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Donnerstag, 12. Januar 2017

"Die Chemie des Todes" (David Hunter #1) von Simon Beckett

Meine Wertung 5 von 5 Sternen
Titel Die Chemie des Todes
Originaltitel The Chemistry of Death
Autor(in) Simon Beckett
Übersetzer(in) Andree Hesse
Verlag* rororo (Rowohlt)
Seitenzahl* 430
Erscheinungsdatum* 1. August 2007
Genre Thriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon

"Die Tote war Schriftstellerin, eine Außenseiterin in Devonshire. Verdächtiger Nummer eins ist der schweigsame Fremde im Dorf, ein Dr. David Hunter. Doch es stellt sich heraus, dass er früher Englands berühmtester Rechtsmediziner war, und die Polizei bittet ihn um Unterstützung. Gerade 
als seine Analysen zeigen, dass die Ermordete vor ihrem Tod tagelang gefoltert wurde, verschwindet eine weitere junge Frau. Eine fieberhafte Suche  beginnt. Gleichzeitig bricht im Dorf eine Hexenjagd los. Der Pfarrer, ein knöcherner Fanatiker, hetzt die Leute auf, und David ist Zielscheibe seiner Hasspredigten ..."
(Klappentext)
Simon Beckett hat es mit "Die Chemie des Todes" auf einige Listen à la '150 Bücher, die man unbedingt gelesen haben sollte!' geschafft und gilt allgemein als außergewöhnlicher, literarisch wertvoller Thriller. Tatsächlich habe ich das Buch jetzt vor allem deshalb gelesen, weil es auf der Liste der "Bücherkultur Challenge" stand, und insofern bin ich mit sehr hohen Erwartungen an es herangegangen.

Und was soll ich sagen? Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Interessant ist alleine schon die Rolle des Protagonisten: David Hunter ist forensischer Anthropologe  und gewährt dem Leser einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf die Geschehnisse.  Wie ein Sherlock Holmes des Todes untersucht er die Leichen von Mordopfern und deren Fundorte und bestimmt zum Beispiel anhand der Anzahl und Farbe von Parasiten, der Beschaffenheit des Bodens und dem Zustand der Haut den genauen Todeszeitpunkt. Er erzählt dem Leser, ruhig und sachlich, was von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus nach dem Tod mit einem Körper passiert, baut das aber in kleinen Dosierungen in die Geschichte ein, so dass es nicht trocken oder langweilig wird.

Originell fand ich auch, dass es dennoch nicht nur um diesen wissenschaftlichen Standpunkt geht, sondern gleichzeitig darum, wie sich die Mordfälle auf das Leben der Kleinstadt, in der sie begangen wurden, auswirkt: die scheinbare Einträchtigkeit bekommt Risse, die Menschen beginnen damit, sich gegenseitig zu misstrauen. Die Idyll gerät ins Wanken, während der Pfarrer von der Kanzel die Rache Gottes predigt. Man merkt, dass der Autor ein gutes Gespür hat für Gruppendynamik und die Psychologie des Zwischenmenschlichen.

Die Spannung baut sich schnell auf, denn nach dem Fund der ersten Leiche wird bald schon klar, dass der Mörder nicht die Absicht hat, es dabei zu belassen. Als die nächste Frau verschwindet, schwärmt das Dorf geschlossen aus, um die Wälder zu durchkämmen - aber der Mörder hat sie mit Fallen gespickt... Obwohl das Buch durchaus anspruchsvoll geschrieben ist, liest es sich packend und unterhaltsam bis zur letzten Seite und bleibt dabei immer logisch und in sich schlüssig. Zwar wird vieles ins kleinste Detail beschrieben, aber in meinen Augen verzichtet der Autor auf unnötige Gewaltorgien - das Meiste erfährt man sozusagen erst posthum.

David hat eigentlich nicht die Absicht, sich mit dem Fall zu beschäftigen, denn er hat nach einer persönlichen Tragödie der forensischen Anthropologie den Rücken gekehrt. Aber natürlich lässt sein Gewissen ihm keine Ruhe, und schnell steckt er wesentlich tiefer im Morast menschlicher Abgründe, als er erwartet hätte. Denn das Dorf misstraut ihm, dem Fremden. Ich fand ihn interessant und glaubhaft geschrieben, und auch die anderen Charaktere wirkten auf mich komplex und lebendig.

