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Mittwoch, 10. Mai 2017

[ Rezension ] "George" von Alex Gino

Alex Gino: George
#diverseLit: Ein mutiges kleines Mädchen im Körper eines Jungen
Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel George
Originaltitel George
Autor(in) Alex Gino
Übersetzer(in) Alexandra Ernst
Verlag* Sauerländer
Seitenzahl* 208
Erscheinungsdatum* 25. August 2016
Genre Kinderbuch ab 10 Jahren

* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon
Das Hörbuch bei Audible

Handlung

"George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen."
(Klappentext)

Meine Meinung


Das Buch hat einige Auszeichnungen für Kinder- und Jugendliteratur gewonnen, wie zum Beispiel den 'Stonewall Book Award for Children' oder die Goldmedaille des  'California Book Awards'. Als Alex Gino 2003 mit der ersten Version des Buches begann, gab es nur wenige Kinderbücher, in denen glaubwürdige schwule oder lesbische Charaktere eine Rolle spielten, und Kinderbücher mit transsexuellen Charakteren schien es gar nicht zu geben. 

Das Thema ist eine Herzensangelegenheit für Alex Gino, dier sich selbst als 'genderqueer' identifiziert, was bedeutet, dass xier sich weder als Mann noch als Frau betrachtet. ('dier' und 'xier' werden übrigens oft anstelle von 'der/die' oder 'er/sie' verwendet.) Gino hat also eigene Erfahrungen mit den Vorurteilen und Schwierigkeiten, mit denen Menschen kämpfen müssen, die von den Vorstellungen der Gesellschaft über Sexualität abweichen. 

Und das merkt man auch, denn die kleine George ist von Anfang an herzzerreißend glaubhaft. Sie ist erst 10 Jahre alt, aber sie hat immer schon gewusst, dass sie ein Mädchen ist und kein Junge! Man spürt auf jeder Seite, wie George unter dem leidet, was für alle anderen selbstverständlich ist: sie verzweifelt daran, die Jungentoilette benutzen zu müssen, sie hat Angst davor, älter und 'männlicher' zu werden, und sie könnte weinen, wenn ihre Mutter ihr sagt, George würde immer ihr kleiner Junge sein... Und sie ist manchmal so unglaublich einsam damit, trotz ihrer besten Freundin Kelly - denn die weiß auch nicht, dass ihr bester Freund in Wirklichkeit eine beste Freundin ist 

Kein einziges Mal habe ich beim Lesen von George als Jungen gedacht: George ist ein Mädchen, das ist doch sonnenklar! Und nicht nur irgendein Mädchen, sondern ein intelligentes, warmherziges, witziges und mutiges, und damit genau die Identifikationsfigur, die transsexuelle Kinder und Jugendliche so dringend brauchen. Aber es ist auch für cisssexuelle1 Leser jeden Alters ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken, zum Mitfühlen und zur Toleranz einlädt.

Auch die anderen Charaktere sind großartig und wunderbar geschrieben, vor allem Georges treue Freundin Kelly, die ihr immer bedingungslos beisteht. Ich wünschte, jedes transsexuelle Kind (oder überhaupt jedes Kind!) hätte eine Freundin wie Kelly. Aber nicht alle Menschen in Georges Leben können direkt damit umgehen! 

Die Geschichte wird spannend erzählt, mit viel Humor und ganz großen Emotionen. Ich habe mit George mitgelitten und mitgefiebert, und mir ist das Herz aufgegangen, wann immer sie einen kleinen Schritt in Richtung Akzeptanz gehen konnte - in Richtung von Melissa, ihrem wahren Ich. Die überschäumende Freude, die George an ganz einfachen Dingen empfindet, wie zum Beispiel, sich endlich selbst im Spiegel in Mädchenkleidung und mit einer Mädchenfrisur zu sehen, hat mich zu Tränen gerührt. 

Das Ende ist versöhnlich und hoffnungsvoll, ohne die Schwierigkeiten, die George/Melissa in der Zukunft mit Sicherheit begegnen werden, kleinzureden. Aber wie sie selber sagt: es wird vielleicht schwer werden - aber als Junge leben zu müssen, ist auch schon furchtbar schwer und wird immer schwerer. 

