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Freitag, 15. Mai 2015

"Engelskalt" von Samuel Bjørk



Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel Engelskalt
Autor Samuel Bjørk
Verlag Goldmann
Seitenzahl 544
Erscheinungsdatum 20. April 2015
Genre Thriller

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei

"Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, das mit einem Springseil an einem Baum aufgehängt wurde und ein Schild um den Hals trägt: „Ich reise allein.“ Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen, um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird ..."
(Klappentext)
Kleine Mädchen werden entführt, liebevoll gewaschen und eingekleidet, behutsam getötet und dann an einem öffentlichen Ort hinterlassen. Um den Hals jeweils ein Schild: "Ich reise allein."

Die Mordkommission der norwegischen Hauptstadt Oslo steht vor einem Rätsel und übergibt den Fall in die Hände von zwei fähigen Ermittlern: Holger Munch, der eigentlich vor kurzem erst degradiert wurde, und Mia Krüger, die eigentlich gerade dabei ist, sich umzubringen. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt, während beide nicht nur darum kämpfen, den Mörder zu fassen, sondern auch darum, an dem Fall nicht zugrunde zu gehen.

Es gab eine Sache, die mir fast von Anfang an klar war. Ich wusste, dass etwas ganz Bestimmtes früher oder später passieren würde - und als es dann tatsächlich passierte, wollte ich mich schon darüber ärgern, dass der Autor es mir so einfach machte... Tja. Reingefallen, nach allen Regeln der Kunst! Bis ganz zum Schluss hat mich Samuel Bjørk immer wieder auf falsche Fährten geführt, und ich wäre nie, nie, niemals darauf gekommen, wie die ganzen Hinweise und widersprüchlichen Informationen zusammenpassen. Deswegen blieb das Buch für mich auch bis zum letzten Kapitel spannend und konnte mich immer wieder überraschen.

Aber vor allem lebte es für mich von seinen Charakteren, lebte und atmete sozusagen durch sie.

Da haben wir den Kommissar der Mordkommission, Holger Munk, der sich selber als dicken, sympathischen Nerd beschreibt, der klassische Musik, Mathematik und Schach liebt und grundsätzlich keinen Alkohol anrührt. Er hat eine gebrechliche Mutter im Pflegeheim, die auf ihre alten Tage noch religiös wird, eine zornige Tochter, die ihm die Scheidung ihrer Eltern nie verziehen hat (obwohl die Mutter ihn betrogen hat und nicht umgekehrt), und eine kleine Enkelin, die er sehr liebt und nach Strich und Faden verwöhnt.

Ihm zur Seite steht Mia Krüger, das kriminologische Wunderkind, der Superstar der Mordermittlung. Sie weiß ganz intuitiv, wie die Dinge zusammenhängen, wie die Menschen ticken. Sie sieht die Querverbindungen, die andere nicht erkennen. Aber sie ist auch psychisch krank und selbstmordgefährdet, trinkt zu viel und nimmt wahllos Tabletten. Seit einer persönlichen Tragödie fühlt sie sich schuldig dafür, dass sie noch lebt. Eigentlich hatte sie nicht vor, jemals wieder zu ermitteln, aber der Fall spricht zu ihr und sie kann sich ihrer Verantwortung nicht entziehen...

Ich fand die Freundschaft zwischen Mia und Holger unglaublich rührend. Die beiden sind in vielen Dingen so unterschiedlich, wie man nur sein kann, aber auf einer ganz elementaren Ebene verstehen sie sich einfach und bedeuten sich sehr viel.

Auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen - und davon gibt es viele!

Gabriel, der junge Hacker, der bisher eher ziellos durchs Leben geschlendert und nur durch einen abstrusen Umweg bei der Mordkommission gelandet ist, wo er zu seiner eigenen Überraschung etwas findet, für das er einstehen will.

Lukas, der ernsthafte Sonderling, der als Kind von einer Pflegefamilie zur anderen weitergereicht wurde und sich jetzt in seiner kleinen religiösen Gemeinschaft zum ersten Mal akzeptiert und wichtig fühlt.

Der 13-jährige Tobias, der für seinen kleinen Bruder die Vaterrolle übernimmt, da die beiden Jungen aus einer lieblosen, gewalttätigen Familie kommen. Emilie, ihre engagierte Lehrerin, der jeder sagt, sie dürfe sich die Dinge nicht so zu Herzen nehmen, die aber dennoch mehr tut, als sie müsste - und auch mehr, als sie eigentlich dürfte.

