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Mittwoch, 18. März 2015

"Devil's River" von Thomas Thiemeyer



Meine Wertung 4 von 5 Sternen
Titel Devil's River
Autor Thomas Thiemeyer
Verlag Droemer Knaur
Seitenzahl 512
Erscheinungsdatum 2. März 2015
Genre Mystery Thriller 

Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei


"Es bedarf eines Ungeheuers, um ein Ungeheuer zu töten... 

Kanada 1878. River, eine junge Frau vom Stamm der Ojibwe, muss miterleben, wie ihr Dorf von etwas heimgesucht wird, das kein Mensch sein kann. Die Hütten von einer gewaltigen Kraft zerstört, Männer und Frauen grausam ermordet, scheint eine uralte Legende zum Leben erwacht zu sein. River schwört Rache – und verbündet sich mit einem gesuchten Mörder. 

England 2015. Durch den Tod ihrer Großmutter aufgerüttelt, begibt sich die Studentin Eve auf die Spur eines Familiengeheimnisses, das in der kanadischen Wildnis wurzelt ... "
(Klappentext)


Thomas Thiemeyer erzählt in diesem Buch eine sehr originelle, komplexe Geschichte und verbindet dabei Thrillerspannung mit einem Hauch Fantasy, mehr als einer Prise Horror und viel indianischer Mythologie. Sowas kann fürchterlich schiefgehen, ergibt hier aber in meinen Augen eine großartige, stimmige Mischung! (Jedenfalls meistens, aber dazu gleich mehr.)

Der Autor schmeißt den Leser direkt mitten rein in die Geschichte, und er holt aus jeder Situation das Höchstmaß an Spannung heraus. Dabei hat er ein besonderes Gespür dafür, leisen, prickelnden Grusel aufzubauen, der auch ohne viel Gemetzel auskommt. Was nicht heißen soll, dass es nicht manchmal auch blutig wird, denn das wird es...

Die Geschehnisse wirkten auch mich meist sehr echt und lebendig - meist.

Denn für mich funktionierte der Teil der Geschichte, der in der Vergangenheit spielt, deutlich besser als der Handlungsstrang in der Gegenwart. Mehr als einmal habe ich mich dabei ertappt, dass ich einen enttäuschten Stoßseufzer ausstieß, wenn ich in der Kapitelüberschrift die Jahreszahl 2015 las - ich wollte eigentlich immer nur wissen, wie es 1878 weitergeht, und zwar sofort!

Und das lag sicher größtenteils an den Charakteren, die mir in der Vergangenheit deutlich abwechslungsreicher und stimmiger erschienen als in der Gegenwart.

1878 folgen wir River, einer sehr starken, sympathischen jungen Frau, die entschlossen ihren eigenen Weg geht, obwohl sie als Weiße unter Indianern nie vollständig akzeptiert wurde. Durch sie lernen wir die indianische Kultur ein wenig kennen, was mir sehr gut gefallen hat.

Sie hat mich immer wieder damit überrascht, dass sie mutige, ungewöhnliche Entscheidungen trifft - wie z.B. die, sich einen drogensüchtigen Massenmörder als Reisegefährten zu erwählen!

Tja, und Nathan, der besagte Massenmörder... Er ist interessant, komplex, widersprüchlich, gequält, und der Autor schafft es, einem ein Stück weit Verständnis und vielleicht sogar Mitgefühl für ihn abzuringen - was meines Erachtens ein Beweis dafür ist, dass er wirklich gut schreiben kann.

In der Gegenwart haben wir dagegen Eve, die junge Studentin, die in den Aufzeichnungen ihrer Großmutter über Rivers Geschichte liest. Sie ist eher schwach und unentschlossen, sie sitzt alles nur aus, statt zu handeln. Sie ist mit einem Mann verlobt, für den sie nur lauwarme Gefühle hat (und für den ich als Leser ebenfalls nur lauwarme Gefühle hatte), sie leidet unter ihrer herrischen Mutter, lässt sich dann aber doch immer wieder von ihr unterbuttern...

Diese ist ein zutiefst unsympathischer Charakter - selbstherrlich, engstirnig und oberflächlich, und dabei in meinen Augen etwas eindimensional.

Erste gegen Ende des Buches durchleben Eve und ihre Mutter eine Wandlung, eine Weiterentwicklung, aber das war für mich einfach zu wenig, zu spät.

Für mich hätte das Buch genauso gut, wenn nicht sogar besser, funktioniert, wenn es sich ausschließlich auf Rivers Geschichte konzentriert hätte - denn die ist großartig! Aber auch so hat mir das Buch im Ganzen sehr gut gefallen, denn die Geschehnisse 1878 bieten alleine schon genug Interessantes und Spannendes.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, einfallsreich und bildlich. Der Autor ist grandios darin, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, und er hat ein Auge für interessante Details, die eine Szene richtig zum Leben erwecken.

Ein kleiner Kritikpunkt: Manchmal fehlte mir in den Teilen der Geschichte, die 1878 spielen, ein bisschen das Gefühl, dass die in den Dialogen verwendete Sprache wirklich in die Zeit und in das Umfeld passt - oder zu dem Bild, das ich mir von einem Charakter gemacht hatte.



Im Jahr 1878: die junge River, die unter Indianern aufgewachsen ist, zieht los, ihren Stamm zu rächen, und wird dabei unterstützt von dem drogensüchtigen Massenmörder Nathan. Im Jahr 2015: die junge Eve erbt die Aufzeichnungen ihrer Großmutter, die Rivers Geschichte erzählen, und lernt dabei auch mehr über ihre Familie und sich selbst.

Der Autor erzählt das Ganze originell und spannend in Form eines stimmungsvollen Mystery-Thrillers, mit einem großartigen Schreibstil und viel Gänsehautgefühl. Trotz kleiner Kritikpunkte eine klare Leseempfehlung!

Cover 5 Sterne
Originalität 5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 4 Sterne
(5 Sterne für 1878,
3 Sterne für 2015)
Charaktere 3,5 Sterne
(4,5 Sterne für 1878, 

2,5 Sterne für 2015)
Schreibstil 4,5 Sterne


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