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Sonntag, 21. September 2014

"Gefrorenes Herz" von Mirjam H. Hüberli

Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel Gefrorenes Herz
Originaltitel ---
Autor(in) Mirjam H. Hüberli
Übersetzer(in) ---
Verlag* Carlsen im.press
Seitenzahl* 354
Erscheinungsdatum* 4. September 2014
Genre  Jugendthriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon


"Sich auf dünnem Eis bewegen, davon könnte die siebzehnjährige Aurelia ein Lied singen. Denn seit ihre Zwillingsschwester Natascha verschwunden ist, scheint sie niemandem mehr trauen zu können. Nicht ihren Freunden, nicht ihren Lehrern, nicht einmal mehr sich selbst. Nur ihre tägliche Eiskunstlaufroutine hält sie buchstäblich über Wasser, dem gefrorenen unter ihren Schlittschuhen wie auch in ihrem Herzen. Und dann ist da noch Sevan, der Neue an ihrer Schule, der sich ausgerechnet an ihre Fersen heftet, wo doch alle Mädchen nach ihm schmachten. Mit ihm zusammen kommt sie der Auflösung des Geheimnisses um Natascha sehr viel näher. Aber irgendjemand ist ihnen immer einen Schritt voraus… "
(Klappentext)

"Gefrorenes Herz" ist ein Jugendthriller, und doch soviel mehr als ein Jugendthriller. Es ist eine herzzerreißende Geschichte von Verlust und Verrat, aber auch von Neuanfang und Freundschaft, von Hoffnung und Liebe... Und dem ganz eigenen Zauber, der das Leben von Zwillingen untrennbar miteinader verbindet. Zwillingsmagie: eine Seele in zwei Körpern.

...oder etwa doch nicht?

Jetzt, wo Aurelias Schwester Natascha verschwunden ist, muss sie sich fragen: Hatten wir wirklich nie Geheimnisse voreinander? Kenne ich sie tatsächlich so komplett und allumfassend, wie ich immer dachte? Ohne Natascha fühlt sich Aurelia, als hätte man ihr das halbe Herz aus der Brust gerissen, aber noch weniger könnte sie es ertragen, wenn sie sich in ihrer Schwester getäuscht hätte.

Natürlich ist das Buch spannend, denn man will wissen: Wo ist Natascha? Was ist mit ihr passiert? Lebt sie überhaupt noch? Aber die Antworten auf diese Fragen sind nicht einfach zu finden, denn weder Polizei noch freiwillige Suchtrupps haben auch nur die allerkleinste Spur entdeckt. Außer Aurelia scheint niemand mehr daran zu glauben, dass Natascha noch gefunden werden wird - jedenfalls nicht lebend! Deswegen muss sie zunehmend verzweifeltere Maßnahmen ergreifen, denn sie kann und will ihren Zwilling nicht aufgeben. Schnell wird jedoch klar, das es hier längst nicht mehr nur um Aurelia und Natascha geht...

Die Autorin treibt die Spannung mit falschen Fährten und unerwarteten Wendungen auf die Höhe, zieht sozusagen immer weiter die Daumenschrauben an. Im Laufe des Buches habe ich unzählige Theorien aufgestellt, und am Schluss lag ich doch mit allen gründlich falsch... Mit dem Ende hätte ich niemals gerechnet, und mein erster Gedanke war: 'Nein, das kann doch gar nicht sein?!' Aber nachdem ich dann nochmal im Schnelldurchlauf durch das Buch geblättert hatte, musste ich feststellen: 'Doch, das kann sehr wohl sein - ich habe viele Stellen einfach falsch interpretiert, weil ich sozusagen mit Scheuklappen gelesen habe!' Mehr will ich natürlich noch nicht verraten.

Das Buch hat mich gepackt und gar nicht mehr losgelassen, und das auch in den ruhigen Szenen, in denen eigentlich gar nicht viel passiert.

Und das lag an Aurelia, deren Gefühle einem unverfälscht aus den Seiten entgegenspringen. Eindringlich packt sie all ihren Schmerz, all ihre Angst und all ihre Trauer in geradezu poetische Worte. Manchmal ist sie wütend auf die ganze Welt und besonders auf ihre Freundinnen, die scheinbar von ihr erwarten, einfach weiterzuleben! Sie fühlt sich verraten. Manchmal ist sie dabei etwas unfair, aber ich konnte sie immer gut verstehen und habe sehr mit ihr mitgefühlt und mitgelitten.

Auch die anderen Charaktere fand ich sehr gut beschrieben, sehr authentisch und schonungslos echt, mit all ihren Fehlern und Schwächen. Denn so eine Ausnahmesituation bringt das Beste und Schlechteste in Menschen hervor. Dass sich ein Charakter manchmal unmöglich benimmt, heißt nicht direkt, dass er böse ist oder etwas mit Nataschas Verschwinden zu tun hatte - und das fand ich gut, denn es ist doch nur realistisch.

Mirjam Hüberli beschwört die ganze Bandbreite der Gefühle herauf, von zartromantischer junger Liebe über abgrundtiefe Verzweiflung und erbitterten Hass. Und das in einem Schreibstil, der mich sehr beeindruckt hat! Ich fand ihn einfach wunderwunderschön, und mir ist manchmal bei einem perfekten, glasklaren Satz regelrecht der Atem gestockt.

Die Liebesgeschichte hält sich dezent im Hintergrund. Sie trägt durchaus zur Geschichte bei und ist auch schön emotional und rührend, aber im Mittelpunkt steht einfach immer eine andere Art von Liebe: die Liebe zwischen zwei Schwestern, zwei Zwillingen. Ich fand das gut, denn eine kitschtriefende Lovestory hätte meiner Meinung nach einfach nicht zu diesem Buch gepasst.
Natascha ist seit einem Monat verschwunden, und außer ihrer Zwillingsschwester Aurelia glaubt niemand mehr daran, dass sie noch lebend gefunden wird. Verzweifelt versucht das Mädchen, den Fall auf eigene Faust aufzuklären, und weiß bald schon nicht mehr, wem sie noch trauen kann... Dabei bringt sie nicht nur sich selbst in Gefahr.

Ein spannender Jugendthriller - und zugleich eine bewegende Geschichte voller widerstreitender Emotionen, erzählt in einem wunderbaren, manchmal sogar poetischen Schreibstil.
Cover 4 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 5 Sterne
Charaktere 4,5 Sterne
Schreibstil 5 Sterne
Romantik 4 Sterne

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