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Montag, 9. Dezember 2013

"Weihnachten auf dem Lande" von Martina Bick


Meine Wertung 2 von 5 Sternen
Titel Weihnachten auf dem Lande
Originaltitel ---
Autor(in) Martina Bick
Übersetzer(in) ---
Verlag* Aufbau
Seitenzahl* 175
Erscheinungsdatum* 4. Oktober 2013
Genre Weihnachtsroman
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches



"Emina ist schwanger. Eigentlich keine Katastrophe, aber leider ist ihr Lebensgefährte nicht der richtige Vater - von diesem kennt sie nur den Vornamen: Christoph. Bei einer Radtour über Land ist es passiert. Kurz vor Weihnachten, als ihre Schwangerschaft nicht mehr zu verheimlichen ist, macht sie sich auf die Suche nach ihm. Christoph spielt in einer Kirche Orgel - das hat er ihr zumindest erzählt. Doch Kirchen gibt es viele. Emina will ihre winterliche Landpartie schon aufgeben, als sie ihn in einem abgelegenen Dorf findet. Doch Christoph erinnert sich offenbar gar nicht mehr an sie."
(Klappentext)

Pro:

Das Cover ist sehr hübsch und weihnachtlich, da kommt schon beim Anschauen Festtagsstimmung auf! Und auch die Grundidee ist nett, mal was anderes für ein Weihnachtsbuch, aber dennoch passend für die besinnlichen Adventstage. Daher habe ich nach diesem Buch gegriffen, und hier kommt nun mein Eindruck davon:

Die Geschichte liest sich gut und flüssig herunter, und neben der Haupthandlung - Eminas Suche nach dem Vater ihres Kindes - gibt es auch noch eine interessante Nebenhandlung über einen langjährigen Familienzwist in dem kleinen Dorf, in dem das Buch überwiegend spielt. Das Buch bleibt meiner Meinung nach immer spannend genug, dass man weiterlesen möchte, um herauszufinden, wie das Ganze endet. 
Zu den Charakteren: Auf Emina, Christoph und Sybille werde ich leider unter "Kontra" näher eingehen! Jasper, der gehörnte Lebensgefährte, war mir dagegen direkt sympathisch. Nein, er ist vielleicht kein strahlender Adonis, aber er scheint ein netter, grundanständiger Mann zu sein, der sich nach einer richtigen Familie sehnt. Seine Trauer darüber, dass das Kind, auf das er sich so gefreut hat, nicht seines ist, hat mich richtig mitgenommen - der arme Kerl! Auch die bärbeißige Küsterin Renate, die zuerst ziemlich kratzbürstig und abweisend erscheint, habe ich im Laufe des Buches richtig gern gewonnen. 

Der Schreibstil ist richtig schön und wunderbar zu lesen! 

Kontra:

Mein riesengroßes Problem mit diesem Buch hat nichts mit einem schlechten Schreibstil, fehlender Spannung oder mangelnder Originalität zu tun, sondern eher mit schlampiger Recherche und unsensiblem Umgang mit dem Thema Schwerbehinderung. 

Sybille hat Multiple Sklerose, eine Krankheit, an der ich selber leide. Daher kann ich auch mit Sicherheit sagen, dass manche Dinge, die hier über die Krankheit behauptet werden, schlichtweg falsch sind, und andere nur halbwahr. Zum Beispiel ist der folgende Satz kompletter Unsinn:

"Vielleicht aber ließ der nächste Schub auch nicht lange auf sich warten und würde bald dafür sorgen, dass die nächste Muskelgruppe zerfiel und sich zersetzte."