Der Schreibstil ist einfach und kindgerecht, bringt das Thema und die Persönlichkeit von George aber perfekt rüber. Es ist einfach alles so echt, wie direkt aus dem Leben gegriffen! 

Auch die Umsetzung als Hörbuch fand ich unglaublich gut gelungen, denn Julian Greis spricht alle Charaktere, allen voran George und Kelly, überzeugend und einfühlsam. Die Balance aus Humor und Ernsthaftigkeit gelingt ihm tadellos.

1cissexuell: Mensch, der sich mit seinem biologische Geschlecht identifiziert

Fazit

Ein bewegendes Buch über ein wunderbares kleines Mädchen im Körper eines Jungen. George wäre viel lieber Melissa, aber sie traut sich nicht, es anderen Menschen zu sagen. Aber irgendwann hält sie es einfach nicht mehr aus und möchte allen zeigen, wer sie wirklich ist - indem sie in der Schulaufführung von 'Wilbur und Charlotte' die weibliche Hauptrolle spielt. 

Das Thema Transsexualität wird kindgerecht aufgegriffen, in einer spannenden, unterhaltsamen Geschichte, die ans Herz geht. 

REZENSIONEN ZU DIESEM BUCH BEI ANDEREN BLOGS

Cover 4,5 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 4 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 4,5 Sterne
Humor 4,5 Sterne
Sprecher 5 Sterne

Kommentare :

  1. Hey :)

    Ich habe mir früher schon mal gedacht, dass dieses Buch bestimmt auch für Erwachsene interessant sein dürfte ... Jetzt hast du es auf jeden Fall geschafft, dass ich es bei Audible auf meine Merkliste gestellt habe, damit ich es nicht aus den Augen verliere :).

    Liebe Grüße und danke für deine berührende Rezi!
    Ascari

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    1. Huhu Ascari,

      ich fand George einfach so wunderbar beschrieben. Viele Leute glauben ja immer noch nicht, dass es so etwas wie Transsexualität überhaupt gibt, und vor allem Kinder werden damit oft nicht ernstgenommen.

      Ich habe Freunde, die transgender sind. Wir konnten uns zwar noch nie offline begegnen, weil D. und F. in Amerika wohnen, aber online kennen wir uns schon seit 1999. Beide haben mir allerdings nicht von Anfang an erzählt, dass sie transgender sind! Bei D. hat es zwei oder drei Jahre gedauert. Bei F. war es sogar so, dass NIEMAND von uns wusste, dass er transgender ist, nicht mal gemeinsame Freunde, die ihn in New York getroffen haben! Er war 13, als ich ihn online kennenlernte, und damals hat ihm immer jeder erzählt, dass er aussieht wie Harry Potter! Er war ein so süßer kleiner Kerl, und mir kam nie der leiseste Verdacht, dass er in einem weiblichen Körper lebte. 2007 hat er es uns dann "gebeichtet", weil er sich so schlecht damit fühlte, dass er es uns immer verheimlicht hatte, aber er hatte sich vorher einfach nicht getraut, es irgendjemandem zu erzählen, nicht mal D., weil er als Kind wahnsinnig schlechte Erfahrungen damit gemacht hatte. Seine Eltern haben ihn sogar ein paar Jahre in die Psychatrie stecken lassen, bevor sie ihm dann geglaubt haben.

      Deswegen ist ein Buch wie "George" so wichtig. Ich musste bei George auch öfter an Jazz denken, über die ABC News eine kleine Dokumentation gedreht hat, als sie erst 11 Jahre alt war:
      https://www.youtube.com/watch?v=bJw3s85EcxM

      LG,
      Mikka

      P.S.: Nicht wundern, ich habe meinen Kommentar geändert, weil ich mir gerade nicht mehr sicher bin, ob D. und F. ihre Identität als transgender in ihrem momentanen Leben verstecken müssen oder nicht. (Das muss ich sie dringend mal fragen!) Ohne Nachnamen könnte man sie wahrscheinlich ohnehin nicht mit diesem Kommentar in Verbindung bringen, aber sicher ist sicher.

