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Freitag, 20. Mai 2016

[ Die literarische Schatzkiste ] "Der Report der Magd" von Margaret Atwood

Bild © Larry D. Moore [ CC BY-SA 4.0 ], via Wikimedia Commons

Margaret Atwood (geboren 1939) ist eine vielfach ausgezeichnete kanadische Autorin, deren vielfältiges Werk Gedichte, Essays, Kinderbücher, Anthologien, Sachbücher und Romane umfasst.

Sie ist Mitbegründerin der literarischen Organisation Writers' Trust of Canada, die sich mit der Förderung kanadischer Schriftsteller beschäftigt, und hat sich auch sonst immer wieder stark für die kanadische Literatur eingesetzt. Seit 2001 hat sie einen Stern auf dem kanadischen Walk of Fame. 

In ihrem literarischen Werk beschäftigt sie sich oft mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft, wie in "Der Report der Magd". Auch das Thema Umweltverschmutzung liegt ihr offensichtlich am Herzen, und sie ist sie auch außerhalb der Literatur als Umweltschutzaktivistin aktiv. Das Verhältnis von Mensch und Tier ist ebenso ein wiederkehrendes Thema, so denkt ein Charakter in "Surfacing" zum Beispiel darüber nach, dass das Essen von Fleisch den Menschen zum Todesser macht. 

Obwohl einige ihrer Werke gemeinhin als Science Fiction angesehen werden, bevorzugt sie die Bezeichnung "skekulative Fiktion". In Interviews hat sie mehrfach gesagt, dass Science Fiction für sie mit Raumschiffen und Monstern zu tun habe, während ihre Bücher sich mit dem beschäftigten, was in unserer Welt tatsächlich passieren könne. 

Keine Freunde unter Science-Fiction-Fans machte sie sich mit der Aussage, Science Ficion sei "spechende Tintenfische im Weltall", aber 2005 räumte sie ein, dass man ihre Bücher wohl doch als "soziale Science Fiction" bezeichnen könne. 
Eine Liste aller Preise, die jemals an die Autorin verliehen wurden, würde den Umfang dieses Artikels sprengen, daher kommen hier nur die Preise für "Der Report der Magd":
  • 1985: Governor General’s Award for English language fiction
  • 1986: Los Angeles Times Award for Fiction
  • 1986: Aufnahme in die "Dark and Daring" Leseliste von Book Club Classics
  • 1987: Arthur C. Clarke Award
Nominiert wurd das Buch für: 
  • 1986: Booker Prize (Shortlist)
  • 1986: Nebula Award (Shortlist)
  • 1987: Prometheus Award
Das Buch spielt in einer unbestimmten Zukunft. Aus Amerika ist quasi über Nacht eine totalitäre Theokratie geworden, die patriarchalische Republik von Gilead. Die Menschen werden in verschiedene Kasten eingeteilt, die ihr ganzes Leben bestimmen und detailliert festlegen, welche Berufe sie ergreifen dürfen, wie sie sich zu kleiden und in ihrer Freizeit zu verhalten haben.

Nur die herrschende (rein männliche) Klasse hat ein gewisses Maß an Freiheit, alle anderen müssen jederzeit darauf achten, sich bis ins Kleinste an die Regeln zu halten, denn die "Augen", die Spione des Regimes, bewegen sich unerkannt in der Bevölkerung und zeigen die kleinste Verfehlung an - und schon auf diese steht meist der Tod durch Erhängen.

Frauen, sogar solche mit vergleichsweise hohem Status, werden gnadenlos unterdrückt. Sie dürfen kein Geld oder Eigentum besitzen, sie dürfen nicht wählen, sie dürfen nicht einmal lesen oder schreiben. Da die Fruchtbarkeit der Menschen aufgrund von Umweltverschmutzung und Strahlung drastisch zurückgegangen ist, wird der Wert einer Frau vor allem nach ihrer Fruchtbarkeit beurteilt.

