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Samstag, 16. Mai 2015

"Das verlorene Dorf" von Stefanie Kasper



Meine Wertung 3 von 5 Sternen
Titel Das verlorene Dorf
Autor Stefanie Kasper
Verlag Goldmann
Seitenzahl 384
Erscheinungsdatum 20. April 2015
Genre Historischer Roman

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei

"Oberbayern 1843: Als sich die junge Waise Rosalie in den Bauern Romar verliebt, scheint sie ihr Glück gefunden zu haben. Doch die Waisenhausvorsteherin warnt Rosalie vor dieser Ehe und macht sonderbare Andeutungen. Rosalie heiratet Romar dennoch und folgt ihm in sein Heimatdorf, das tief im Wald verborgen liegt. Eines Nachts hört Rosalie ein Neugeborenes weinen, das am nächsten Tag als angebliche Totgeburt begraben wird. Dann kommt eine junge Frau, mit der Rosalie sich angefreundet hat, auf mysteriöse Weise zu Tode. Rosalie wird bald bewusst, dass in Romars Dorf nichts ist, wie es scheint – und dass auch sie selbst in tödlicher Gefahr schwebt ..."
(Klappentext)
Das Dorf Haberatshofen im Sachsenrieder Forst gab es wirklich. 1126 wurde es erstmals urkundlich erwähnt, und es ist auch bekannt, dass im Jahr 1809 dort drei Familien lebten, mitsamt Nutzvieh und Pferden. Außer dem Brunnen, ein paar Grabsteinen und den Grundmauern der zerstörten Kapelle erinnert heute jedoch nur noch eine Gedenktafel an die aufgegebene Siedlung.

Die Autorin verknüpft in ihrem Roman, den sie im Jahr 1843 angesiedelt hat, das Schicksal dieser drei Familien mit der alten Legende der Weißen Frau - und einer düster-atmosphärischen Geschichte, die das Realistische mit dem Märchenhaften verbindet. Diese Grundidee fand ich sehr interessant, originell und ansprechend!

Auch den Schreibstil fand ich großartig: dicht und voller bedrückend wunderschöner Stimmungsbilder. Das Gefühl beim Lesen hat mich an alte Schauergeschichten erinnert, an Legenden wie Sleepy Hollow oder die Geschichten von Edgar Allan Poe. Ich liebe diese Art von angenehmen, "klassischen" Grusel! Am Anfang hat mich das Buch richtig gepackt, und ich habe voller Spannung die Seiten geradezu verschlungen.

Es geht um die Waise Rosalie, die ihr ganzes Leben lang eine verhasste Außenseiter war, denn als Albino hat sie weiße Haut und Augen, die in der Sonne rot glühen. In der damaligen Zeit kann sich das niemand erklären, und so gilt sie als Nachtmensch, als Dämonenkind. Deswegen ist sie nur zu bereit, ihrem geliebten Romar in sein Dorf im Wald zu folgen - obwohl es als verflucht verschrien ist und seine Bewohner als bedrohliche Sonderlinge. Warum sollte sie das stören, der doch selber Misstrauen entgegen schlägt?

Zum ersten Mal erfährt sie dort Akzeptanz und Liebe, und so verschließt sie zunächst die Augen vor den ominösen und tragischen Ereignissen, und vor der Gefahr, die ihr droht...

Leider, leider flaute die Spannung für mich mehr und mehr ab, denn vieles erschien mir einfach zu offensichtlich. Schon bevor ich bei der Hälfte angekommen war, hatte ich mir zusammengereimt, was in diesem Dorf wirklich vor sich geht. Erst störte mich das gar nicht so sehr, weil ich die Geschichte dennoch sehr unterhaltsam fand...

Aber ich fand immer schwerer zu glauben, wie blind Rosalie dafür ist, was direkt vor ihren Augen passiert. Mehr als einmal sieht sie Dinge, die sich einfach nicht mit dem erklären lassen, was ihr erzählt wird. Sie wird von verschiedenen Menschen, die überzeugende Argumente vorbringen, eindringlich gewarnt. Sie stellt sich öfter die richtigen Fragen, kommt sogar zu den richtigen Antworten - nur um sich dann alles wieder schön zu reden. Ein ständiges Hin und Her, das ich irgendwann nur noch ermüdend fand, denn Rosalie kam mir eigentlich zu intelligent vor, um sich so täuschen zu lassen.

Auch das Ende fand ich eher enttäuschend. Die große Enthüllung war für mich keine Überraschung, und abgesehen davon fand ich es etwas aufgesetzt und unglaubwürdig.

Rosalie ist anfangs ein sehr starker Charakter voller interessanter Facetten. Die Autorin beschreibt sie sehr lebendig, und ich fand es einfach, mich in sie hineinzuversetzen. Allerdings wird ihr Potential in meinen Augen ab der Hälfte des Buches immer weniger ausgeschöpft.

Die meisten anderen Charaktere, sogar Romar, bleiben eher rätselhaft. Rosalie glaubt sie zu kennen, sogar zu lieben, aber dennoch hatte ich als Leser nie das Gefühl, sie wirklich zu verstehen. Aber das hat mich nicht so sehr gestört, weil es zur Geschichte passt, und zu dieser grundlegenden Stimmung von Mysterium und Gefahr.

Rosalie liebt Romar, und dennoch würde ich das Buch nicht als Liebesgeschichte bezeichnen. Diese Liebe ist es schließlich, die Rosalie hineinzieht in der verlorene Dorf, und diese Liebe ist es auch, die Romar zu einem emotional Zerrissenen macht. Mir hat gut gefallen, dass die Autorin auf Kitsch verzichtet, und auch darauf, die Liebe zum Allheilmittel zu machen.
Im Jahr 1834 wird die junge Rosalie, verhasst und gefürchtet wegen ihres Albinismus, von ihrem frisch angetrauten Mann mitgenommen in sein Dorf im tiefsten Wald: Haberatshofen, über das die finstersten Gerüchte kursieren. Dort findet sie eine Gemeinschaft von Sonderlingen vor, die sie mit offenen Armen empfangen und ihr zum ersten Mal in ihrem Leben Liebe und Akzeptanz schenken. Aber die Dinge sind nicht, wie sie scheinen...

Die wunderbar schaurige Atmosphäre und der lebendige Schreibstil haben mich begeistert, und auch die Protagonistin fand ich interessant und vielversprechend. Leider wurde das Buch zunehmend vorhersehbar, und ich fand immer unglaubwürdiger, dass Rosalie nicht versteht, was vor sich geht, obwohl sie immer wieder mit der Nase darauf gestoßen wird.
Cover 3,5 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 2 Sterne
Charaktere 3 Sterne
Schreibstil 4,5 Sterne
Romantik 3 Sterne
Abzug für Vorhersehbarkeit - 2 Sterne

Kommentare :

  1. Wunderbar schaurig - das klingt gut. Und wenn man daran denkt, dass es dieses Dorf wirklich gegeben hat. Aber wenn es so vorhersehbar ist und die Protagonistin auf der Leitung steht, das lässt mich schon zweifeln, ob es etwas für mich ist. Auf jeden Fall, sehr schön rezensiert! Ich werde das Buch mal weiter beobachten.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    Antworten
    1. Huhu Nicole,

      ich war soooo hin- und hergerissen, denn am Anfang war ich richtig begeistert und habe mich immer richtig drauf gefreut, weiterlesen zu können... Aber dass jemand SO auf der Leitung stehen kann - das war mir einfach zu viel.

      LG,
      Mikka

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