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Montag, 14. Dezember 2015

[ #HorribleBookWeeks ] "Moby Dick" von Herman Melville - "horrible or not"?

"Horribe Book Weeks" - wie, was, wo? 

Zunächst klingt es nach einer Versammlung masochistisch veranlagter Leseratten: eine Gruppe von uns tat sich jetzt schon zum zweiten Teil zusammen, um uns gegenseitig unsere verhasstesten Bücher aufs Auge zu drücken. Jeder Teilnehmer musste also jeweils das "schlechteste" Buch eines anderen Teilnehmers lesen und danach rezensieren!

In meinen Augen ist das Spannende daran, dass es eben doch manchmal vorkommt, dass des Einen Mist des Anderen Gold ist - oder man das Buch doch zumindest nicht ganz soooo schrecklich findet. Irgendjemand hat dieses Buch ja nicht nur in langer Arbeit geschrieben, sondern ein Verlag hat es angenommen für gut genug befunden, es zu veröffentlichen... Da muss doch einfach auch was Gutes zu finden sein?

Tapfer geleitet und begleitet wird diese Aktion von Teddy (Teddy's Little World) und Jessi (Jessi-love-Books).

Beitrag von gestern: Teddy mit "Vielleicht sogar wir alle"
Morgiger Beitrag: Morgen ist wieder Jessi von 
Jessi-love-Books dran!

So, hier kommt jetzt endlich mein Buch - "Moby Dick", vorgeschlagen von Anja Druckbuchstaben. Es gibt diesen Klassikern in unzähligen Ausgaben, von komplett ungekürzt (dann ist es ein ziemlicher Wälzer mit über 800 Seiten) bis stark gekürzt, sogar zensiert oder anderweitig überarbeitet. Deswegen habe ich das Buch sowohl in einer ungekürzten und unüberarbeiteten Version auf englisch gelesen, als auch eine stark gekürzte und von Thomas Mann herausgegebene Version auf deutsch. Die untigen Angaben beziehen sich auf die deutsche Ausgabe.

Meine Wertung 4 von 5 Sternen
Titel Moby Dick oder Der Wal: Ein Klassiker der Weltlitteratur und das beliebteste Seeabenteuer
Originaltitel Moby-Dick or The Whale
Autor(in)
Herausgeber
Herman Melville
Thomas Mann
Übersetzer(in) Wilhelm Strüver
Verlag* e-artnow
Seitenzahl* 301
Erscheinungsdatum*
Deutsche Ersterscheinung
4. Dezember 2013
1927
Genre Abenteuer / Klassiker / Epos
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch bei

"Moby-Dick; oder: Der Wal (englisch Moby-Dick; or, The Whale), in vielen deutschen Ausgaben auch ohne Bindestrich Moby Dick, ist ein 1851 in London und New York erschienener Roman von Herman Melville. Das erzählerische Rückgrat des Romans ist die schicksalhafte Fahrt des Walfangschiffes Pequod, dessen einbeiniger Kapitän Ahab mit blindem Hass den weißen Pottwal jagt, der ihm das Bein abgerissen hat."
(Klappentext)

Wer hat nicht zumindest schon von diesem Klassiker gehört? Alter, verbitterter Mann jagt durchtriebenen alten Pottwal, mit fast schon dämonischer Besessenheit.

Also eine Abenteuergeschichte - wildes Seemannsgarn, das nur eingefleischte Fans des Genres interessiert? In meinen Augen hat das Buch mehr zu bieten. Ja, man erfährt (hauptsächlich in den ungekürzten Ausgaben) sehr viele Details über die Seefahrt, Walkunde und das abenteuerliche Leben an Bord eines Walfangschiffes, aber es geht auch um grundlegende Themen der menschlichen Natur: die wütende Auflehnung des Menschen gegen das Schicksal, wobei er gar nicht mehr merkt, dass es eigentlich hauptsächlich gegen sich selber kämpft, das Hadern mit Religion und ethischen Grundwerten, aber auch Freundschaft, Loyalität, Tapferkeit.

