Thalia buecher.de 
Goodreads Lovelybooks 
Was Liest Du?
 Amazon
WhatchaReadin' 
Büchertreff
Gelesen, aber noch nicht rezensiert:
     
Ich lese als nächstes :
   

Impressum

Datenschutz



Warum ich
keine Lesexemplare mehr annehme
 
Zuletzt besprochen (ein Klick auf das Cover bringt euch zur Rezension):
           
 

Samstag, 14. Januar 2017

"Das Joshua-Profil" von Sebastian Fitzek

Meine Wertung 2 von 5 Sternen
Titel Das Joshua-Profil
Originaltitel ---
Autor(in) Sebastian Fitzek
Übersetzer(in) ---
Verlag* Bastei Lübbe
Seitenzahl* 432
Erscheinungsdatum* 26. Oktober 2015
Genre Thriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon

"Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß ... im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist."
(Klappentext)

Am 14. Oktober 2016 erschien "Die Blutschule" von Max Rhode, einem bis dato gänzlich unbekannten Autor. Zwölf Tage später erschien "Das Joshua-Profil" von Sebastian Fitzek, - in dem es um den erfolglosen Autor Max Rhode geht, dessen einziger großer Erfolg sein Debütroman war: "Die Blutschule".

Ja, Max Rhode gibt es gar nicht, beziehungsweise: Max Rhode und Sebastian Fitzek sind ein und dieselbe Person.

Genial, dachte ich damals. Was für eine großartige Idee, eine fiktive Figur ein Buch schreiben zu lassen und das dann auch zu veröffentlichen! Fasziniert beschloss ich, beide Bücher zu lesen - doch leider erwartete mich eine große Ernüchterung, denn "Die Blutschule" fand ich, ehrlich gesagt, bemüht schockierend und banal. (Kurz fragte ich mich sogar, ob das so beabsichtigt sein könnte, um zu zeigen, warum Max Rhode so ein erfolgloser Autor ist!) Aber gut, dachte ich, vielleicht lohnt es sich dann, wenn ich "Das Joshua-Profil" lese.

Tja, was soll ich sagen.

Vor zwei Tagen war ich etwa zur Hälfte durch und erwog ernsthaft, das Buch einfach abzubrechen. Das habe ich dann zwar nicht getan, überzeugen konnte es mich aber keineswegs.

Um erstmal mit etwas Positivem anzufangen: Sebastian Fitzek spricht hier wichtige und interessante Themen an. Im Mittelpunkt steht etwas, das man aus zum Beispiel aus dem Film "Minority Report" kennt, was aber beileibe keine Science Fiction mehr ist: die Auswertung über eine Person gesammelter Daten, um vorauszuberechnen, welche Straftaten sie in der Zukunft begehen wird. Da ist es bis zur Vorverurteilung nur ein kleiner Schritt, und heute, wo die meisten Menschen ihre Daten freiwillig auf sozialen Medien preisgeben und es ein Klacks ist, ihre Einkäufe über Kundenkarten zurückzuverfolgen, ist das Sammeln einfacher denn je! Außerdem spricht der Autor Themen wie Kindesmissbrauch, Pädophilie und Rehabilitierung an.

Leider fand ich die Umsetzung dieser Themen nur wenig gelungen.

Die meisten Szenen sind sehr kurz, und allzu viele davon enden mit einem künstlichen "Cliffhanger": dem Leser wird suggeriert, es sei etwas Schreckliches geschehen - dann Schnitt, nächste Szene, und später erfährt man, übertragen gesprochen, dass die Blutlache doch nur Ketchup war. Wenn dieses Stilmittel gezielt und sparsam eingesetzt wird, kann es durchaus Spannung erzeugen! Wenn es allerdings in gefühlt jeder zweiten Szene vorkommt, bewirkt es bei mir das Gegenteil und es fällt mir schwer, das Buch noch ernstzunehmen.

Auch das Stilmittel des "deus ex machina" wird überstrapaziert: die Rettung durch ein vollkommen unmotiviert eintretendes Ereignis. Wenn sonst gar nichts mehr geht, prescht eben ein wütendes Wildschwein durch die Szene und rettet den Tag. (Ohne Scherz.)

Obwohl das Buch jede Menge Action bietet, kam bei mir daher schnell überhaupt keine Spannung mehr auf.

Die Charaktere könnten von ihren Anlagen her eigentlich interessant sein, aber sie kranken in meinen Augen daran, dass sie sich nicht natürlich anhand ihrer Erlebnisse weiterentwickeln, sondern anhand dessen, wie es gerade in die Geschichte passt, oft sehr sprunghaft und auf größtmöglichsten Überraschungseffekt angelegt. Manchmal kam es mir dann vor, als würde ich über zwei ganz verschiedene Personen lesen!