Und, und, und.

Die Charaktere sind alle sehr lebendig. Keiner ist wie der andere, jeder hat seine komplexe Hintergrundgeschichte, und doch sind sie alle miteinander irgendwie vernetzt und verwoben. Der Autor lässt auch die Menschen am Rand des Geschehens immer mal wieder ins Rampenlicht treten und mit sorgfältig ausgewählten Details zum Leben erwachen. Nötig für die Geschichte? Vielleicht nicht. Aber dadurch wirkte sie für mich wie direkt aus dem Leben gegriffen.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er liest sich unterhaltsam und flüssig, hat dabei aber etwas ganz Außergewöhnliches, denn dem Autor gelingt eine interessante Mischung: die Geschichte wird in der dritten Person erzählt, und dennoch bleibt der Schreibstil ganz nah dran an den Gedanken der jeweiligen Charaktere, unverfälscht und authentisch.

Da wiederholt sich schon mal etwas oder wirkt unbeholfen formuliert, denn ein Mensch denkt nun mal nicht immer druckreif. Aber das wirkte auf mich echt und lebensnah, und es gab den verschiedenen Charakteren ihre ureigene Stimme.

"Mama hatte ihr so einen Schreibtisch versprochen, wenn sie in die Schule kam, und das war ja bald, es war, ja, also, jedenfalls nicht mehr lange." 

Wenn wir Mia folgen, dann wird der Schreibstil oft abgehackt, abstrus, chaotisch - denn so funktioniert ihre Gabe: sie lässt sich mitreißen vom Strom ihrer Gedanken und wartet ab, wohin er sie trägt.

"Sie war jetzt weit weg. Tief drinnen. Die Stadt gab es nicht. Das Justisen gab es nicht. Den Tisch gab es nicht. Das Bier gab es nicht. Springseil, ja. Schultaschen, ja. Puppenkleider, ja. Narkose, ja. Schweineblut, nein, unecht. Bye, bye, birdie, nein, nicht wichtig. Who's there?

"Engelskalt" ist zwar nicht der erste Roman des Autors, aber der erste Thriller, und meiner Meinung nach ein mehr als gelungenes Debüt. Samuel Bjørk erweckt seine Charaktere mit einem ungewöhnlichen Schreibstil zum Leben und lässt sie durch eine komplexe Geschichte wandern, die für mich bis zum Schluss spannend und  überraschend blieb.

Cover 4,5 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 5 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 4,5 Sterne

Kommentare :

  1. Huhu Mikka,

    über das Buch bin ich neulich auch schon mal gestolpert, allerdings habe ich grad wegen meinem Umzug keine Zeit und daher musste es noch warten. Nun nachdem ich deine Rezension gelesen habe werde ich es mir wohl doch recht bald schon holen, bin nun echt neugierig auf die Geschichte ;)

    Ich habe dich noch für den Reader Problems TAG getagged und vielleicht hast du ja Lust mitzumachen :)
    Hier der Link zum TAG bei mir: http://the-passion-of-books.blogspot.de/2015/05/reader-problems-tag.html

    LG
    Bettina

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    Antworten
    1. Huhu Bettina,

      hihi, die deutsche Übersetzung dieses TAGs ist von mir! :-) Hier war mein Beitrag dazu:
      http://mikkaliest.blogspot.de/2015/03/tag-der-woche-reader-problems-tag.html

      Aber trotzdem danke fürs Taggen! :-)

      LG,
      Mikka

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  2. Hey Mikka,
    eine schöne Rezi hast du hier geschrieben. Ich habe das Buch auch gerade gelesen und fand es auch sehr gut! Liebe Grüße Petra

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    1. Huhu Petra,

      ich werde den Autor auf jeden Fall im Auge behalten! Ich könnte mir gut vorstellen, dass das hier der erste Band einer Reihe ist?

      LG,
      Mikka

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  3. Hallo Mikka,

    das Buch habe ich kürzlich schon mal gesehen und jetzt machst du mich richtig neugierig drauf. Das werde ich mir mal merken. So wie du die Charaktere beschreibst, könnte es tatsächlich mal wieder ein Krimi/Thriller für mich sein.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    Antworten
    1. Huhu Nicole!

      Ich fand es sehr gut gelungen, gerade wegen des oft ungewöhnlichen Schreibstils. :-)

      LG,
      Mikka

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    2. Ok, dann ab damit auf die WL. Ungewöhnlich steht bei mir hoch im Kurs. :-)

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Danke für deinen Kommentar! :D