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Mittwoch, 14. September 2016

"Im Dienst der Gräfin" von Tereza Vanek

Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel Im Dienst der Gräfin
Originaltitel ---
Autor(in) Teresa Vanek
Übersetzer(in) ---
Verlag* Drachenmond
Seitenzahl* 420
Erscheinungsdatum* 26. Mai 2014
Genre Historischer Roman
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon

"1606: Durch eine Seuche zur Waise geworden, gelangt die 17-jährige Emilia in die Dienste der Gräfin Elisabeth Bathory, der mächtigsten Frau Ungarns. Emilia ist glücklich über die Möglichkeit ihrer Berufung zur Gewandschneiderin folgen zu können, doch schon bald überschatten Todesfälle und Misshandlungen das Leben am Hof. Obwohl Emilia in der Gunst der Gräfin steht, die ihre Fähigkeiten schätzt und ihr vertraut, erkennt sie eine dunkle Seite an ihrer neuen Dienstherrin.

Als sie sich in Istvan verliebt, der ebenfalls schicksalshaft mit Elisabeth verbunden ist, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu und Emilia gerät in einen lebensgefährlichen Strudel aus seelischen Abgründen und politischen Ränkespielen."
(Klappentext)
Erzsébet Báthory / Elisabeth Bathory (*1560 - †1614ist eine historische Gestalt, die es zu eher zweifelhafter Berühmtheit gebracht hat.

Die englischsprachige Wikipedia-Seite nennt die ungarische Gräfin eine Serienmörderin und behauptet, die Anschuldigungen, sie habe hunderte von jungen Frauen gefoltert und getötet, seien durch Zeugenaussagen und den Fund misshandelter Opfer und entstellter Leichen bewiesen. Die deutsche Wikipedia-Seite ist da vorsichtiger und berichtet zwar ebenfalls von ihrer Verurteilung als Serienmörderin, unterscheidet aber zwischen unbestrittenen Fakten und solchen, die aus heutiger Sicht durchaus anzuzweifeln sind - wie zum Beispiel Zeugenaussagen, die durch Folter erpresst wurden und daher fragwürdig sind. Daher werden im deutschen Artikel zu Erzsébet Báthory zwei verschiedene Theorien präsentiert: Báthory als grausame Serienmörderin, oder Báthory als Opfer einer politischen Intrige.

Was immer auch die Wahrheit ist, die Legende der skrupellosen Schlächterin, die 600 junge Frauen ermordet haben soll, um in ihrem Blut zu baden, hält sich hartnäckig. Im Laufe der Zeit wurde die Gräfin so zu einer Art weiblichem Dracula.

Daher war ich sehr gespannt, wie Tereza Vanek über die "Blutgräfin" schreiben würde, und war freudig überrascht davon, wie überzeugend, vielschichtig und glaubhaft sie diese Frau in ihrem Buch zum Leben erweckt.

Erzsébet ist hier ohne Zweifel eine harte, unnachgiebige Frau, die auch vor Grausamkeiten nicht zurückschreckt. Aber sie ist auch eine zutiefst verwundete Frau, die vom Leben gebrochen und bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wurde. Man kann als Leser immer wieder erahnen, dass sie eigentlich sogar die Veranlagung zu Wärme und Mitgefühl in sich trägt: in einem Lächeln, in einer Geste des Großmuts oder Vergebens blitzt dieses Potential immer wieder auf, und das macht sie zu einem Menschen aus Fleisch und Blut - und einer tragischen Gestalt.

Ob sie sich am Schluss des Romans als Monster erweist oder als missverstandene, von Intrigen verunglimpfte Frau (oder gar eine Mischung aus beidem), das möchte ich hier natürlich noch nicht verraten, aber ich fand das Ende auf jeden Fall schlüssig.

Die Geschichte wird aus Sicht der jungen Emilia erzählt, einer frei erfundenen und dennoch nicht weniger glaubhaften Frauengestalt. Ich habe mich öfter bei dem Gedanken ertappt, dass sie Erzsébets Spiegelbild ist, denn wo Erzsébet dunkel ist, ist sie Licht. In meinen Augen ist sie, was Erzsébet hätte sein können. Sie ist mitfühlend, hilfsbereit und selbstlos, und dennoch ein komplexer Charakter, der auch mal falsche oder dumme Entscheidungen trifft. Ihre große Leidenschaft ist das Entwerfen und Schneidern prächtiger Gewänder, und mit Kreativität, Intelligenz und Entschlossenheit schafft sie es, die Aufmerksamkeit der Gräfin zu gewinnen und in ihren Dienst zu treten - und das, obwohl sie nach einer Verkettung tragischer Umstände eigentlich schon gezwungen war, mittellos mit einem Hausierer durchs Land zu ziehen.

Gemeinsam haben Emilia und Erzsébet, dass sie sich nicht mit der Rolle zufrieden geben, die die Gesellschaft der damaligen Zeit ihnen zuweist. Während Erzsébet wenigstens noch den Vorteil hat, dass sie eine adlige Frau ist, wird von Emilia eigentlich erwartet, dass sie den Hausierer heiratet, den ihre Tante ihr (aus rein egoistischen Gründen) ausgesucht hat, ihm jederzeit für Sex zur Verfügung steht, ihm in allem untertan ist und seine Kinder austrägt. Doch sie lehnt sich entschlossen dagegen auf, auch wenn das nicht ganz ungefährlich ist.

Der Schreibstil lässt die damalige Zeit wunderbar lebendig vor dem inneren Auge auferstehen, in all ihrer Pracht und all ihrem Elend. Das ist wirklich lebendige Geschichte, originell und spannend erzählt.  Mir ist das Buch nie langweilig geworden, und ich fand es auch nie vorhersehbar, weil ich bis zum Schluss nicht wusste, wie sich nun alles auflösen würde.

Eine Liebesgeschichte gibt es natürlich auch, aber die fand ich erfreulicherweise kein bisschen kitschig. Im Gegenteil, sie schraubt die Spannung der Geschichte sogar noch hoch, denn sie bringt Emilia in Gefahr...
Tereza Vanek erweckt in ihrem Roman eine unheilvolle Frauengestalt zum Leben: die "tBlutgräfin" Erzsébet Báthory, die in die Legende einging als skrupellose Serienmörderin - und es mit angeblichen 600 Opfern sogar ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte. Die Autorin zeichnet ein deutlich weniger reißerisches Bild dieser Frau! Sie lässt die Gräfin auf die junge Gewandschneiderin Emilia treffen und eine fragile Freundschaft zwischen ihnen entstehen. Rund um die beiden Frauen entspinnen sich politische Intrigen, junge Mädchen kommen zu Tode, und bis zum Schluss kann man sichicht sicher sein, ob Erzsébet Báthory Täter ist oder Opfer oder beides.

Auch, wenn man wohl nie mit Sicherheit erfahren wird, was damals wirklich passiert ist: die Version der Geschichte, die Tereza Vanek erzählt, ist zumindest eine glaubhafte, und dabei auch spannend und unterhaltsam. Sie schreibt überzeugende, starke Frauencharaktere, und gerade ihr differenziertes Porträt der Gräfin hat mich vollendes überzeugt.
Cover 5 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 5 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 4,5 Sterne
Romantik 4 Sterne

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