immer schneller, bunter, oberflächlicher, Hauptsache ständige Stimulation und Bestätigung?  Leider kratzt das Buch da nur an der Oberfläche. 

Mir fehlten bei Wade oft glaubhafte emotionale Reaktionen: sogar, wenn eine seiner Entscheidungen in letzter Konsequenz zum Tod vieler Unschuldiger führt, ruft das keine echte Trauer oder gar Schuldgefühle hervor. Das Spiel muss weitergehen.

Die Tage von Wade und seinen Freunden müssen mindestens 48 Stunden lang sein; sie haben scheinbar alles gelesen, gehört und gespielt, das auch nur im Entferntesten mit den 80ern zu tun hat. Mehrfach, so dass sie jederzeit daraus zitieren können! Gerade Wade fliegt vieles in meinen Augen zu leicht zu. Auch, wenn er ein Spiel nur ein- oder zweimal gespielt hat – vor Jahren! – kann er dennoch in kürzester Zeit den Highscore knacken... Die Rätsel sind in meinen Augen bei Weitem nicht schwierig genug, dass Tausende von Gamern sie in 5 Jahren nicht hätten lösen können!

Außerdem: wie funktioniert diese Welt, wenn die meisten Menschen ständig online sind? Wer pflanzt das Gemüse an, wer baut im Bergwerk die Rohstoffe ab, die für die ganze Technologie gebraucht werden? Die Menschen, die offline leben, müssten eigentlich enorme Macht haben – denn die Menschen, die in der Oasis leben, sind auf sie angewiesen, schließlich müssen sie essen und trinken, brauchen Kleidung und Ausrüstung und so weiter.  Für mich blieben da zu viele Fragen offen!

Fazit

Als Kind der 80er und Nerd aus Überzeugung war dieses Buch für mich Pflichtprogramm!

Man kann nur so durch die Seiten fliegen – es gibt jede Menge Action und unzählige Anspielungen auf die Popkultur der 80er, die das Herz eines Nerds höherschlagen lassen...  Dennoch ist es für mich ein Buch, das man wunderbar lesen kann, aber nicht unbedingt lesen muss.

Die Charaktere blieben für mich eher flach und die Welt wurde in meinen Augen nicht 100%ig glaubhaft konstruiert. Auch den Schreibstil fand ich ziemlich einfach, manchmal sogar etwas holprig. Auch, wenn ich das Buch unterhaltsam fand, fehlte mir das Gefühl, etwas zu lesen, was in der Zukunft tatsächlich genau so passieren könnte.

REZENSIONEN ZU DIESEM BUCH BEI ANDEREN BLOGS

1. Fabelhafte Bücher
2. Bücher wie Sterne
3. Captain Fantastic
4. Mandys Bücherecke
5. The Read Pack

Cover 4,5 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 4 Sterne
Charaktere 2,5 Sterne
Schreibstil 3 Sterne
Humor 3,5 Sterne
Romantik 3 Sterne
Weltentwurf und Schlüssigkeit 2 Sterne

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,
    ich bewundere immer, auf was für Ideen Autoren kommen. Das klingt so originell, 80er Jahre trifft dystopische Zukunft.
    Schade, dass der Weltentwurf nicht so logisch war, denn die Grundidee klingt so gut!
    Grüße
    Daniela

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    1. Huhu Daniela,

      ja, die Idee ist klasse! Und als Kind der 80er fand ich die ganzen Anspielungen auch erst witzig... Aber dann wurden sie mir einfach zu viel! Ich unterhielt ich mich mit meinem Mann über das Buch und konnte ihm nicht erklären, wie diese Welt überhaupt funktioniert.

      LG,
      Mikka

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  2. Deine Rezi bestätigt mich dabei, das Buch doch nicht zu lesen. 😁 Man stolpert ja seit einer Weile immer wieder darüber.

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    1. Huhu!

