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Mittwoch, 22. Oktober 2014

"Niemand liebt November" von Antonia Michaelis


Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel Niemand liebt November
Originaltitel ---
Autor(in) Antonia Michaelis
Übersetzer(in) ---
Verlag* Oetinger
Seitenzahl* 448
Erscheinungsdatum* 20. August 2014
Genre Jugendbuch
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei

"Schatten der Vergangenheit: ein Spiel um Leben und Tod. Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft. Ein großer Roman von Antonia Michaelis: eine starke, zugleich verletzliche Heldin inmitten mörderischer Geheimnisse, soghaft zwischen Traum und Realität und atemlos spannend."
(Klappentext)
Ein junges Mädchen auf der Suche nach seinen Wurzeln, nach Liebe und Geborgenheit - das ist an sich vielleicht nichts Neues, aber Antonia Michaelis wirkt Zauber mit ihrer einzigartigen Sprache und erzählt das scheinbar Bekannte so, dass es zu einem echten Highlight der Jugendliteratur wird.

November (oder Amber) ist eine widersprüchliche Protagonistin. Sie sucht nach Liebe - sie flucht, kratzt und beißt. Sie schreibt Gedichte - sie klaut, lügt und betrügt. Ihre Zeit in einer wahren Prozession von Heimen und Pflegefamilien hat sie gezeichnet und beinahe zerstört, und manchmal kann sie das Leben nur aushalten, indem sie zu "Lucy" wird, die sich hinter Makeup versteckt und sich mit Sex ein wenig Wärme erkauft. 

Sie hat überhaupt ein sehr gestörtes Verhältnis zu Liebe und Sexualität. Sie verkauft sich selbst, ohne mit der Wimper zu zucken, und hängt all ihre romantischen Träume an das scheinbar Unerreichbare, wodurch sie sich selber unbewußt direkt zum Scheitern verurteilt. Auch wenn November im Grunde auf der Suche nach Liebe ist, ist das Buch also auf keinen Fall ein Liebesroman, aber das fand ich überhaupt nicht schlimm... Es bietet auch so mehr als genug emotionalen Tiefgang. 

Es ist nicht immer einfach, November mit ihrem oft selbstzerstörerischen Verhalten zu mögen, aber ich fand es unmöglich, an ihrer Reise keinen Anteil zu nehmen. Die Autorin hat ein unglaubliches Gespür für Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, die in irgendeiner Form verletzt und gezeichnet sind, und so sind auch die Menschen, denen November begegnet, nicht unbeschadet durchs Leben gegangen. Aber sie findet gerade bei ihnen immer wieder unerwartete Wärme und Güte - allerdings auch schockierende Grausamkeit und Selbstsucht. 



Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen! Ich wollte so verzweifelt, dass November ihre Eltern findet, dass sie endlich etwas Glück hat, dass das Leben ausnahmsweise mal gerecht ist, dass das Märchenhafte von Antonia Michaelis Sprache auch zu einem märchenhaften Ende führt... Da war es manchmal schwer zu ertragen, dass es immer noch schlimmer und schlimmer kam, und das Ende war dann gänzlich unerwartet. 

Zitat:
"Sie merkte, dass sie zitterte.
Die Heizung war jetzt wie Eis. und der Flur war ein Grab aus Schatten.
Sie war so müde, und die fremde Stadt war so groß, und der November sammelte sich im Hausflur wie Schnee."


Auf den Schreibstil von Antonia Michaelis muss man sich einlassen, und ich denke, man hasst ihn oder man liebt ihn. Bei ihr werden auch die schäbigen, hässlichen Seiten der Realität zum Märchenhaften, zu einer bedrückenden Schönheit, die manchmal schwer zu ertragen ist. Aber für mich sind ihre Bücher einfach ein Gedicht, und wenn ich ein Buch durch habe, habe ich mir meist hunderte von Stellen mit kleinen Post-Its markiert... 
Antonia Michaelis erzählt in ihrer märchenhaften Sprache von einem zornigen, verzweifelten Mädchen, das seine Eltern sucht und sich dabei auf einer selbstzerstörerischen Reise beinahe selbst verliert. Das ist spannend, berührend, bedrückend, emotional... Die Geschichte ist nicht immer einfach zu lesen, hat aber oft eine unglaubliche Schönheit. 

Cover 4,5 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 4 Sterne
Charaktere 4,5 Sterne
Schreibstil 5 Sterne

Kommentare :

  1. Hi Mikka,

    das Buch ist vor kurzem bei mir eingezogen und liegt recht weit oben auf dem SUB. Ich bin wirklich gespannt, ob ich den Schreibstil der Autorin lieben werde. Es muss einfach so sein, wenn ich deine Rezi so lese. Aber man weiß ja nie =)

    LG
    Anja

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    1. Ich liebe einfach Autoren, die einen lyrischen Schreibstil haben - und ich liebe Autoren, die sperrige HeldInnen schreiben. Und Antonia Michalis tut beides! :-)

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Danke für deinen Kommentar! :D