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Freitag, 5. Dezember 2014

"Die Berufene" von M.R. Carey


Meine Wertung 5 von 5 Sternen
Titel Die Berufene
Originaltitel The girl with all the gifts
Autor(in) M.R. Carey
Übersetzer(in) Charlotte Lungstraß-Kapfer
Momo Evers
Verlag* Knaur
Seitenzahl* 512
Erscheinungsdatum* 26. September 2014
Genre Endzeit / Thriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei

Sie kennen ihr Leben nicht anders: jeden Morgen kommen Soldaten mit angelegter Waffe in ihre kargen Zellen, fesseln sie an einen Rollstuhl und knebeln sie - und dann werden sie in ihr Klassenzimmer gebracht, denn die Rede ist keineswegs von Schwerverbrechern, sondern von kleinen Kindern. Diese wissen selber nicht, warum sie eingesperrt wurden, warum die Wächter anscheinend Angst vor ihnen haben, und warum ab und an ein Kind verschwindet und niemals wiederkehrt... Sie haben keine Erinnerungen an die Zeit vor ihrer Inhaftierung, und sie kennen die Welt außerhalb des Komplexes nur aus den Geschichten, die ihnen ihre Lehrerin erzählt. 
"Die Berufene" hat mich so sehr gefesselt und beeindruckt, wie das schon sehr lange keinem Buch mehr gelungen ist. Ich habe die Rezension paradoxerweise lange vor mir hergeschoben, weil ich nicht wusste, wie ich einerseits dem Buch gerecht werden und andererseits nicht zu viel verraten sollte! 

Ich bin völlig "blind" an das Buch herangegangen, ohne das Geringste darüber zu wissen - und hätte mir vorher jemand gesagt, dass es sich um einen Endzeitromanhandelt, hätte ich vielleicht nicht danach gegriffen. Und mein Gott, hätte ich da eine literarische Kostbarkeit verpasst! Es ist nicht "nur" ein Endzeitroman, es ist so, so viel mehr. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden unter ungünstigsten Umständen, über Mut im Angesicht des scheinbar Aussichtslosen, über Selbstlosigkeit ungeachtet des eigenen Risikos... Es ist brutal und rührend, intelligent und emotional, gnadenlos konsequent und dennoch auf verquere Art und Weise hoffnungsvoll. 

Und es ist so originell, dass mir manchmal der Atem stockte ob der schieren Genialität der Geschichte. 

Aber vor allem lebt das Buch von seiner kindlichen Heldin, Melanie. Die ist ein kleines Genie, macht sich über alles tiefgehende Gedanken und ist dennoch anrührend unschuldig - und das bis zur letzten Seite, obwohl sie bis dahin vieles erlebt und vieles tut, was diese Unschuld im Keim hätte ersticken können. Es ist manchmal geradezu erschütternd, wie innig und selbstlos sie immer noch fähig ist, zu lieben und zu vertrauen, obwohl ihr selber herzlich wenig Liebe in ihrem kurzen Leben entgegengebracht wurde. 

Auch die anderen Charaktere sind großartig, und es ist schlicht und einfach unmöglich, sie in Schubladen zu stopfen. Sogar diejenigen, die scheinbar Unentschuldbares tun, haben oft gute Gründe dafür - oder gar keine andere Wahl. Macht es das besser? Das ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall macht es es problematisch, diese Menschen gedankenlos zu verurteilen. Der Autor fordert den Leser und seinen moralischen Kompass gnadenlos: man ist geradezu gezwungen, mitzudenken und sich vielleicht auch zu fragen, wie man selber in der gleichen Situation gehandelt hätte. Sehr gut fand ich, dass sich jeder Charakter im Laufe des Buches weiterentwickelt, denn Stillstand kann hier buchstäblich der Tod sein... 

Ist das Buch spannend? Oh ja, und das auf vielfältige Art und Weise. Es gibt blutspritzende, rasante Action (gelegentlich mit Ekelfaktor) und einen irrsinnigen Wettlauf gegen den Tod, aber es ist auch auf leise Art und Weise spannend, die emotionale Entwicklung der Charaktere zu verfolgen. Auch die essentiellen Fragen, die hier aufgeworfen werden, fand ich intellektuell spannend: Was macht einen Menschen überhaupt zum Menschen? Wieviele Opfer darf die Wissenschaft fordern, wenn es um das Überleben geht? Und vieles mehr, wobei der Autor nie in kopflastige, dröge Pseudo-Intellektualität verfällt. 

Ich war sehr beeindruckt vom Schreibstil, der mühelos die verschiedensten Nuancen beherrscht. Mal klar und schwerelos leise, mal brachial und atemlos verworren... Immer atmosphärisch und eindringlich. 

Das Ende hat mich erwischt wie ein Schlag in die Magengrube, und dennoch könnte es meines Erachtens kein perfekteres Ende geben. Als ich das Buch zuschlug, schwirrte mir der Kopf... Und die Geschichte begleitete mich noch tagelang in Gedanken. 
"Die Berufene" ist ein Buch, das über Genregrenzen hinaus wirkt, und das glasklar und eindringlich. Einerseits ein Endzeitroman, andererseits ein Roman über das Erwachsenwerden und die grundlegendsten Fragen des Lebens, mit einer großartigen kindlichen Heldin, die einem schnell ans Herz wächst... Ich habe beim Lesen die volle Bandbreite der Emotionen erlebt und konnte das Buch einfach nicht mehr weglegen bis zum unerwarteten, grausam-genialen Ende.
Cover 3 Sterne
Originalität 5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 5 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 5 Sterne

Kommentare :

  1. Hallo Mikka,

    mir hat das Buch auch gefallen, wenn ich auch nicht ganz so begeistert wie du war. :) Das liegt aber vielleicht daran, dass ich häufiger Endzeit-Romane lese und es für dich eher Neuland war. :)

    LG Steffi

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    1. Huhu Steffi,

      ich fand einfach den ungewöhnlichen Blickwinkel und die ganzen moralischen Fragen so interessant! :-)

      LG,
      Mikka

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    2. Ja, die Moral dahinter ist wirklich interessant und mal etwas anderes in dem Endzeit-Einheitsbrei. Es geht nicht nur um blindes Gemetzel und Gefresse.

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Danke für deinen Kommentar! :D