Folgt mir auf:
    
     
Thalia buecher.de 
Goodreads Lovelybooks 
Was Liest Du?
 Amazon
WhatchaReadin' 
Büchertreff
Zuletzt besprochene Mal- und Hobbybücher*:
   
Demnächst:

Impressum

Datenschutz



#bloggergegenrechts
Für Toleranz und Diversität!
 
Zuletzt besprochene Romane / Sachbücher*:    Demnächst:
       
  
  * ein Klick auf das Cover bringt euch zur Rezension!
Seit November 2017 findet ihr meinen Blog auch auf Wordpress.

Sonntag, 16. November 2014

"Das Haus der verschwundenen Kinder" von Claire Legrand


#anzeige: Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Meine Wertung 2,5 von 5 Sternen
Titel Das Haus der verschwundenen Kinder
Originaltitel The Cavendish Home for Boys and Girls
Autor(in) Claire LeGrand
Übersetzer(in) Astrid Finke
Verlag* Heyne
Seitenzahl* 320
Erscheinungsdatum* 25. August 2014
Genre  Jugendbuch / Horror / Urban Fantasy

* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches




Handlung

"Das Leben in der beschaulichen Kleinstadt Belleville ist genau so, wie die zwölfjährige Victoria es gern hat: übersichtlich, vorhersehbar und aufgeräumt. Und Victoria mit ihrem strengen Zopf, den ordentlichen Kleidern und den hervorragenden Noten passt perfekt nach Belleville. Eine einzige Unregelmäßigkeit erlaubt sie sich: den verträumten und vergesslichen Lawrence, der so ganz das Gegenteil von ihr ist. Lawrence ist ihr bester Freund. Als er plötzlich spurlos verschwindet, ist es allerdings vorbei mit Victorias geordnetem Alltag. Sie würde es nie zugeben, aber sie vermisst ihn furchtbar. Daher stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an. Was Victoria entdeckt, gefällt ihr gar nicht: Unter der glatten Oberfläche von Belleville verbirgt sich ein dunkles Geheimnis. Eines, das offenbar in der Erziehungsanstalt von Mrs. Cavendish seinen Ausgang nimmt. Die rebellischen Kinder, die dorthin geschickt werden, kommen ungewöhnlich still und brav zurück – oder gar nicht mehr. Steckt Mrs. Cavendish hinter Lawrences Verschwinden?"
(Klappentext)

Meine Meinung

Das gelungene Cover hat mich direkt neugierig gemacht und angesprochen, und auch der Klappentext klang nach einem vielversprechenden Jugendbuch mit einer starken, ungewöhnlichen Heldin und vielleicht ein bisschen gepflegtem Grusel. 

Und zuerst hat mich das Buch tatsächlich unglaublich begeistert und jede dieser Erwartungen erfüllt! Eine Stadt, in der Ordnung und Perfektion so übertrieben werden, dass es schon ins Krankhafte ausartet... Ein Waisenhaus, hinter dem sich das Böse verbirgt... Diese Grundideen sind vielleicht nicht ganz neu, werden aber sehr originell und mit bitterbösem Humor umgesetzt, und die Autorin bringt eine Vielzahl wirklich neuer, witzig abstruser, interessanter Ideen ein. Oberflächlich gesehen ist alles idyllisch und friedlich und ordentlich und langweilig, aber Claire Legrand baut geschickt immer mehr Spannung und unterschwellige Bedrohung auf, immer mehr Gänsehaut und angstvolle Erwartung - und das ganz ohne Gemetzel und unnötige Brutalität. (Jedenfalls in den ersten zwei Dritteln des Buches, aber dazu später.) Das fand ich großartig und auch sehr kindgerecht! Die Geschichte verläuft eher langsam, aber mir gefiel gerade dieses Ruhige, Bedächtige,das sich schleichend zum Albtraum entwickelt... 

Aber vor allem habe ich mich schnell in Victoria verliebt, auch wenn die auf den ersten Blick kein sehr liebenswertes Kind ist. Ihr Ziel im Leben ist es, perfekt zu sein - in allem, was sie tut. Perfekte Noten, perfektes Aussehen, perfekte Manieren. Sie liebt es, besser zu sein als andere und weidet sich daran, wenn sie ihre größte Konkurrentin demütigen kann. Freunde macht sie sich so nicht, aber Freunde will sie ohnehin nicht haben, das ist ihr viel zu viel Durcheinander, mit diesen lästigen, unbequemen Gefühlen, die sie lieber vermeidet. Auch mit Lawrence freundet sie sich nicht etwa an, weil sie ihn gernhat, sondern weil sie ihn als Projekt sieht: sie will den chaotischen Tagträumer, der sich nie das Hemd in die Hose steckt und lieber seine alberne Musik macht, statt nützliche Dinge zu lernen, umerziehen, bis er so perfekt ist wie sie... Damit die Leute sie dafür bewundern. 

