Folgt mir auf:
    
     
Thalia buecher.de 
Goodreads Lovelybooks 
Was Liest Du?
 Amazon
WhatchaReadin' 
Büchertreff
Zuletzt besprochene Mal- und Hobbybücher*:
   
Demnächst:
  

Impressum

Datenschutz



#bloggergegenrechts
Für Toleranz und Diversität!
 
Zuletzt besprochene Romane / Sachbücher*:    Demnächst:
      
  
  * ein Klick auf das Cover bringt euch zur Rezension!

Mittwoch, 14. Mai 2014

"Liebe ist keine Primzahl" von Ulrike Renk


Meine Wertung 3,5 von 5 Sternen
Titel Liebe ist keine Primzahl
Originaltitel ---
Autor(in) Ulrike Renk
Übersetzer(in) ---
Verlag* Schwarzkopf / Schwarzkopf
Seitenzahl* 312
Erscheinungsdatum* 1. April 2014
Genre Jugendbuch
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon

"Vanessa ist neun, als ihre Mutter in die Psychiatrie kommt. Bernd, ihr Vater, sagt ihr nur, dass die Mutter sie nun verlassen habe, fort sei. Zuerst trauert Vanessa immens, doch dann stellt sie fest, dass das Leben ohne die kranke und instabile Mutter einfacher wird. Bernd bemüht sich, Routine und Gleichmäßigkeit in die Kleinstfamilie zu bringen. Doch die Wohnung erinnert beide an das, was hier passiert ist, und auch die Nachbarn und Freunde vergessen es nicht. Nach vier Jahren ziehen sie um, fast 500 Kilometer weit weg. Und finden ein neues Zuhause. Hier kennt keiner die kranke Mutter. Hier hat keiner ihre peinlichen Auftritte erlebt. 

Und hier lernt Vanessa Kim kennen. Erst ist es nicht so leicht für Vanessa, mitten im Schuljahr auf eine neue Schule, in eine neue Klasse zu kommen. Kim nimmt sich ihrer an und schon bald werden die beiden die besten Freundinnen. Bernd macht Essen und arbeitet meistens im Homeoffice. Oft ist Nessie wie Vanessa von allen genannt wird auch bei Kim. Kims Eltern sind geschieden, sie weiß also, wie das ist, wenn eine Familie plötzlich kleiner wird. Außerdem ist Maria, Kims Mutter, toll. Sie klebt Pflaster, backt Kuchen und fährt die Mädels zu Konzerten. Sie ist auch nie peinlich, so wie es Nessies Mutter früher immer war. So eine Mutter hätte sich Nessie immer gewünscht. Kim wiederum wünscht sich einen Vater wie Bernd. Dann wird Maria Elternvertreterin und Bernd ihr Stellvertreter. Die beiden Erwachsenen treffen sich immer öfter manchmal gehen sie auch essen oder ins Kino. Die Mädchen freuen sich, verbindet sie doch nun noch eine Sache mehr. Als Kim und Maria plötzlich bei ihnen einziehen, ändert sich alles für Vanessa. 


Die beste Freundin ist auf einmal die Schwester, die Vanessa immer haben wollte. Aber wenn sich Wünsche erfüllen, ist die Realität oft anders als gedacht ... "
(Klappentext)
Das Cover ist nett, freundlich und ansprechend, und in Verbindung mit dem Wort "Liebe" im Titel hatte ich mit einer leicht zu lesenden, nicht sehr anspruchsvollen Geschichte gerechnet - und habe im Endeffekt viel mehr Anspruch und Tiefgang bekommen als erwartet! 

Hier wird viel mehr angesprochen als die erste Jugendliebe: wie lebt man als Kind und Teenager mit einem Elternteil, der ernsthaft psychisch krank ist? Ist das vererblich? Mit wem spricht man darüber? Ist es Verrat, sowas seiner besten Freundin zu verschweigen? Und dann gibt es noch völlig andere Themen: wie lebt es sich in einer Patchwork-Familie, vor allem wenn die beste Freundin auf einmal zur Stiefschwester wird? Darf die neue Stiefmutter einem wirklich Vorschriften machen? Ist das ok, wenn der eigene Vater der neuen Schwester auf einmal Geschenke kauft - und man selber keine bekommt? Beide Mädchen haben mit Neid zu kämpfen, und mit dem Gefühl, auf einmal zurückstecken und um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern buhlen zu müssen. 

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte öfter das Gefühl, es hätte dem Buch gut getan, wenn nicht so viel auf relativ wenigen Seiten abgehandelt worden wäre. Beide Themen sind wichtige, umfangreiche Themen, aber beide zusammen sind vielleicht einfach zuviel auf einmal. Im ersten Teil steht noch Nessie und ihr Verhältnis zur psychisch kranken Mutter im Vordergrund, aber später fällt dieser Aspekt der Geschichte immer mehr einfach unter den Tisch. Und am Schluss lösen sich die Dinge für mich teilweise zu glatt auf, und teilweise werden sie gar nicht wirklich aufgeklärt. 

