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Donnerstag, 11. Februar 2016

"Still Missing" von Chevy Stevens


Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel Still Missing - Kein Entkommen
Originaltitel Still Missing
Autor(in) Chevy Stevens
Übersetzer(in) Maria Poets
Verlag* Fischer
Seitenzahl* 416
Erscheinungsdatum* 28. Januar 2011
Genre Thriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei

"Was würdest du tun, wenn dich jemand am helllichten Tag entführt? Wenn du ihm vollkommen ausgeliefert bist? Wenn es aus dieser Hölle kein Entkommen gibt? Würdest du töten? Und wäre dann wirklich alles vorbei? 

Ein ganz normaler Tag, ein ganz normaler Kunde mit einem freundlichen Lächeln. Doch im nächsten Moment liegt die junge Maklerin Annie O'Sullivan betäubt und gefesselt in einem Lastwagen. Als sie erwacht, findet sie sich in einer abgelegenen, schallisolierten Blockhütte wieder. Ihr Entführer übt die absolute Kontrolle über sie aus. Ein endloser Albtraum beginnt, hinter dem ein noch schlimmerer auf sie wartet …"
(Klappentext)
Die Grundidee des Thrillers ist sehr einfach:

Eine junge Frau wird entführt und lebt danach ein Jahr lang auf engstem Raum mit einem Entführer, der sie misshandelt, missbraucht und in jeder Hinsicht kontrolliert. Da sie die Geschichte ihrer Therapeutin erzählt, weiß der Leser allerdings von Anfang an, dass Annie dieser Gefangenschaft irgendwann, irgendwie entkommen wird

Wenn man weiß, wie es ausgeht... Ist das dann nicht langweilig?

Nein. Nein, absolut nicht, denn in meinen Augen ist die Umsetzung als Thriller und als psychologisches Drama sehr gelungen und spannend! Die Autorin gönnt ihrer Heldin und dem Leser keine Atempause - immer, wenn man denkt, jetzt kann es nicht mehr schlimmer kommen... Ja, dann kommt es schlimmer. Aber dabei suhlt sich das Buch nicht in genüsslichen, unnötig grausamen Schilderungen detaillierter Gewalt, sondern erzeugt seinen Schrecken mehr über Annies Emotionen.

Annie kämpft mit allen Mitteln um ihr Überleben, tut schreckliche, erniedrigende Dinge und versucht dennoch, sich und ihr innerstes Wesen nicht aufzugeben. Ich fand sie unglaublich tapfer - und hochintelligent, denn sie versucht, den Täter zu analysieren und sich so zu benehmen, dass es ihre Überlebenschancen verbessert.

Das Buch endet nicht mit Annies Befreiung. In einem Film käme nach dem tränenreichen Happy End direkt der Abspann, aber in "Still Missing" ist die Geschichte damit noch lange nicht vorbei. Nach einem Jahr voller Angst, Schmerz und unvorstellbarem Verlust kann Annie nicht einfach so mit ihrem Leben weitermachen, als wäre nichts passiert, und zunächst ist wenig "happy" an diesem "end". Und das fand ich gut, denn es ist realistisch, und wird dabei bewegend und fesselnd geschildert.

Außerdem muss Annie schnell feststellen, dass mehr hinter ihrer Entführung steckte, als sie bisher geglaubt hatte... Der zweite Teil des Buches hat noch einige Überraschungen zu bieten.

In den ersten Kapiteln war ich mir noch nicht sicher, ob mir der Schreibstil gefällt oder nicht. Er ist sehr einfach, mit eher schlichten Sätzen, was mir normal nicht so liegt. Aber im Laufe des Buches fand ich es immer passender, schließlich erzählt Annie die Geschichte ihrer Therapeutin und macht sich da sicher keine Gedanken darüber, sich gewählt oder originell auszudrücken! Der Stil hat mich dann doch schnell gepackt und in die Geschehnisse hinein gezogen, und für mich klang Annie sehr glaubhaft, als wäre das alles tatsächlich passiert.

Ich habe schnell das Gefühl gehabt, Annie wirklich zu kennen. Ich habe mit ihr gelitten, sie bewundert, ihr die Daumen gedrückt... Ich habe mich unendlich über ihre egoistische Mutter geärgert, die sogar nach der Entführung ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass ihre eigenen Probleme viel wichtiger und schwerwiegender sind als Annies Probleme. Ich habe mich selten so oft über einen Charakter geärgert wie über diese Mutter! Ich, ich, ich, ich... Nur sie leidet, nur sie hat es schwer, und natürlich hat gefälligst jeder zu springen, wenn sie mit den Fingern schnippt.

Auch der Entführer ist ein Charakter, den ich nur hassen konnte - obwohl sogar Annie ein wenig Mitleid mit ihm empfindet. Ich fand alle Charaktere gut geschrieben. Ich habe sie geliebt oder gehasst, aber kalt gelassen hat mich eigentlich keiner, und das ist für mich das Wichtigste.

"Still Missing" ist leider eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. In den letzten Jahren sind immer wieder Fälle bekannt geworden, in denen entführte Frauen lange Zeit in Gefangenschaft leben mussten, von Natascha Kampusch bis zu den Entführungen von Cleveland, Ohio.

Annie, die junge Frau in diesem Buch, wird nach der Arbeit entführt und verbringt danach ein grauenhaftes Jahr mit einem Entführer, der sie zwingt, eine perverse Ehe-Idylle mit ihm zu leben. Der Leser weiß von Anfang an, dass sie entkommen wird, aber damit ist die Geschichte noch lange nicht vorbei... Ich konnte das Buch gar nicht mehr weglegen, obwohl die Autorin auf billige Schockeffekte verzichtet und ganz auf die Wirkung von Annies Emotionen vertraut. Ich fand es sehr spannend und überraschend!

Cover 5 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 5 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 4 Sterne

Kommentare :

  1. Guten Morgen Mikka :)
    Nun hast du mich aber sehr neugierig gemacht.
    Das Buch liegt auf meinem SuB und ich glaube... das werde ich als nächstes lesen. Das klingt wirklich gut. Vor allem das hier nicht mit übertrieben gewalttätigen Szenen gearbeitet wird, sondern die Emotionen eine größere Rolle spielen um das Drama zu verdeutlichen. Klingt nach genau meinem Beuteschema. :)
    Ich bin gespannt.

    Danke für die schöne Rezension!
    Liebe Grüße
    Jacky ♥

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    Antworten
    1. Huhu Jacky,

      es passieren zwar durchaus schlimme Dinge, aber das kann man ja so oder so beschreiben, und ich finde es hier gut gelöst. :-)

      LG,
      Mikka

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Danke für deinen Kommentar! :D