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Donnerstag, 4. September 2014

"Ödland - Der Keller" (#1) von Christoph Zachariae


Meine Wertung 3,5 von 5 Sternen
Titel Ödland - Der Keller (#1)
Originaltitel ---
Autor(in) Christoph Zachariae
Übersetzer(in) ---
Verlag* Lucid Dreams
Seitenzahl* 257 
Erscheinungsdatum* 16. Dezember 2013
Genre Endzeitroman / Dystopie / Thriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch bei Amazon

"Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr. Sie ging vor vierzig Jahren unter. Aus Ressourcenknappheiten wurden Verteilungskämpfe, aus regionalen Konflikten Flächenbrände. Das Kartenhaus Zivilisation brach zusammen. Vom Land und von den Städten blieben nur Wüsten und Ruinen übrig: Das ÖDLAND. 

Die Überlebenden rotteten sich zusammen und zogen sich in abgeschiedene Enklaven zurück, in versteckte Keller, alte Bergwerke, verbarrikadierte Dörfer und unzugängliche Stadtteile, versuchten nicht entdeckt zu werden und zu überleben. 
Denn durch die verwüsteten Landstriche zogen bewaffnete Banden. Auf der Suche nach Essbarem griffen sie jeden an, der ihnen in die Quere kam und machten das Ödland zu einem Ort, den niemand freiwillig betrat. 

Mega, ein neunzehnjähriges Mädchen, wächst in einer Enklave auf. In einem Heizungskeller unter einer verfallenen Universität. Die junge Frau hat einen Traum: Eines Tages will sie den Keller verlassen und die Welt erkunden, denn die muffige Enge lässt sie die Betonmauern hochgehen und das ewige Stillsein und Verstecken entspricht überhaupt nicht ihrem Wesen. 

Erzählt wird Megas Reise durch das ÖDLAND zu den Ursprüngen ihrer Existenz, denn Mega hat nie vergessen, dass sie nicht im Keller geboren wurde. "
(Klappentext)
Das Cover stimmt schon perfekt auf das Buch ein: wir sehen Mega, wie sie aufmerksam den Blick über das trostlose Ödland mit seinen tückischen, versteckten Gefahren schweifen lässt. Die Welt ist grau in grau, aber am Horizont bricht durch den schmutzig-dunklen Himmel widerspenstig die Sonne. 

Und genau das macht meiner Meinung nach auch das Buch aus. Einerseits die Trostlosigkeit, der kompromisslose Tod der Welt, wie wir sie heute kennen, der brutale Kampf ums Überleben, der aus Menschen oft gnadenlose Monster macht... Und andererseits die Hoffnung, dass es da doch noch etwas gibt, wofür es sich zu kämpfen lohnt - wofür es sich zu leben lohnt. 

Auch die Handlung spiegelt diese Gegensätzlichkeit wieder, denn grob gesagt ist sie aufgeteilt in zwei Handlungsebenen mit zwei völlig unterschiedlichen Protagonisten. Einmal haben wir da Mega, die junge Frau, die im Keller einer versteckten Enklave aufgewachsen ist, in ständigem Halbdunkel und flüsternder Stille, um keine Ödlandpiraten anzulocken. Sie ist allerdings nicht im Keller geboren worden, und sie hat sich auch nie wirklich in diese versteckte, gedämpfte Halbexistenz fügen können. Aber dennoch sind ihr die Menschen, mit denen sie so viele Jahre auf engstem Raum gelebt hat, genug ans Herz gewachsen, um eine Rettungsmission zu riskieren, die einem Selbstmordkommando gleichkommt. Mega ist eine Figur, mit der man sich identifizieren und mit der man mitfühlen kann, die einem sympathisch ist und der man nur das Beste wünscht - auch, oder vielleicht weil sie nicht perfekt ist, aber immer ihr Bestes gibt. 

Die andere Handlungsebene wird aus Sicht von Hagen erzählt, der das Schlechteste dieser postapokalyptischen Welt verkörpert. Gewalt um des Überlebens willen, aber auch Gewalt um der Gewalt willen. Totale Verrohung, absolute Gewissenslosigkeit, eine deprimierende Verachtung gegenüber der Unantastbarkeit des Lebens. Wo man gerne und bereitwillig mit Mega mitfühlt, würde man sich Hagen gegenüber am Liebsten verschließen und ihn nicht an sich heranlassen, denn er kommt einem manchmal vor wie das schiere Böse... Und dann erschrickt man noch mehr, weil er dennoch menschlich ist - und das vielleicht heißt, dass dieses Potential zum Bösen in jedem Menschen steckt. 