Was ich auch zum Teil sehr verwunderlich fand: auf manche Ereignisse wird über lange Passagen hinweg hingearbeitet - und dann werden sie einfach übersprungen. Da ist zum Beispiel ein Kapitel, in dem Nessie ihre Mutter in der psychiatrischen Wohneinheit besuchen soll. Und sie will nicht, sie bekommt hysterische Anfälle, sie sträubt sich, sie tobt... Die ganze Reise nach Berlin, wo die Mutter lebt, ist für sie eine Tortur. Und dann wird die Begegnung nicht einmal beschrieben - mit keinem Wort. Die Geschichte springt einfach von der Hinreise direkt zur Rückreise. Und da habe ich mich als Leser fast ein bisschen betrogen gefühlt! Das waren einfach Szenen mit unglaublich viel Potential, die da gänzlich verschwiegen wurden, oder die dann höchstens im Rückblick knapp und mit emotionaler Distanz angesprochen wurden.

Abgesehen von dieser für mich doch ziemlich gravierenden Schwäche fand ich das Buch spannend, und die Gefühle von Nessie kamen mir immer glaubhaft und gut recherchiert vor. Überhaupt war sie für mich ein sympathisches junges Mädchen, das ich immer gut verstehen konnte - auch dann, wenn sie mal zickig, unfair und launenhaft vor. Es ist schwer genug, ein Teenager zu sein, und sie hat ja an viel mehr zu knabbern als der typische Teenager! Sie hat auch jede Menge gute Eigenschaften, ganz besonders ihre Fähigkeit, über ihr eigenes Verhalten nachzudenken, sich zu entschuldigen und nach einem Streit wieder auf Menschen zuzugehen. 

Ihren Vater fand ich unheimlich sympathisch und liebenswert - für ihre Mutter konnte ich leider kein rechtes Gefühl entwickeln, denn fast alles, was man über sie erfährt, ist stark von der Krankheit geprägt. Die neue Stiefmutter kam mir manchmal etwas sprunghaft beschrieben vor. Manchmal ist sie liebenswert, mütterlich und geduldig, dann ist sie wieder extremst unfair und gereizt. Gut, letzteres kommt vielleicht daher, dass sie sich mit der Situation überfordert fühlt, aber dennoch hatte ich manchmal das Gefühl, über zwei verschiedene Frauen zu lesen. 

Mein Lieblingscharakter war aber bei weitem Finn - in der Schule ist er eher der schrullige Außenseiter, aber er entpuppt sich immer mehr als wunderbarer, loyaler Freund, der für sein Alter erstaunlich einfühlsam ist. 
Das Buch ist gut geschrieben und lässt sich sicher für Erwachsene UND Teenager lockerflockig runterlesen.

Natürlich darf auch in einem Jugendbuch mit ernsthaften Themen eine Prise Humor nicht fehlen, und da hat mich das Buch auch nicht enttäuscht! Was die im Titel versprochene Liebe betrifft: meiner Meinung nach geht es hier weniger um romantische Liebe als um familiäre und freundschaftliche Liebe. Ja, Nessie und Kim verlieben sich natürlich auch mal, das wäre in ihrem Alter ja auch verwunderlich, wenn nicht, aber im Großen und Ganzen stand das für mich eher im Hintergrund und war meist eher ein Auslöser - manchmal für Konflikte zwischen Nessie und Kim, manchmal für schwesterlichen Zusammenhalt. 
Ich hätte mir wirklich gewünscht, die Autorin hätte entweder ein dickeres Buch geschrieben und somit beiden der großen Themen - psychische Erkrankung eines Elternreils / Patchworkfamilien - viel mehr Raum gegeben, oder sich auf eines davon beschränkt. So hatte ich einfach immer wieder das Gefühl, dass etwas zu kurz kam oder ganz unterschlagen wurde. Aber dennoch fand ich das Buch immer noch spannend und gut zu lesen, und ich finde es durchaus auch für erwachsene Leser interessant. Die beiden jungen Heldinnen sind sympathisch und glaubhaft, und besonders das Thema psychischer Erkrankungen ist einfühlsam und lebensecht beschrieben - wenn auch etwas zu kurz!

Cover 3 Sterne
Originalität 4 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 3 Sterne
Charaktere 3,5 Sterne
Schreibstil 4 Sterne
Humor 3,5 Sterne
Romantik 3 Sterne
Kontinuität 2,5 Sterne
Anspruch 5 Sterne

Kommentare :

  1. Als ich grad bei FB den Buchtitel gesehen hab, musste ich natürlich gleich deine Rezi anschauen. Ich mag Titel mit mathematischem Bezug :D Klingt auch ansich ganz spannend das Buch, aber ohne dein eines Zitat hätte ich mich jetzt gefragt, was das Thema mit Mathe zu tun hat ^^ Wird da im Buch mehr drauf eingegangen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also, so eine richtig große Rolle spielt es nicht, es ist eher so eine Marotte von ihr.

      Löschen

Danke für deinen Kommentar! :D