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Montag, 6. Juli 2015

"Stadt in Angst" von John Matthews


Meine Wertung 3 von 5 Sternen
Titel Stadt in Angst
Originaltitel Letters from a murderer
Autor(in) John Matthews
Übersetzer(in) Andreas Jäger
Verlag* Page & Turner
Seitenzahl* 512
Erscheinungsdatum* 15. September 2014
Genre Historischer Krimi
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches


"New York 1891. Eine Prostituierte wird brutal ermordet. Ihre Leiche weist dieselben Verletzungen auf wie die Opfer einer berüchtigten Mordserie in England. Hat der Mörder den Atlantik überquert, um seine Spur zu verwischen? Oder handelt es sich um einen Nachahmungstäter? In der amerikanischen Metropole, die ohnehin mit Bandenkriminalität, Korruption und Verbrechen zu kämpfen hat, geht die Angst um. Der aristokratische englische Kriminalanalytiker Finley Jameson soll den Fall für Scotland Yard vor Ort aufklären. Und er ist zunächst wenig begeistert, als ihm der toughe New Yorker Cop Joseph Argenti zur Seite gestellt wird. Doch trotz aller Bemühungen des ungleichen Ermittlerduos wütet der Mörder weiter – und treibt zudem ein perverses Spiel mit der Polizei ..."
(Klappentext)

Wer kennt ihn nicht zumindest dem Namen nach: "Jack the Ripper", den vielleicht berüchtigsten Serienmörder aller Zeiten?

Ende des 19. Jahrhunderts trieb er hauptsächlich im Londoner Stadtviertel Whitechapel sein Unwesen und schlachtete Prostituierte auf grausamste Art und Weise ab. Von elf Morden, die in dieser Zeit in dieser Gegend geschahen, ordnen viele Experten allerdings nur die "Kanonischen Fünf" mit großer Wahrscheinlichkeit dem Ripper zu.  Bei vieren dieser Opfer wurden der Unterleib aufgeschlitzt (daher auch das Name "Ripper") und Organe entfernt, und beim fünften gehen Fachleute davon aus, dass der Mörder gestört wurde, bevor er auch dieses ausweiden konnte.

Die Morde wurden nie aufgeklärt, aber der Ripper wurde gerade dadurch zu einer fast mythologischen Gestalt. Es gab (und gibt!) unzählige Theorien darüber, wer der Ripper gewesen sein könnte, die vom Plausiblen bis zum Absurden variieren. So wurden die Freimaurer genauso verdächtigt wie der "Alice im Wunderland"-Schriftsteller Lewis Carroll!

Es gibt eine Vielzahl von Filmen, Comics, Computerspielen und natürlich Büchern, die den Fall aufgreifen. Und daher drängt sich die Frage auf: noch ein Roman über Jack the Ripper? Kann der wirklich noch etwas Neues bringen, das ihn aus der Masse heraushebt?

In meinen Augen schafft John Matthews das mit seinem Roman leider nur bedingt. Er scheint die Hintergründe und die Gegebenheiten dieser Zeit durchaus gut recherchiert zu haben, die Geschichte ist solide konstruiert und geschrieben... Er greift eine der vielen Theorien auf, warum der Ripper mit dem Morden aufhörte, nämlich die, dass ihm das Pflaster in London zu heiß wurde und er daher das Land verließ. Das erlaubt dem Autor viele Freiheiten, unter anderem die, die Geschichte nach Amerika zu verlegen.

Aber dennoch kam bei mir keine rechte Begeisterung auf und ich hatte öfter das Gefühl, Ähnliches schon gelesen oder in Filmen gesehen zu haben.

Und das fing mit dem Protagonisten schon an: dem Aristokraten Finley Jameson. Er war bereits an den Ermittlungen der Mordfälle in Whitechapel beteiligt und lebt durch einen glücklichen Zufall inzwischen in den USA, so dass er auch bei den neuen Morden als beratender Ermittler fungieren kann.

Er wird als hochintelligent beschrieben und steigert sich wie besessen in seine Ermittlungen hinein. In diesen Phasen kann er ein sehr unleidlicher Mensch werden, der seinem Hausmädchen das Leben schwer macht. Das hat mich sehr an Sherlock Holmes (und die leidgeplagte Ms Hudson) erinnert! Aber am meisten hat er mich an den Polizeiinspektor Frederick Abberline erinnert, wie er im Comic "From Hell" und dem gleichnamigen Film mit Johnny Depp dargestellt wurde. Wie Abberline frönt er dem Opium und hat Visionen, und wie Abberline kommt er einer Prostituierten näher, die mit dem Fall zu tun hat.

Interessant fand ich dennoch Finleys persönliche (und tragische) Hintergrundgeschichte, die nach und nach im Laufe des Buches enthüllt wird. Im zur Seite stehen zwei Männer, die mir im Prinzip auch sehr gut gefallen haben: sein autistischer Gehilfe Lawrence und Joseph Argenti, der Polizist, der die Ermittlungen leitet. Beide sind komplexe, ungewöhliche Charaktere, hinter denen mehr steckt, als man auf den ersten Blick erwarten würde.