Besonders interessant fand ich, dass an Bord der Pequod Seefahrer der unterschiedlichsten Religionen und Hautfarben zusammenkommen, und Mitte des 19. Jahrhunderts war Toleranz gegenüber dem, was einem fremd ist, ja beileibe nicht selbstverständlich. Aber unter den harten Arbeitsbedingungen zählt bald nicht mehr, woher jemand kommt, wie er aussieht oder an was er glaubt - es zählt nur noch, ob er seine Arbeit zuverlässig und fleißig verrichtet.

Besonders der Ich-Erzähler, Ismael, stellt sich schnell als tolerant über seine Zeit hinaus heraus. Ja, er reagiert erst verängstigt und unsicher auf den Harponier Quiqueg, der ihm als wilder Kannibale gegenüber tritt, aber schnell legt er seine Angst ab und geht vorurteilsfrei auf den Mann zu, woraus sich eine tiefe, rührende Freundschaft entwickelt:

"Mein wundes Herz wütete nicht mehr gegen diese Welt. Dieser Wilde hatte mich durch seine Sanftheit mit ihr ausgesöhnt. Wie er so gleichmütig dasaß, enthüllte sich sein Wesen, das frei war von aalglatten Heucheleien und süßtuenden Falschheiten."

Er spricht öfter davon, dass die Menschen doch unter der Oberfläche alle gleich sind, was ich sehr bewundernswert von ihm fand! Für mich war er der gutmütige, weltoffene Gegenpol zu Ahab, der sich in seiner rasenden Wut verbissen hat und keine Freude mehr am Leben empfindet.

Spannend fand ich die Geschichte wirklich sehr, auch wenn sich ruhige Passagen, in denen viel erklärt wird, mit rasanten Szenen abwechseln. In diesen ruhigen Passagen erzählt Ismael von wissenschaftlichen Themen, versinkt in philosophische Betrachtungen und geht dabei sehr ausführlich in die Details. Gerade die philosophischen Aspekte machen aus dem Buch in meinen Augen mehr als einen Abenteuerschmöker!

Geht es erstmal mit dem harten (und blutigen) Alltag auf einem Walfangschiff los, mit all den Verrichtungen von der Jagd bis zum Ausweiden des erlegten Tiers, wird Captain Ahab schnell zu einer bedrohlichen Gegenwart im Dunkeln, denn er kommt zunächst kaum einmal aus seiner Kajüte. Dennoch wirkt seine Besessenheit, als er dann doch endlich zu seiner Mannschaft spricht, auf intensive Art charismatisch, so dass auch die Mannschaft beginnt, dem Tod des weißen Wals entgegen zu fiebern... Aber es wird immer deutlicher, wie wahnsinnig Ahab tatsächlich ist, und dass es hier eigentlich keine Gewinner geben kann - denn Ahab hat sich im Grunde schon lange selbst zerstört.

Der Schreibstil hat mich damit überrascht, dass er oft einen erstaunlichen schrulligen Humor aufweist! So gibt es neben den düsteren Szenen, in denen Ahabs Wahnsinn im Mittelpunkt steht, auch viele lustige Szenen, in denen Ismael und Quiqueg über ihre kulturellen Unterschiede stolpern.

"Ich war neugierig, wo er sein Rasiermesser haben mochte. Doch siehe da, er holte die Harpune aus der Ecke am Bett, und nachdem er die hölzerne Scheide entfernt hatte, wetzte er die Stahlspitze am Leder seiner Stiefel. Nun trat er vor die Glasscherbe, die den Spiegel ersetzte, und schabte, vielmehr harpunierte sich beide Wangen. Quiqueg, dachte ich, du hast es heraus, wie man mit hochwertigen Stahlwaren umgeht."
Für mich ist "Moby Dick" weit mehr als ein Abenteuerroman - es ist auch eine Parabel auf die menschliche Natur, ein Stück in Literatur gefasste Grundangst des Menschen. Wem die Sprache zu langatmig und altmodisch ist, und die philosophischen und wissenschaftlichen Anmerkungen zu ausführlich, der hat die Auswahl zwischen verschiedenen gekürzten und leichter zu lesenden Ausgaben!