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  2. Hey Mikka,

    wiedermal ein ganz besonderes Buch. Ich habe es vorher noch nicht gesehen und es wäre mir völlig durch die Lappen gegangen, wenn du es nicht hier vorgestellt hättest.
    Wandert direkt auf meine Wunschliste!

    LG
    Anja

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    Antworten
    1. Huhu Anja,

      ich finde, es ist wirklich ein ganz wunderbares Buch. Ich habe transsexuelle Freunde, und als die in dem Alter von George waren, gab es solche Bücher noch nicht – und überhaupt hat man Kinder damals eher in die Psychiatrie gesteckt, um sie von diesem "Wahnvorstellungen" zu heilen... In den letzten Jahren hat sich da ja wirklich viel getan, inzwischen haben die meisten Leute schon von "transgender" gehört und es ist viel bekannter, dass auch Kinder vor der Pubertät wirklich schon ganz sicher sein können, dass sie sich im falschen Körper fühlen, weil es eben nicht unbedingt was mit der Sexualität zu tun hat.

      LG,
      Mikka

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  3. Hallo Mikka,
    das ist wirklich ein Buch über ein berührendes Thema. Ich weiß noch, wie ich als kleines Kind plötzlich erkannt hatte/wusste, dass ich ein Mädchen ist. Wie schlimm, wenn man merkt, dass man ein Mädchen ist, aber alle anderen reden dir was anderes ein. Ich persönlich kenne nur indirekt eine Person, ein ehemaliger Arbeitskollege, der kündigte und dann eine weibliche Identität hatte.
    Die Doku von "Jazz", die du in einem Kommentar ansprichst, habe ich sogar mal gesehen.
    Grüße
    Daniela von Buchvogel

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    1. Huhu Daniela,

      ich habe im Lauf der Jahre über D. viele Personen kennengelernt, die transgender sind, denn eine gute Freundin von ihm hatte lange eine Supportseite mit einem kleinen Forum, wo Transsexuelle sich austauschen konnten. Sie ist schon etwas älter, und ihre eigenen Erfahrungen sind wirklich, wirklich furchtbar. Zu ihrer Zeit hat kaum jemand was über das Thema gewusst, sie war immer nur die "Perverse" oder die "Transe" (bzw engl. "tranny"), und manche Menschen glaubten damals anscheinend, alle Transsexuellen wären in Wirklichkeit Pädophile (wo immer DER Gedanke herkommt, was für ein Quatsch!). Ihr eigener Vater hat ihr eine Pistole an den Kopf gehalten und gesagt, er würde der Welt einen Gefallen tun, wenn er abdrückt. (Amerika und seine Waffengesetze...) Dann hat er sie rausgeschmissen, mitten im Winter, ohne Geld, ohne irgendwas. Und es war wohl auch sehr schwer, sich umoperieren zu lassen. Vor der Klinik, die sie am Schluss gefunden hat, nach jahrelangem Suchen und Sparen, kampierten anscheinend fanatische "Christen", die den ganzen Tag rumschrien, es wäre eine Sünde, den gottgegebenen Körper abzulehnen, und man würde dafür in die Hölle kommen...

      Ich bin so froh, dass die meisten Menschen heute sehr viel aufgeklärter über das Thema sind, auch wenn es immer noch zu viele Vorurteile gibt. Und auch die Behandlung ist heute viel besser, es gibt für Jugendliche ja noch nicht so lange die Möglichkeit, Medikamente zu nehmen, die die Pubertät und so die Ausprägung der "falschen" Geschlechtsmerkmale verhindern können.

      Leider ist die Gefahr besonders für transsexuelle Frauen immer noch ziemlich hoch.

      LG,
      Mikka

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  4. Hallo Mikka,
    was ich in deiner Rezension nicht verstanden habe, ist der Satz:
    Kein einziges Mal habe ich beim Lesen von George als Jungen gedacht: George ist ein Mädchen
    ?
    Grüße - Daniela

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    1. Ah, ich glaube, ich verstehe deine Verwirrung, vielleicht hätte ich das anders formulieren sollen: ich habe George kein einziges Mal als Jungen betrachtet, denn für mich war absolut klar, dass George ein Mädchen ist. :-)

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Danke für deinen Kommentar! :D