Überhaupt ist die Welt von "Ödland" dreckig, roh, brutal und gnadenlos. Der Autor schont den Leser nie, und manche Szenen sind schwer zu ertragen. Nichts für Zartbesaitete! Manchmal war mir das zuviel und schien keinen anderen Zweck zu erfüllen, als wieder und wieder klarzumachen, wie unglaublich böse die Bösen in dieser Welt sind... Aber spannend war die Geschichte für mich immer, sogar in den langsamen und eher ruhigen Szenen, die Megas Leben im Keller beschreiben. Gerade die erschienen mir manchmal bedrückend eindringlich und fesselnd! 

Endzeitromane gibt es viele, und das grundlegende Thema von "Ödland" ist vielleicht nicht neu: der Protagonist (in diesem Fall unsere junge Heldin Mega) muss sich durch eine verkommene, feindliche Welt schlagen, um ihrem Volk / ihrer Siedlung / ihrer Familie die Rettung zu bringen. Was mich aber von der ersten Seite an hat aufhorchen lassen, war der Schreibstil, der dem Ganzen eine originelle Prägung aufdrückt. Wobei der Schreibstil genauso widersprüchlich ist wie es die Protagonisten sind! Mal malt der Autor mit beinahe poetischen Worten eine Szene mit dichter Atmosphäre, dann haut er einem abgehackte, schmucklose Sätze um die Ohren.  

Oft passten Tempo und Schreibstil für mich wunderbar zu der beschriebenen Szene, und dann war ich vom Schreibstil sehr beeindruckt. Aber es gab auch Szenen, wo die Puzzleteilchen für mich nicht so richtig ineinandergreifen wollten. Entweder war mir dann das Tempo zu abrupt für eine eigentlich ruhige Szene, oder die Sätze zu schlicht, wo ich gerne mehr Atmosphäre gespürt hätte... An diesen Stellen fühlte ich mich manchmal etwas aus der Geschichte geworfen. Dennoch würde ich den Schreibstil im Großen und Ganzen als Pluspunkt verbuchen, denn zumindest ist er etwas ganz Eigenes, was mir nie langweilig wurde. 

Ich habe beim Lesen öfter innegehalten und mich gefragt: ist das wirklich logisch? Macht es zum Beispiel Sinn, dass eine kleine versteckte Siedlung einerseits ein relativ komplexes Fahrzeug produzieren kann, andererseits aber anscheinend keine Ersatzteile? Oder die Ödlandräuber, von denen Mega einer erstaunlichen Vielzahl begegnet. Wovon leben die eigentlich? Ja, sie überfallen Reisende, aber in dieser Welt besitzt doch niemand mehr irgendwas von Wert! Es scheint nur eine Handvoll Siedlungen zu geben, in denen noch ein paar karge Gemüsebeete bestellt werden, aber ansonsten scheint es keine Möglichkeiten zu geben, Lebensmittel zu produzieren. Und auf diese Handvoll Siedlungen kommen wer weiß wieviele Räuberbanden, die selber nur Ressourcen verbrauchen, aber keine erzeugen! Oder die Tatsache, dass Mega gesagt wird, sie darf nur 500g an Lebensmitteln mitnehmen, aber sie hat anscheinend genug Nahrungsmittelkonzentrat für das ganze Buch dabei. Überhaupt - wie soll das funktionieren, wenn ihr dieses Zeug mal ausgeht? Wo soll sie Essen herbekommen? Es wächst ja nirgendwo was, Nutzvieh scheint es gar nicht mehr zu geben, und die Ruinen der Supermärkte und Läden wurden in den letzten Jahrzehnten ratzfatz ausgeräubert... So richtig überzeugt hat mich das nicht. Es ist gut möglich, dass der Autor sich zu diesen Dingen logische Erklärungen überlegt hat, aber für mich als Leser war es einfach nicht nachvollziehbar. 

Auch ein bisschen unangenehm aufgefallen sind mir die zahlreichen Kommafehler - das ist natürlich keine Katastrophe, stört aber schon manchmal den Lesefluss. 
Ein spannender, kompromissloser Endzeitroman aus Sicht einer mutigen jungen Heldin - und eines skrupellosen Antihelden. Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen, auch wenn mir die Gewalt zum Teil etwas extrem war, nur gab es viele inhaltliche Ungereimtheiten, die mich ins Grübeln gebracht haben.... Der Schreibstil hat mich meist überzeugt, ist aber sicher nicht jedermanns Sache. Deswegen würde ich empfehlen, erstmal die Leseprobe zu lesen! 

Cover 5 Sterne
Originalität 3,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 4 Sterne
Charaktere 4 Sterne
Schreibstil 3 Sterne
Logik / Glaubwürdigkeit 1,5 Sterne

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