Die "Mägde" sind Frauen, die aus den verschiedensten Gründen, wie zum Beispiel Ehebruch oder Abtreibung, als moralisch fragwürdig eingestuft wurden. Deswegen dürfen sie auch nicht heiraten, sondern werden ranghohen Männern zugeteilt, um für deren Ehefrauen Nachwuchs auszutragen. Dabei wird ihnen sogar ihr Name genommen - werden sie zum Beispiel einem Mann namens Fred zugeteilt, wie die Protagonistin, ist ihr Name fortan "Desfred".
Das Buch ist unglaublich komplex, und in seiner Komplexität beunruhigend glaubhaft. Alles ist stimmig, jedes Puzzleteilchen passt perfekt in das düstere Gesamtbild... Und das macht es so einfach, wenigstens für einen Moment daran zu glauben, dass diese Zukunftsvision Wirklichkeit werden könnte, so fremdartig die Republik von Gilead dem Leser auch erscheinen mag. Manchmal hatte ich fast den Eindruck, keine mögliche Zukunft zu lesen, sondern eine Vergangenheit, wie sie beinahe passiert wäre.

Originell fand ich auch, wie die Autorin in ihrem Werk verschiedene Themen wie Rassismus, Frauenrechte, Umweltverschmutzung und Radikalisierung einfließen lässt - und beeindruckend, dass dabei etwas herauskommt, was sich auch nach 30 Jahren nicht wie ein angestaubtes Lehrstück liest, sondern spannend und bewegend.

Der Leser folgt dem Alltag der Magd Desfred, die schon so weit gebrochen wurde, dass sie gar nicht mehr versucht, gegen das System zu kämpfen. Deswegen gibt es keine dramatischen Verfolgungsjagden oder Kampfszenen; Desfred rebelliert allerhöchstens im Kleinen und versucht, sich im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten ein klein wenig Selbstbestimmung zu verschaffen.
Schon der heimliche Besitz eines verbotenen Streichholzes kann für sie ein trauriger Triumph sein.

Sie hat mich oft an Rilkes' Panther erinnert:

Sein Blick ist vom Vorübergeh'n der Stäbe 
so müd geworden, dass er nichts mehr hält. 
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe 
und hinter tausend Stäben keine Welt. 

Ihren größten Akt der Rebellion (eine heimliche Affäre) wagt sie erst, nachdem die Frau ihres "Kommandanten" sie fast schon dazu getrieben hat.

Und dennoch hatte ihre Erzählung auf mich eine unwiderstehliche Sogwirkung. Das Grauen dieser Welt lag für mich gerade darin, wie schnell diese Theokratie ihrer Bevölkerung anscheinend jeden Kampfwillen geraubt hat, der über das Unmittelbare hinausgeht. Die meisten Menschen brechen die Regeln nicht, um das System zu stürzen, sondern um ihren Platz in diesem System zu verbessern.

Die meisten der Charaktere lernt man nicht tiefgehend kennen. Das liegt allerdings nicht daran, dass das Buch schlecht geschrieben wäre, sondern daran, dass die Menschen sich in dieser Gesellschaft nicht mehr trauen können und deswegen leere Floskeln herunterbeten, statt sich ehrlich zu unterhalten.

Einzig Desfred ist mir im Laufe des Buches ans Herz gewachsen, auch wenn ich mir oft gewünscht hätte, dass sie etwas mehr wagt und die Dinge nicht klaglos hinnimmt. Aber ich konnte sie auch verstehen, denn sie erlebt immer wieder, was Widerstand einen in Gilead kosten kann. Deswegen werden die Menschen ja gezwungen, sich Hinrichtungen anzuschauen! Ich fand ihre Gedanken herzzerreißend, und so nach und nach gewinnt man als Leser einen Eindruck davon, wer sie früher einmal gewesen sein muss, bevor die Demokratie fiel.

Der Schreibstil ist manchmal karg, manchmal eindringlich und melancholisch, aber in meinen Augen immer meisterhaft und außergewöhnlich. Es schwingt ganz viel mit zwischen den Zeilen, im Ungesagten.
Eine totalitäre Theokratie in naher Zukunft, in der Frauen jegliche Rechte aberkannt werden. Eine "Magd", die gezwungen wird, sich von einem einflussreichen Mann als Leihmutter benutzen zu lassen. Eine unfassbar grausame, perfide durchstrukturierte Welt, in der niemand wirklich frei ist.