Zurück zu den "Horrible Book Weeks" - es gilt noch ein paar Fragen zu beantworten: 

1. Mit welchen Erwartungen bist du an das Buch herangegangen? Hattest du gar keine Lust, da das Buch als schlecht bezeichnet wurde oder hat dich die Story doch ziemlich angesprochen?

Ich habe das Buch ehrlich gesagt als Kind schon einmal gelesen, in einer für Kinder arg verharmlosten und vereinfachten Ausgabe. Da mir das Buch damals aber schon sehr gut gefallen hat, bin ich sehr hoffnungsfroh daran gegangen, das Buch etwa 30 Jahre später noch einmal in einer Ausgabe für Erwachsene zu lesen... Tatsächlich habe ich dann sogar mehrere Ausgaben gelesen: eine ungekürzte englische, und eine stark gekürzte deutsche. Beides hat seine Vor- und Nachteile! (Wobei ich vorwarnen muss, für wen Englisch keine Muttersprache ist, der wird sich mit dem englischen Original sicher etwas schwer tun!)

2. Wurden deine Erwartungen oder auch Ängste erfüllt?

Ja, ich war wieder sehr angetan von den Buch, in beiden Ausgaben!

3. Und jetzt mal ehrlich: Hat dir das Buch wirklich so gut gefallen, wie es in deiner Meinung dargestellt wurde?

Es hat mir sehr, sehr gut gefallen. Allerdings muss ich schon zugestehen, dass die langsameren Szenen sich etwas ziehen können und sehr viel Wissen vermitteln, mit dem der durchschnittliche moderne Mensch nicht mehr viel anfangen kann. Aber das ist ja das Schöne daran, dass es so viele Ausgaben des Buches gibt - die von Thomas Mann herausgegebene und von Wilhelm Strüver übersetzte Fassung schmeißt viele der langatmigsten Szenen z.B. einfach raus und konzentriert sich eher auf die Jagd und den spannenden Teil der Geschichte.

4. Gab es einen Charakter, der dich richtig zur Weißglut gebracht hat und einen den du in dein Herz geschlossen hast?

Nun, Ahab ist manchmal schwer zu ertragen, so blindwütig rennt er in sein Verderben und so abgrundtief ist sein Hass... Aber dennoch tat er mir auch leid, und es gab immer wieder Szenen, in denen man sieht, was für ein Mann er wohl gewesen sein muss, bevor er sein Bein und damit seinen Lebensmut verlor.

Meine Lieblingscharaktere sind auf jeden Fall Ismael und Quiqueg, wegen der herzerweichenden platonischen Liebe, die sie teilen - da haben sich zwei Menschen gesucht und gefunden!

5. Stimmst du Anjas Meinung zu dem Buch zu?

Anjas sagte dazu:
"Lang lang ist es her, dass ich es zum letzten Mal versucht habe.... Ich würde sagen, das größte Problem hatte ich mit dem Schreibstil. Der liegt mir einfach nicht. Ich musste mich wirklich Seite um Seite quälen. Und dabei ist es ein Melville! Hallo!!!???. Es ist wie es ist =)"

Ich kann verstehen, dass der Schreibstil manchmal echt anstrengend zu lesen ist, deswegen bin ich ein bisschen hin- und hergesprungen zwischen der gekürzten und der ungekürzten Ausgabe. Ich finde, das macht es einfacher, die Dinge erstmal zu überspringen, die nicht wichtig für die eigentliche Geschite sind, und dann kann man sie bei Interesse ja noch für später markieren, wenn man mal Lust auf ein bisschen Wissenschaft und Philosophie hat.

