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Montag, 27. März 2017

[ Rezension ] "Das Labyrinth der Lichter" von Carlos Ruiz Zafón

Meine Wertung 5 von 5 Sternen
Titel Das Labyrinth der Lichter
Originaltitel El laberinto de los espíritus
Autor(in) Carlos Ruiz Zafón
Übersetzer(in) Peter Schwaar
Verlag* Fischer
Seitenzahl* 944
Erscheinungsdatum* 16. März 2017
Genre Historisch
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon
Das Hörbuch bei Audible

"Spanien in den bleiernen Tagen des Franco-Regimes: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt die eigenwillige Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Unter größter Geheimhaltung soll sie das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären, dessen dunkle Vergangenheit als Direktor des Gefängnisses von Montjuïc ihn nun einzuholen scheint. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie ›Das Labyrinth der Lichter‹, das Alicia auf schmerzliche Weise an ihr eigenes Schicksal erinnert. Es führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne, tief in Barcelonas Herz. Der Zauber dieses Ortes schlägt sie in seinen Bann, und wie durch einen Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia dort findet, bringen nicht nur ihr Leben in allerhöchste Gefahr, sondern auch das der Menschen, die sie am meisten liebt."
(Klappentext)
'Das Labyrinth der Lichter' ist der vierte Band der Reihe 'Der Friedhof der vergessenen Bücher', nach 'Der Schatten des Windes''Das Spiel des Engels' und 'Der Gefangene des Himmels'.  Aber wie Carlos Ruiz Zafón in einem Interview mit dem Fischer-Verlag erklärte:

"Jeder Band versteht sich als ein unabhängiger Eingang zum Friedhof der Vergessenen Bücher. Wo immer man beginnt, durch welche der vier Türen man auch tritt, wird man eine eigene Welt vorfinden."

Da dieses Buch tatsächlich mein erstes des Autors war, ich also vollkommen ohne Vorwissen und Vorbereitung in diese zauberhafte Welt stolperte, kann ich guten Gewissens bezeugen: ja, man kann 'Das Labyrinth der Lichter' wirklich als eigenständiges Werk lesen - und lieben! -, aber man fühlt sich manchmal wie Alice, die kopfüber und unversehens ins Kaninchenloch stürzt. Mir schwirrte oft der Kopf, mir war ganz schwindlig vor lauter Namen und Orten und Entwicklungen und Andeutungen, und dennoch wollte ich immer weiterlesen und weiterlesen. Im Rückblick fällt es mir schwer zu glauben, dass dieser Wälzer stolze 944 Seiten auf die Waage bringt, denn die Geschichte wurde mir niemals langweilig und ich habe sie in nur fünf Tagen verschlungen... Und mir die anderen Bücher der Reihe schon gekauft, da ich jetzt unbedingt alle der möglichen Türen und Welten erkunden will.  Dennoch ist es ein Buch zum Mitdenken, denn zum nebenher Konsumieren ohne Sinn und Verstand ist es viel zu schade.

Es ist schwer, in Worte zu fassen, was die Magie dieses Buches ausmacht, denn die ist vielfältig und wandelbar. Mal ist es ein bedrückender und dennoch faszinierender Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen zur Zeit des Franco-Regimes in Spanien, dann wieder ein überschwänglicher Lobgesang auf die Literatur oder ein spannender historischer Kriminalfall. Aber die Sprache, die ist immer ein Gedicht und die Atmosphäre eine Offenbarung - auch oder gerade dann, wenn die Grenzen zwischen Traum und Albtraum zerfließen und die sprachliche Schönheit das Düstere oder sogar Morbide beschreibt.