Lawrence kam mir allerdings manchmal etwas unglaubwürdig vor, denn er soll autistisch sein, zeigt aber nur sehr wenige entsprechende Verhaltensmuster. Eigentlich äußert sich sein Autismus meist nur dadurch, dass er quasi das wandelnde Wikipedia des späten 19. Jahrhunderst ist. Wenn Finley etwas wissen möchte, muss er nur Lawrence fragen, denn der weiß scheinbar alles und kann auch alles berechnen. Das macht es Finley in meinen Augen oft zu einfach, so dass er seine eigene Brillianz kaum zeigen kann!

Passagen der Geschichte werden immer wieder aus Sicht des Rippers erzählt, was ich einerseits interessant und gelungen fand, mir aber andererseits schon früh in der Geschichte ein bisschen vom Mysterium und der Spannung des Unbekannten nahm. Vieles wird für mich auch nicht befriedigend erklärt. Zum Beispiel weiß der Ripper scheinbar alles über Finley und Lawrence, auch Geheimnisse, die man durch reine Beobachtung gar nicht herausfinden kann - woher? Der Autor lässt den Leser darüber im Unklaren. 

John Matthews bringt viele verschiedene Themen und Nebenhandlungen in die Geschichte ein, unter anderem einen skrupelloser Gangsterboss, der große Teile der Stadt beherrscht, sowie den korrupten Polizisten, der mit ihm zusammenarbeitet... Man erfährt viel über die Gesellschaft und das Leben im Amerika des 19. Jahrhunderts, besonders das harte Leben der Armen und weniger Privilegierten.  

Und obwohl ich das alles eigentlich interessant fand, kam für mich in der ersten Hälfte des Buches nur wenig Spannung auf. Der Ripper hält die Fäden in der Hand, und die Polizisten stolpern ihm quasi von Mord zu Mord hilflos hinterher - immer ein wenig zu spät, denn er ist ihnen stets einen Schritt voraus. Mehr als einmal greift er ihnen fast schon unter die Arme, indem er in seinen Briefen Dinge verrät, die sie wissen müssen!

Die Geschichte kam für mich erst im zweiten Teil des Buches richtig in Fahrt, aber ab da fand ich sie dann auch sehr unterhaltsam. Endlich kann Finley wirklich zeigen, wie intuitiv und genial er ist, und was für ein gutes Team er, Argenti und Lawrence abgeben. Auf einmal gehen die Dinge Schlag auf Schlag, und es gibt Szenen von geradezu cineastischer Action - Verfolgungsjagden! Zugunglücke! Schießereien!

Leider hat mich das Ende dann wieder eher enttäuscht, denn das kommt ziemlich abrupt und kam mir sehr konstruiert vor. Vorher wurde viel Aufhebens darum gemacht, dass der Ripper tatsächlich ein übergeordnetes Motiv für seine Morde hat, damit quasi eine Botschaft verkünden will... Aber tatsächlich fand ich den Grund dafür dann eher banal. 

Der Schreibstil liest sich durchweg angenehm und flüssig. Die Sprache klingt modern genug, um dem modernen Leser das Lesen nicht zu schwer zu machen, aber dennoch für die Zeit angemessen. Nur manchmal hat mich an Dialogen unangenehm berührt, dass zwei Charaktere sich gegenseitig Dinge erzählen, die beide schon wissen - wohl, damit der Leser sie auch erfährt.  Aber trotz meiner Kritikpunkte kam ich beim Lesen eigentlich nie ins Stocken!
Jack the Ripper ist nach Amerika geflohen und führt dort seine Mordserie weiter. Auf dieser Grundlage erzählt Autor John Matthews eine gut recherchierte, fundierte Geschichte, die mich zwar halbwegs gut unterhalten, aber leider selten wirklich begeistert hat. Das Buch bietet einen interessanten Blick auf das Leben im späten 19. Jahrhundert, konnte aber in meinen Augen leider nicht mit großer Originalität punkten. Die Spannung kam meines Erachtens eher schleppend in Gang, und auch das Ende konnte mich nicht vollständig überzeugen.

Alles in allem ein Buch, das man gut nebenher lesen kann, es meiner Meinung nach aber nicht unbedingt muss.
Cover 5 Sterne
Originalität 2,5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 2,5 Sterne
Charaktere 3,5 Sterne
Schreibstil 3,5 Sterne

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,

    ich habe genauso empfunden! Also, mir kam ja vor, als ob sich der Autor ein bisschen zu oft "From Hell" angesehen hätte und ob hier wirklich alles so gut recherchiert war, mag ich zu bezweifeln, weil gerade die psychologische Komponente nicht der damaligen Zeit entspricht.

    Trotzdem habe ich es recht gern gelesen, es war unterhaltsam.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    Antworten
    1. Huhu Nicole,

      ok, stimmt, die psychologische Komponente war vielleicht zu modern... :-)

      LG,
      Mikka

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Danke für deinen Kommentar! :D