Das Buch ist vor 30 Jahren erschienen, und es lässt sich nicht leugnen, dass es sich in Stimmung, Botschaft und Schreibstil stark von den den aktuell so beliebten Dystopien unterscheidet, die sich überwiegend an junge LeserInnen richten - in meinen Augen ist es eher mit "1984" verwandt als mit "Die Tribute von Panem". Das heißt meiner Meinung nach aber nicht, dass es sich für moderne junge LeserInnen nicht lohnt, ganz ihm Gegenteil! Aber es ist ein Buch, auf dass man sich einlassen muss und dem man Zeit geben muss.

Zur Zeit kann man alte Auflagen der deutschen Übersetzung nur gebraucht oder aus Restbeständen kaufen, da sie vergriffen sind und nicht mehr produziert werden. Der Berlin-Verlag wird aber im Dezember eine neue Ausgabe herausbringen:

Meine Wertung 5 von 5 Sternen
Titel Der Report der Magd
Originaltitel The Handmaid's Tale
Autor(in) Margaret Atwood
Übersetzer(in) Helga Pfetsch
Verlag* Berlin-Verlag
Seitenzahl* 400
Erscheinungsdatum* 1. Dezember 2016
Erstauflage: 1986
Genre Dystopie
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Die Neuauflage auf der Seite des Verlags
Die Neuauflage bei
Eine alte Ausgabe bei 

Kommentare :

  1. Hi Mikka,

    das Buch hab ich auch gelesen, bei mir ist es allerdings schon ewig her! Ich glaub 20 Jahre? Aber ich hab es in guter Erinnerung bzw. mich hatte es damals auch sehr beeindruckt! Richtig gut erinnern kann ich mich zwar nicht an alles, aber jetzt, als ich deine Rezension gelesen hab, ist mir einiges wieder eingefallen!
    Auf jeden Fall eine Geschichte, die man auch heute noch lesen und aus der man lernen kann - auch wenn sie mal ganz anders ist als das, was gerade sonst in dem Genre auf dem Markt ist.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    Antworten
    1. Huhu Aleshanee,

      ich muss auch sagen, einiges, was inzwischen in Dystopien fast schon Standard ist (wie die vermaledeite Dreiecksgeschichte) habe ich auch nicht vermisst. ;-)

      LG,
      Mikka

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  2. Ich habe das Buch Ende der Neunziger zum ersten Mal gelesen. Und seither gehört es zu meinen Lieblingsbüchern. Ich könnte es mal wieder lesen ... gute Idee!

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    1. Huhu!

      Ich habe mir vorgenommen, ab jetzt jeden Monat mindestens einen Klassiker zu lesen! Ich war auf dem Gymnasium zwar sowohl im Deutsch- als auch im Englischleistungskurs, aber da haben wir mehr so die "Standard-Klassiker" gelesen: Faust, Mutter Courage, Hamlet etc. In der Buchhandelsschule haben wir dann zwar eine laaaaange Liste an Klassikern bekommen, die man als Buchhändler gelesen haben sollte, aber auch da stand natürlich nicht alles drauf (kann ja gar nicht).

      LG,
      Mikka

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  3. Hallo Mikka,

    Margaret Atwood lese ich recht gern. "Alias Grace" hat deiner Schilderung nach Parallelen zu dem besprochenen Buch, obwohl es sich dabei um einen historischen Roman handelt.

    Hoffentlich wird "Der Report der Magd" neu aufgelegt - das würde mich auch reizen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Huhu Nicole,

      also, die Neuauflage kommt auf jeden Fall im Dezember! Aber man bekommt das Buch auch sehr gut gebraucht. :-)

      "Alias Grace" steht noch auf meiner Leseliste, das möchte ich auch unbedingt noch lesen.

      LG,
      Mikka

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