Der Schreibstil ist außergewöhnlich: klar, mit starken Bildern und einer ganz eigenen "Stimme". Hier muss ich auch dem Übersetzer ein Lob aussprechen: ich besitze das Buch auf deutsch, habe es mir auf englisch ausgeliehen und bin kapitelweise hin- und hergesprungen, und ich würde sagen, dass die deutsche Übersetzung so nah an Atmosphäre und Sprache des Originals herankommt, wie irgend möglich.
In einem kleinen Dorf geschieht ein Mord. Als kurz darauf eine weitere junge Frau verschwindet, zerbricht die scheinbare Idylle und weicht Paranoia und Fanatismus, was vom Pfarrer des Ortes noch geschürt wird. Gegen seinen Willen wird der forensische Antropologe David Hunter, der gehofft hatte, diesen Teil seines Lebens hinter sich gelassen zu haben, in den Fall verstrickt.

Das Buch gilt als Klassiker des Genres, und in meinen Augen zurecht. Es ist anspruchsvoll geschrieben und dennoch fesselnd, originell, psycholgisch interessant und voller vielschichtiger, lebensechter Charaktere. Eine ganz klare Leseempfehlung!
Cover 3 Sterne
Originalität 5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 5 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 5 Sterne

Kommentare :

  1. Chemie des Todes, wahrlich ein Buch das man gelesen haben sollte. Habe zwar noch die drei Folgebücher bei mir im Regal stehen, aber noch nicht damit angefangen, obwohl ich das eigentlich schon längst gemacht haben wollte.

    Deine Rezension find' ich toll und ich stimme Dir in jedem Punkt zu. Selten hat man ein Buch das so unglaublich gut geschrieben und so stimmungsvoll ist.

    Liebe Grüße,
    Sandra

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    1. Huhu Sandra,

      ich habe hier noch Band 3 (letzte Woche im öffentlichen BÜcherschrank gefunden) und Band 4 (als Prämie bekommen) rumstehen, jetzt muss ich mir nur noch Band 2 holen. :-)

      LG,
      Mikka

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  2. Guten Abend,

    ich habe das Buch vor zwei Jahren gelesen, war also auch "spät dran" und meine Lektüre war eher ein Spontangriff. Allerdings hat mir das Buch nicht so gut gefallen, wie dir.
    Ich denke das liegt aber an persönlichen Vorlieben und weniger daran, dass das Buch schlecht war. Ich mag das Setting nicht so gerne und empfand Atmosphäre und Setting als drückend und den Stil als etwas schleppend. Außerdem wollte sich bei mir die Spannung nicht recht einstellen und Bücher mit religiösem Fanatismus finde ich sowieso immer schwierig. Ich denke nicht, dass ich die Reihe weiter lesen werde.

    LG
    Ina

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    1. Huhu Ina,

      macht ja nichts, wir müssen ja nicht alle das Gleiche mögen. :-)

      Danke für deinen Besuch!

      LG,
      Mikka

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  3. Hallo Mikka,

    das Buch habe ich vor einer Ewigkeit gelesen und damals hat es mich auch durch und durch begeistert. Vielleicht gönne ich es mir als Hörbuch noch einmal - du hast mir echt wieder Lust darauf gemacht.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Huhu Nicole,

      oh, als Hörbuch ist es bestimmt auch klasse, wenn der Sprecher gut ist! :-)

      LG,
      Mikka

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  4. Ob man das Buch mag oder nicht, deine Rezi ist klasse. Ich habe von Beckett noch kein Buch gelesen, aber es klingt, als wäre es ganz meins... ich mag diese holmesartigen Ermittler und ich mag es auch gerne etwas ruhiger in Thrillern. LG

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    1. Huhu!

      Herzlichen Dank für das Lob! :-)

      LG,
      Mikka

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  5. Ich kenne auch andere Bücher von Simon Beckett, aber ich muss sagen, sie kommen nicht an die David-Hunter-Reihe ran. Die finde ich klasse. Nicht nur "Die Chemie des Todes", sondern auch die Folgebände. Der aktuelle 5. Band "Totenfang" liegt hier schon bereit.
    Ich hoffe, Du liest die Serie weiter und hast noch ne Menge Lesespaß mit David Hunter.

    LG Gabi

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    1. Huhu!

      Das habe ich jetzt schon öfter gehört, dass die anderen Bücher von ihm nicht an David Hunter herankommen!

      Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterlesen - den dritten Band habe ich ulkigerweise vor Kurzem in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden, aber ich werde mir auch den zweiten noch kaufen, ich will lieber in der richtigen Reihenfolge lesen.

      LG,
      Mikka

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