6. Zusammenfassend gesagt: Würdest du dieses vermeintlich schlechte Buch weiterempfehlen?

Ja, schon - aber ich würde wirklich, wirklich empfehlen, mal in die verschiedenen Ausgaben reinzulesen und dann nicht aus falschem Stolz unbedingt nach der ungekürzten zu greifen. Meines Erachtens bleibt in einer guten gekürzten Ausgabe immer noch die Essenz des Werkes bestehen, und darauf kommt es doch eigentlich an. Wer natürlich beim Reinlesen merkt, dass ihn gerade die wissenschaftlichen und philosophischen Erläuterungen reizen, der kann ja unbesorgt nach dem dicken Wälzer in all seiner Pracht greifen!

Bewertung:
Erwartungen:   8/10
Charaktere:     9/10
Schreibstil:    7/10
Handlung:    6/10
Emotionen: 8/10
Gesamt:     7,6/10

7. Wie fandest du die Aktion? Von der Idee bis zur Durchführung und Organisation. Welche Veränderungen würdest du dir bei einer weiteren Runde wünschen und was hat dich gestört? Und zu guter Letzt: Hat es dir so gut gefallen, dass du auch ein weiteres Mal, bei dieser Aktion mitmachen würdest?

Das war ja meine zweite Runde, und es hat wieder viel Spaß gemacht! Als einzige Veränderung würde ich mir wünschen, dass wir das Ganze auf Romane beschränken, damit das nächste Mal keiner ein Esoterik- oder Sachbuch lesen muss, obwohl er sowas normalerweise überhaupt nicht liest.

Ich denke, ich würde noch mal mitmachen! 

Kommentare :

  1. Meine liebe Mikka =),

    das ist genau das, was ich nicht verstehe! Wenn ich deine Rezension lese, die im Übrigen wirklich gut geschrieben ist, habe ich das Gefühl, richtig viel zu verpassen, wenn ich das Buch nicht lese. All die Details, die dir auffallen, der Humor und die Besonderheiten der Figuren.
    Es ist schon länger her, als ich mich das letzte Mal an Moby Dick versucht habe (gekürzte Fassung), aber was mir in Erinnerung geblieben ist, ist, dass ich mich nur durch die Seiten gequält und schließlich aufgegeben habe.
    Aber ich habe das Buch noch in meinem Regal stehen und mittlerweile betrachte ich es als persönliche Challenge, dieses Buch zu lesen. Ich weiß nur noch nicht, wann ich die antreten werde =)

    LG
    Anja

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    1. Huhu Anja,

      manchmal passt ein Buch auch einfach nicht zu einem, glaube ich! Macht doch nichts, es gibt je genug andere. ;-)

      LG,
      Mikka

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  2. Huhu, Hut ab du hast es nicht nur gelesen, sonder noch so wundervoll treffend rezensiert!. Ich habe es vor Jahren, ungekürzt auf englisch gelesen und damals denke ich nur die Hälfte von dem verstanden, was das Buch so alles übermittelt. Ich werde mich denke ich irgendwann noch mal heranwagen. Und omg die Aktion klingt ja total klasse!! Die gibts dieses Jahr nicht zufällig auch noch? :D. glg Franzi

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    1. Huhu Franzi,

      im Moment ist meines Wissens keine dritte Runde geplant! Ein paar von uns haben aber glaube ich auch sehr gelitten mit ihren Büchern... Eine hat auch ein Sachbuch zugeteilt bekommen, und das zu einem Thema, das sie nicht interessierte (Esoterik), das hat sich als nicht so gut herausgestellt.

      LG,
      Mikka

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    2. Das ist dann natürlich fies ja, da kann ich verstehen, wenn es erst mal keine gibt. Falls doch, sag Bescheid, ich würde mich trauen :D

      glg

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    3. Mach ich! :-) Ich würde auch nochmal mitmachen, ich hatte in den ersten beiden Runden Glück. ;-)

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