Max Tochter Jola ist zehn, wirkt aber oft wie eine taffe Erwachsene und kann auch dann noch erstaunlich klar denken, wenn jemand eine Pistole auf sie gerichtet hat und sie damit rechnen muss, jeden Moment erschossen zu werden. (Außerdem müsste sie gegen Ende eigentlich komplett traumatisiert sein, denn ihr stößt eine unsägliche Anzahl schlimmer Dinge zu.)

Die Gefühle der Protagonisten kamen bei mir oft nicht an. Mir wird zum Beispiel gesagt, dass Jola Panik empfindet, aber es wird mir nicht so gezeigt, dass ich es mitempfinden könnte.

Die Glaubwürdigkeit geriet für mich schnell ins Wanken. Vieles erschien mir viel zu überzogen, viel zu extrem, viel zu wenig plausibel. Die Menschen, die im Hintergrund die Strippen ziehen, wirken fast schon allmächtig.

Der Schreibstil wirkte auf mich... Durchwachsen. Oft einfach und eher flach, dann wieder mit übertrieben dramatischen, für mich nicht stimmigen Metaphern, und nur manchmal so packend und dicht-atmosphärisch, wie ich es aus seinen anderen Büchern in Erinnerung hatte.
Viele der angesprochenen Themen sind wichtig und interessant, vom gläsernen Menschen und "predictive policing" bis hin zu Pädophilie und Rehabilitation. Eine actionreiche Szene jagt die nächste, wobei jede zweite mit einem erzwungen dramatischen Höhepunkt endet: Tod! Verderben! Und dann zwei Szenen später meist die Entwarnung: oh, doch nicht... Auf Dauer raubte mir das jede Spannung, und auch die Glaubwürdigkeit nahm für mich im Laufe des Buches immer mehr ab. Auch die Charaktere erschienen mir nicht in sich stimmig.

Nach "Die Blutschule" ist nun leider auch "Das Joshua-Profil" für mich eine große Enttäuschung.
Cover 4 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau 1,5 Sterne
Logik und Schlüssigkeit 2 Sterne
Charaktere 2 Sterne
Schreibstil 2,5 Sterne

Kommentare :

  1. Hm, ich habe von Fitzek bisher 5 Bücher gelesen und sie alle sehr unterschiedlich wahrgenommen.
    Während ich "Die Therapie" und "Seelenbrecher" extrem spannend fand, konnte ich mit "Amokspiel" herzlich wenig anfangen und "Das Kind" und "Augensammler" waren ganz okay, aber keine Highlights.
    Viele der späteren Bücher des Autors interessieren mich nicht mehr, weil der Hintergrund zu breit ist - Regierungsgruppen als Antagonisten - große Verschwörungen - Weltwirtschaft und die Übermacht des Bösen.

    "Das Joshua Profil" hat mich nicht interessiert, weil mit dem Film Minority Report schon so vieles zu dem Thema gesagt wurde. Ich mag Thriller, die sich vor allem auf enge Einzelschicksale beziehen. Daher werde ich mir vielleicht das ein oder andere Buch des Autors noch mal näher ansehen, aber nicht zwingend alle seine Werke lesen.

    LG Ina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Ina,

      ja, ich glaube, das ist bei mir auch so - Bücher mit so riesigen Verschwörungen sind scheinbar einfach nicht mein Fall. :-(

      LG,
      Mikka

      Löschen
  2. Hi Mikka. Ich habe gerade Das Paket gelesen, mein erstes Buch von Fitzek und war auch wenig überzeugt. Die Auflösung ist total unglaubwürdig und zwischendurch gibt es (haha, ich denke an deine Ketchupblutlache) totale banale Spannungsmacher (was bei dir der Ketchup War, ist beim Paket der Schokoriegel ;-)) Ich will es demnächst mal mit "Noah" versuchen... hoffe, da geht's etwas logischer zu.
    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu lex,

      ok, es gab nicht *wirklich* eine Ketchupblutlache, aber viele Sachen, die in die Richtung gingen! (Ich wollte in meiner Rezi nur noch nicht zu viel verraten, aber eine Szene, die mir gerade einfällt: ein Kind wird vermisst, und dann bekommt der Vater einen Anruf, er müsse in die Pathologie kommen... Klar, dass das dann NICHT deswegen ist, weil das Kind da tot liegt!)

      "Noah" hat mir besser gefallen, obwohl es da auch so ein paar Dinge gab.

      LG,
      Mikka

      Löschen
  3. hihi.... ja, das mit dem Ketchup hatte ich auch so verstanden. :-)

    AntwortenLöschen

Danke für deinen Kommentar! :D