Man könnte das Buch auf jeder beliebigen Seite aufschlagen und würde dort immer eine zitierwürdige Stelle finden. Ich werde jetzt mal die Probe aufs Exempel statuieren:

"Da erschütterte eine neue Explosion das Gebäude, und das Buch fiel ins Leere. Alicia schaute über den Rand hinaus und sah es in den Abgrund flattern. Der Widerschein der Flammen auf den Wolken warf Lichtbündel herunter, die sich in die Finsternis ergossen. Ungläubig kniff Alicia die Augen zusammen. Wenn der Anblick sie nicht trog, war das Buch zuoberst auf einer riesigen Spirale gelandet, die sich um ein unendliches Labyrinth aus Gängen, Passagen, Bögen und Galerien wand, das an eine große Kathedrale erinnerte. Aber im Gegensatz zu den Kathedralen, die sie kannte, bestand diese nicht aus Steinen. Sie bestand aus Büchern."

Der Autor schont seine Charaktere nicht. Auch denen, die einem ans Leserherz wachsen, passieren furchtbare Dinge, oder sie begehen sogar selber grausame Taten. Aber die Gewalt wird in meinen Augen nie zum Selbstzweck, und die andere Seite der Medaille ist der großartige Humor, der mich mehr als einmal laut zum Lachen brachte.

Man erreicht nie den Punkt, wo man zweifelsfrei behaupten könnte, einen Charakter wirklich bis ins Letzte zu kennen, denn sie sind alle so komplex und zwiespältig, wie Menschen nun einmal sind. Und das ist auch gut so, obwohl es manchmal geradezu wehtut, machtlos zusehen zu müssen, wie sich einer davon ins Unglück stürzt...

Es geht immer mal wieder um die Liebe, wenn auch nicht immer die romantische, und das wird meines Erachtens niemals kitschig - gerade weil die berührendsten Szenen oft die sind, die ohne große Gesten auskommen. Und auch hier gehen Glück und Leid mehr als einmal Hand in Hand, so wie ich ohnehin den Eindruck hatte, dass bei Carlos Ruiz Zafón alles immer auch sein Gegenteil enthält.

Das Ende ist in meinen Augen ein Geniestreich, mit dem der Autor ein Stück weit die vierte Wand durchbricht. 'Das Labyrinth der Lichter' enthält quasi seine eigene Entstehungsgeschichte.
'Das Labyrinth der Lichter' ist so ein Buch, das ich am liebsten sofort wieder vergessen würde. Nicht etwa, weil es schlecht wäre, ganz im Gegenteil - ich wünschte, ich könnte es noch einmal zum ersten Mal lesen, um die Schönheit der Sprache, die wunderbaren Charaktere und die unglaublich vielschichtige Handlung neu und mit unverstelltem Blick zu entdecken.

Es ist Teil einer vierbändigen Reihe, dern Bände man aber alle auch einzeln lesen kann, und ich werde mich jetzt daran machen, auch die anderen drei Bände zu lesen. Carlos Ruiz Zafón hatte sich schon nach wenigen Seiten einen Ehrenplatz in der Liste meiner Lieblingsautoren verdient.
Cover 4,5 Sterne
Originalität 5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 5 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 5 Sterne
Humor 4,5 Sterne
Romantik 4 Sterne

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,
    von dem Autor hab ich schon gehört, dass seine Bücher gut sein sollen; aber selbst noch nie eins gelesen.
    Deine Rezension macht auf jeden Fall Lust auf das Buch. Grade Bücher mit einer schönen Sprache lieb ich sehr.
    Ich hab mir das Buch mal gemerkt auf meiner Warteschlange (SuB): http://buchvogel.blogspot.de/p/warteschlange.html
    Eigentlich muss ich aufhören, Bücherblogs zu lesen; ich hab das Gefühl, mein SuB füllt sich schneller, als ich lesen kann :D
    Liebe Grüße
    Daniela

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    Antworten
    1. Huhu Daniela,

      ich werde jetzt auf jeden Fall noch die anderen Bücher des Autors lesen, die Sprache ist einfach phänomenal. :-)

      Deine Warteschlange gucke ich mir auf jeden Fall noch an!

      LG,
      Mikka

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Danke für deinen Kommentar! :D