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Montag, 31. März 2014

"Der Junge, der sich Vogel nannte", von Jan Henrik Nielsen


#anzeige: Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.


Meine Wertung 4 von 5 Sternen
Titel Der Junge, der sich Vogel nannte
Originaltitel Høsten
Autor(in) Jan Henrik Nielsen
Übersetzer(in) Friederike Buchinger
Verlag* Boje (Bastei Lübbe)
Seitenzahl* 303
Erscheinungsdatum* 16. August 2013
Genre Dystopie / Kinderbuch
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches


"Die Schwestern Nanna und Fride kennen kein normales Leben. Seit ein Virus vor fünf Jahren alles zerstört hat, leben sie zusammen mit ihrem Vater abgeschottet in einem Bunker auf einer abgelegenen Insel. Doch dann wird ihr Vater krank und die Mädchen machen sich auf den Weg in die Stadt, um in der alten Wohnung der Familie die rettenden Medikamente zu holen. Es beginnt eine abenteuerliche Reise in eine entvölkerte Welt, in der fast jegliches Leben zum Stillstand gekommen ist. Eines Tages aber treffen sie auf einen merkwürdigen Jungen, der sich Vogel nennt. Und Vogel hütet ein großes Geheimnis..."
(Klappentext)
Das Cover hat mich direkt neugierig gemacht, und ich finde es ganz wunderbar gestaltet. Das ist ein Buch, dass ich alleine schon wegen des schönen Einbands auch als Erwachsene gern im Regal stehen habe! Aber natürlich kommt es auch und gerade bei Büchern nicht auf die äußere Schönheit an, also erzähle ich euch jetzt ein bisschen was über den Inhalt des Buches. 

Ist das Buch originell? Jein. Es ist ein Endzeitroman - also ein Buch, das in einer Zukunft spielt, in der etwas mächtig schief gegangen ist. In den letzten Jahren sind unglaublich viele solcher Bücher erschienen, aber nur wenige für Kinder in dieser Altersgruppe (also 10 bis 12). Und meiner Meinung nach schafft es der Autor wunderbar, die Geschichte kindgerecht zu erzählen, obwohl sie ja eigentlich erstmal ziemlich gruselig klingt: die Pflanzen sind alle eingegangen, es gibt nur noch sehr wenige Menschen... Beschönigt wird hier nichts; es wird ganz klar gesagt, dass die meisten Menschen gestorben sind. Aber der Autor spart sich (für die Altergruppe unnötige) grausige Details, und wir bekommen alles durch die Augen zweier kleiner Mädchen erzählt, also aus kindlicher Sicht. Alleine dadurch sticht das Buch schon aus der Menge heraus! 

Auch beim Thema Spannung darf man nicht vergessen, für wen das Buch gedacht ist. Die Geschichte IST spannend, aber eben auf eine andere Art, als das bei einem Buch für Erwachsene vielleicht der Fall wäre. Ich denke, man muss sich einfach in Nanna und Fride hineinversetzen: die Beiden haben lange Jahre im Bunker gelebt, ohne andere Menschen als ihren Vater zu sehen. Ohne Sonnenlicht, ohne Abwechslung, ohne frische Lebensmittel. (Sie ernähren sich vom immer gleichen Dosenfutter.) Die Kleinere ist als Baby in den Bunker gekommen und kennt nichts anderes! Das erste Mal, dass sie den Himmel sieht, ist für sie schon erschreckend. Und dann müssen sie sich ganz alleine aufmachen, ohne ihren Vater, um Medikamente zu holen... Sie wissen nicht, was sie draußen erwartet, aber ihr Vater hat ihnen immer wieder eingeschärft, wie gefährlich es draußen ist. Wieviel Mut muss es zwei kleine Mädchen kosten, sich ins Ungewisse aufzumachen! Jeder Mensch, dem sie begegnen, könnte böse sein. Und jede Stunde könnte über Leben und Tod für ihren Vater entscheiden. Ihre Reise führt sie durch eine merkwürdige, beinahe ausgestorbene Welt... In dem Alter wäre ich vor Angst gestorben. Wenn man sich auf die Geschichte einlässt, entfaltet sie meiner Meinung nach ihren ganz eigenen Sog und malt ein bedrückendes aber nie völlig hoffnungsloses Bild einer unbestimmten Zukunft. 

Nanna und Fride sind unglaublich mutig und einfallsreich, und ich habe sehr gerne über sie gelesen. Ich fand auch sehr rührend, wie sie zueinanderstehen und sich gegenseitig Mut machen. Besonders die Ältere tut ihr Bestes, die Reise für die Kleine so spannend und harmlos erscheinen zu lassen wie möglich. Der Junge, der sich Vogel nennt, taucht erst später in der Geschichte auf. Er ist zunächst eher abweisend und sogar ein wenig feindselig, aber schnell stellen die Mädchen fest, dass er eigentlich nur einsam und verunsichert ist - er lebt schon so lange ganz alleine in einer riesigen Stadt und schlägt sich durch, so gut es geht... 

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er ist klar und einfach, gut zu lesen für Kinder, aber nicht flach oder langweilig.

Ein paar Kritikpunkte:
Man erfährt nie eindeutig, warum die Welt so geworden ist - das weltweite Nachrichtennetz ist schon lange zusammengebrochen, und die wenigen verbliebenen Menschen sind sich nicht einig. War es einfach nur ein Virus? War es radioaktive Strahlung? Mich hat es nur wenig gestört, dass man keine Gewissheit bekommt. Denn für Nanna und Fride ist das erstmal nicht so wichtig: für sie ist wichtig, dass sie etwas zu essen finden, dass sie einen Platz zum Schlafen haben, dass sie nicht alleine sind... Und sie sind nunmal die Charaktere, um die sich die Geschichte dreht. Aber für viele Leser ist das sicher ein Kritikpunkt. 

Man kann sich darüber streiten, ob 10-jährige Endzeitromane lesen sollten. Aber in diesem Buch konnte ich nichts finden, was ich einem 10-jährigen nicht zutrauen würde, und der Autor lässt immer mal wieder zarte Hoffnung durchschimmern. Wenn ich da an die Bücher denke, die wir in der Schule gelesen haben - "Die letzten Kinder von Schevenborn", "Die Wolke" u.Ä. -, da waren viel grausamere Geschichten dabei, die am Schluss noch nicht einmal viel Hoffnung für die Zukunft ließen. 
Man muss bei diesem Buch immer daran denken, für welche Altersgruppe es geschrieben wurde, und sich einfach darauf einstellen, dass Spannung, Tempo und Schreibstil dementsprechend kindgerecht sind. Es lässt sich nicht mit Panem und Co vergleichen, aber das muss es ja auch nicht. Mir hat es gut gefallen! Es ist ein eher ruhiger Endzeitroman, der ohne viel Gewalt und erschreckende Szenen auskommt. 
Cover 5 Sterne
Originalität 3,5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 4 Sterne
Charaktere 4,5 Sterne
Schreibstil 4 Sterne

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