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Dienstag, 7. April 2015

"Der Augensammler" von Sebastian Fitzek



Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel Der Augensammler
Autor Sebastian Fitzek
Verlag Droemer Knaur
Seitenzahl 439
Erscheinungsdatum 1. Juni 2011
Genre Thriller

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei


"Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer in seinem Versteck. Doch damit ist das Grauen nicht vorbei: Den aufgefundenen Leichen fehlt jeweils das linke Auge. Bislang hat der »Augensammler« keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt …"
(Klappentext)


Ich war beim ersten Aufschlagen ziemlich verwirrt. Auf der ersten Seite begrüßten mich nämlich die Überschrift "Epilog" - und die Seitenzahl 439. Was...?! Als ich durchblätterte, stellte ich fest: tatsächlich, Seiten- und Kapitelzahlen laufen rückwärts.

Ein Fehldruck, oder Absicht?

Letzteres, stellte ich schnell fest. So wie den Ermittlern bei der Jagd nach dem Augensammler die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt, so zerrinnen dem Leser die Seitenzahlen und erinnern ihn daran, dass das Ende naht... Und so wird das Ende zum Anfang und der Anfang zum Ende. Ein cleverer Schachzug!

"Es gibt Geschichten, die sind wie tödliche Spiralen und graben sich mit rostigen Widerhaken tiefer und tiefer in das Bewusstsein dessen, der sie sich anhören muss. Ich nenne sie Perpetuum morbile. Geschichten, die niemals begonnen haben und auch niemals enden werden, denn sie handeln vom ewigen Sterben."

Der Erzähler warnt den Leser direkt vor, dass ihm eine grausame Geschichte bevorsteht, und baut so die Erwartung auf Hochspannung auf - und diese Erwartung wird in meinen Augen nicht enttäuscht.

Der Schreibstil von Herrn Fitzek entwickelt eine ungeheure Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Dazu kommen originelle, unerwartete Wendungen und ein Killer, der gnadenlos mit seinen Opfern spielt, was zusammen eine brisante, packende Mischung ergibt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, für so unwichtige Dinge wie Essen oder Schlafen...

An einer Stelle habe ich mir notiert: "Was ist das für eine Ansammlung an Anti-Helden?" Denn die Charaktere, sogar die guten, haben alle irgendwo ihren dunklen Seiten. Und das finde ich gut, denn es macht sie erst zu komplexen, interessanten Gestalten!

Mag ich Alexander Zorbach, den Protagonisten? Muss ich ihn mögen - will ich ihn überhaupt mögen? Er kann gelegentlich unsympathisch sein, getrieben, sperrig, schwierig, aber er hat (scheinbar?) das Herz auf dem rechten Fleck. Er findet sich in einer unglaublich schwierigen Situation wieder, in der er nicht nur die Anforderungen seines Berufes als Polizeireporter mit seinen väterlichen Verpflichtungen unter einen Hut bringen muss, sondern auch zum Spielball der Geschehnisse wird... Mehr will ich hier noch nicht verraten!

Durch die blinde Seherin Alina bekommt der Thriller ein übernatürliches Element, wobei sich der Leser über lange Strecken nicht sicher sein kann, was Trug ist und was Wahrheit - aber so oder so erhöht es meiner Meinung nach die Spannung und erlaubt dem Autor einen brillanten Schachzug.

Ich fand ihre Visionen sehr interessant geschrieben, denn Alina kann in ihnen nur Dinge und Personen sehen, an die sie sich aus einer Zeit erinnern kann, als sie noch nicht blind war - und sie ist im Alter von drei Jahren erblindet, weswegen alle Menschen in ihren Visionen die Gesichter ihrer Eltern tragen. Was besonders verstörend ist, wenn es sich um Visionen von Gewalt und Tod handelt!

Selbstgefällige Profiler, verzweifelte Väter, gewaltbereite Polizsten... Man weiß nie, welchem Charakter man trauen kann oder was man als Leser glauben darf. Ich habe so ziemlich jeden verdächtigt, eine Theorie nach der anderen aufgestellt und wieder verworfen!

Obwohl sich im Endeffekt eine meiner ersten Theorien als die (zumindest größtenteils) korrekte herausstellte, tat das der Spannung keinen Abbruch - denn der Autor führte mich immer wieder komplett aufs Glatteis, so dass ich vollkommen sicher war, mit dieser Theorie falsch zu liegen. Fast kam ich mir vor, als habe der Autor mit voller Absicht die Wahrheit vor meiner Nase baumeln lassen wie eine Karotte, nur um sie mir dann wieder wegzunehmen!

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: der Autor findet zu jeder Situation das passende Bild, die passende Formulierung, um eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen.



Perpetuum morbile nennt der Autor diese Art von düsterer und dabei merkwürdig zeitloser Geschichte. Sie hat mich schnell in ihren Bann gezogen, mit unerwarteten Wendungen überrascht und immer wieder daran zweifeln lassen, welchem Charakter ich noch trauen kann. Ich fand das unheimlich spannend und gut geschrieben, und der Autor hat es wirklich geschafft, mich auf die völlig falsche Fährte zu locken!

Cover 3 Sterne
Originalität 5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 5 Sterne
Charaktere 4 Sterne
Schreibstil 4,5 Sterne

Kommentare :

  1. Hey :)

    Ich liebe die Bücher von Sebastian Fitzek! ER zählt zu meine Lieblingsautoren und jedes Buch von ihm steht in meinem Regal. Ich liebe seine Art Geschichten zu erzählen, die Spannung die er im ganz Buch halt und die sehr überraschend Ausgänge seiner Geschichten.

    Wenn du dieses Buch von ihm magst, kann ich dir Der Seelenbrecher empfehlen. Mit diesem Buch hat meine Fitzek-Sucht angefangen *-*

    LG Sina

    http://weltderleseeulen.blogspot.de/?m=0

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    1. Huhu Sina!

      Ich habe auch vor, seine anderen Bücher noch zu lesen, eins nach dem anderen. :-)

      LG,
      Mikka

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Danke für deinen Kommentar! :D