Auch wenn ihre Art erstmal nicht sehr sympathisch ist, fand ich sie doch oft urkomisch, denn Victoria merkt gar nicht, wie skurill sie sich eigentlich verhält. Sie ist ein bisschen wie Hermine Granger, nur tausendmal selbstherrlicher. Im Laufe des Buches muss sie erst lernen, dass es wichtigere Dinge gibt als Manieren, und dass es durchaus gute Gründe gibt, Regeln zu brechen oder zumindest zu hinterfragen. Der Leser sieht ihr dabei zu, wie sie den Wert der Freundschaft und ihre eigene Individualität entdeckt, wie sie zu mehr wird als nur zu Victoria, der Musterschülerin. Und für ein Kinderbuch fand ich das eine sehr passende, schöne Botschaft. 

Lawrence, der arme Kerl, kann einem erst nur leid tun. Erst wird er von Victoria gezwungen, ihr Freund zu werden, ob er will oder nicht, dann muss er sich tagein und tagaus ihre Ermahnungen anhören. Und auch seine Eltern lassen an ihm kein gutes Haar. Er ist ein musikalisches Wunderkind, aber in Belleville zählen nur Dinge, die nützlich und einfach sind und klare Regeln haben. Und die Kinder, die nicht in das Schema passen, verschwinden... So auch Lawrence, der sich einem wahren Horror stellen muss! 

Die Erwachsenen sind hölzerne, beinahe roboterhafte Gestalten, die sklavisch den Regeln folgen, die in Belleville gelten - dafür gibt es allerdings gegen Ende des Buches eine gute Erklärung, es ist also durchaus gewollt! Denn wenn die Erwachsenen nur schattenhafte, oft sogar bedrohliche Gestalten im Hintergrund sind, dann liegt es an den Kindern, sich selber zu retten, was die Geschichte für junge Leser sicher noch gruseliger und unheimlicher macht. Außerdem bringt auch das die Botschaft rüber, dass man Regeln und Authoritätspersonen nicht blind vertrauen muss oder soll, sondern den Mut haben muss, seine eigene Wahrheit zu finden. Dennoch fand ich es manchmal schade, wie blass beinahe alle Charaktere außer Victoria blieben. 

Den Schreibstil fand ich wunderbar, vor allem den staubtrockenen, bösen Humor, der aus beinahe jeder Seite klingt und doch spurlos an Victoria vorübergeht. Die Autorin beschreibt die Dinge eher klar und einfach, aber doch eindringlich, vor allem die bedrohlichen Geschehnisse - wie die unzähligen Schaben, die auf einmal in der ganzen Stadt herumwuseln, oder die dunklen Schemen, die gegen trübe Glasscheiben hämmern... 

Tja. 

Nach den ersten zwei Dritteln des Buches war ich überzeugt, ein neues Lieblingsbuch in der Hand zu haben. Aber! Aber, ab einen gewissen Punkt wurde die Geschichte nicht nur skuriller, sondern leider auch ekliger und verstörender und in meinen Augen zu grausam für Kinder. Das Buch wird für junge Leser ab 12 empfohlen, aber ich war als erwachsene Leserin manchmal schockiert. Ok, wäre das Buch ein Thriller oder Horrorroman für Erwachsene, hätte ich vielleicht über dieselben Dinge nur müde gelächelt, aber es ist ein Kinderbuch, und eines, das mit so einem schönen, harmlosen Grusel und kindgerechten Botschaften anfängt! Da kam manches unerwartet wie ein heftiger Schlag ins Gesicht. Was gegen Schluss passiert, ist einfach bizarr und grausam, und als Kind hätte ich davon wahrscheinlich Albträume bekommen!

Das Ende fand ich für ein Kinderbuch extremst verstörend, und es bietet meiner Meinung nach auch keine kindgerechte Lösung, die es dem jungen Leser erlauben würde, mit der Geschichte abzuschließen und klarzukommen. 

Außerdem blieb für meinem Geschmack zu vieles unerklärt, und eine Sache ganz am Schluss erschien mir sehr aufgesetzt und klischeehaft. 

Fazit

Die ersten zwei Drittel des Buches habe ich mit sehr viel Vergnügen am bösen Humor und gepflegten Grusel gelesen. Auch die pedantische, besserwisserische junge Heldin fand ich großartig, und der Roman enthält durchaus positive Botschaften für jugendliche Leser. Mein erster Eindruck war, dass ich dem Buch wahrscheinlich 4 oder sogar 5 Sterne geben würde. 

Ab einem gewissen Punkt driftet dieser Roman, der für Kinder ab 12 Jahre gedacht ist, aber ins Bizarre und sogar Ekelhafte ab, mit einem Level an Horror, den ich wirklich nicht für das Alter empfehlen würde. Für ältere Kinder und Erwachsene ist andererseits der Schreibstil vielleicht etwas zu einfach und kindgerecht! Das letzte Drittel hat mir den Roman leider so verdorben, dass ich ihm im Ganzen nur noch 2,5 Sterne geben kann. 

Cover 4 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 4 Sterne
Charaktere 3 Sterne
Schreibstil 4,5 Sterne
Humor 4 Sterne
Eignung für das empfohlene Alter 1 Sterne
Ekelfaktor 1,5 Sterne

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Danke für deinen Kommentar! :D