      Es gibt ja auch durchaus viele, viiiiiele begeisterte Stimmen! ;-)

      LG,
      Mikka

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  3. Huhu Mikka =)

    Auch wenn dich das Buch nicht komplett überzeugen konnte, bin ich immer total kribbelig, wenn auf den Blogs eine Rezension dazu auftaucht. Das Buch liegt jetzt locker schon ein Jahr auf meinem SUB. Am liebsten würde ich hinrennen und es gleich aufschlagen =)

    LG
    Anja

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    1. Huhu Anja,

      ich hatte mich eigentlich auch sehr auf das Buch gefreut! Es las sich ja auch durchaus unterhaltsam, aber ich hatte mich einfach mehr erwartet.

      LG,
      Mikka

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  4. Hi^^

    Da ich selbst Gamer bin, hat mich der Buchtitel auch gleich angesprochen. Allerdings das Buch selbst dann nicht so, u.a. weil dem Charakter alles quasi vor die Nase fiel und er alles kannte und gucken konnte. Das war mir auch zu seltsam. Überhaupt wurde ich nicht mit dem Buch warm.

    Lg,
    Kira

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    1. Huhu Kira,

      früher war ich auch totaler Gamer, aber in den letzten Jahren ist das fast eingeschlafen, mit Ausnahme von Wimmelbildspielen! X-D

      LG,
      Mikka

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  5. Hey :)

    Ich habe es ja gerade gehört - und muss dir beipflichten. Obwohl David Nathan es sehr gut liest, bin ich nie wirklich komplett eingetaucht. Das bekannte "Show don't tell" hat für mich die meiste Zeit überhaupt nicht funktioniert, für meinen Geschmack wird hier viel zu viel "erzählt". Das ging für mich schon gleich zu Beginn los, weil fast das komplette erste Drittel eigentlich eine Rückblende ist - und es ist einfach nicht spannend, wenn man weiß, was das Ergebnis der ersten größeren Schatzsuche ist ...

    Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Geschichte als Film funktionieren könnte, weil man dann einiges straffen müsste - und die Grundidee mit der Jagd nach den Schlüsseln war eigentlich faszinierend.

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Huhu Ascari

      ich habe es beim Lesen auch zeitgleich gehört! Allerdings hatte ich erst die alte Fassung des Hörspiels aus der Onleihe ausgeliehen, und der Sprecher (Martin Bross) war absolut furchtbar. Aech klang schmierig, Art3mis ständig übertrieben arrogant-sexy, und alle einfach quitschig und quengelig und nervig. Das war echt nicht auszuhalten. So einen schlechten Sprecher habe ich noch nie gehört! Ich habe es zurückgegeben und mir die neue Fassung mit David Nathan geholt.

      Wirst du dir den Film dann anschauen? Ich bin noch unschlüssig, weil ich eh nur sehr selten ins Kino gehe.

      LG,
      Mikka

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    2. Hey :)

      Oh, so schlecht war die alte Fassung? Bei Audible gab es jetzt nur noch die neue ...

      Nur um das festzuhalten: Ich weiß nicht, ob es einen Film geben wird - es war nur der Gedanke, dass die Geschichte als Film funktionieren könnte :). Aber wenn es mal einen gibt: Ich würde ihn mir wahrscheinlich schon anschauen, glaube ich.

      Liebe Grüße
      Ascari

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    3. Oh, ich dachte, du wüsstest das: Stephen Spielberg verfilmt das Buch gerade, es soll 2018 in die Kinos kommen. ;-)

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    4. Oh?! Nein, das habe ich nicht gewusst, ich bekomme meistens erst mit, dass etwas verfilmt wurde, wenn es ins Kino kommt ... :D

      Aber wenn Spielberg seine Hand im Spiel hat, könnte ja wirklich was Interessantes dabei herauskommen, gewöhnlich hat er eine gute Nase für Geschichten :).

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  6. Du hast mich sehr neugierig gemacht auf das Buch und so landet es direkt auf der Wunschliste. Die möchte ich morgen mal abarbeiten, mal sehen ob ich dabei auch auf dieses Buch zurückgreife. Gruß Martin

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    1. Huhu Martin,

      dann hoffe ich mal, dass das Buch dich überzeugen kann! :-)

      LG,
      Mikka

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Danke für deinen Kommentar! :D