Multiple Sklerose greift nicht die Muskeln an, sondern das Gehirn. Wenn man Probleme mit dem Laufen hat, dann liegt das daran, dass eine Entzündung oder Vernarbung im Gehirn verhindert, dass die Beine richtig gesteuert werden. Außerdem stellt die Autorin es so dar, als wären MS-Kranke zum Großteil auf den Rollstuhl oder auf Krücken angewiesen, könnten keine Kinder bekommen und wären ständig auf Hilfe angewiesen, was ebenfalls nicht stimmt - das war vielleicht vor 20 Jahren noch so, als es die heutigen Medikamente noch nicht gab! Ja, manche MS-Kranken sitzen im Rollstuhl, und ich selber benutze oft einen Gehstock, aber das kann man nicht so einfach über einen Kamm scheren. 

Auch fand ich es sehr erschreckend, deprimierend und ignorant, wie oft Sybille auf ihre Behinderung reduziert wird, und wie sehr darauf herumgeritten wird, dass sie schwach ist, dass sie Hilfe braucht, dass sie ihrem Mann eine Last ist. Mir standen oft Tränen der Wut in den Augen! 

"Sie liebte ihn trotz ihrer Krankheit - die ihr das Lieben eigentlich verbot."

Dürfen nur gesunde Menschen lieben?

"Dafür brauche er aber ganz bestimmt eine helfende Hand. Eine gesunde Hand, möglichst nicht die zarten, kranken Hände von Sybille."

"Sybille sah ihm nachdenklich nach. Es war krankhaft, wie sehr sie ihnn liebte. Das lag natürlich auch an ihrer Lage, ihrer Abhängigkeit." 

"Jochen stellte sich auf einen der Behindertenplätze am Friedhof, denn schließlich transportierte er eine Schwerbehinderte." 

Immer und immer wieder - Sybille, die Schwerbehinderte. Wo ist Sybille, der Mensch? Ich finde es ja löblich, wenn eine Autorin auch mal einen Charakter beschreibt, der an einer chronischen Krankheit leidet, aber dann sollte das auch gut recherchiert sein und sensibel behandelt werden. Ein, zwei Gespräche mit MS-Kranken wären doch genug gewesen, um zum Beispiel den Irrtum mit den sich zersetzenden Muskeln aus der Welt zu räumen! 

Neben diesem Aspekt, der mir das Buch gründlich verleidet hat, verblasst fast die zweite Sache, die mir nicht so gut gefallen hat: Emina und Christoph. 

Am Anfang war mir Emina noch sehr sympathisch, und ich musste darüber lächeln, wie sie sich auf ihr Baby freut - aber im Laufe des Buches gewann ich den Eindruck, dass sie auch ziemlich egoistisch und verbohrt sein kann. Zum Beispiel reagiert sie ein paarmal patzig und wütend darauf, dass ihr Freund und seine Schwester ein Problem damit haben, dass das Baby, mit dem sie schwanger ist, das Ergebnis eines Seitensprungs ist - was ich sehr verständlich von den beiden finde! Auch fand ich es völlig unverantwortlich von ihr, dass sie im neunten Monat, eine Woche vor der Geburt, noch mit einem Smart durch einen Schneesturm fährt, statt z.B. den Zug zu nehmen... 

Christoph blieb für mich sehr blass. Er ist Organist, er hat eine schwerbehinderte Frau, und weiter? Ich fand auch nicht wirklich glaubwürdig, wie er auf Eminas Nachricht, dass er Vater wird, reagiert. Ich habe mich oft gefragt: was will er eigentlich? Wie stellt er sich die Zukunft vor? 

Und da ich zu ihm so gar keinen Zugang fand, konnte ich auch überhaupt nicht nachvollziehen, warum Emina so fixiert auf ihn ist. Da kam für mich keine Romantik auf, und ich konnte auch nicht verstehen, wie Emina in ihrem Emotionen so wankelmütig sein kann. Daher kamen mir diese Emotionen auch nicht sonderlich echt oder tiefgehend vor! 

Am Ende des Buches löst sich für mich das meiste zu einfach und problemlos auf, während anderes einfach gar nicht geklärt wird. Das fand ich nicht romantisch, rührend oder weihnachtlich-besinnlich, sondern sehr unbefriedigend!
Wer nicht selber von MS betroffen ist oder jemanden kennt, der es ist, dem wird dieses Buch sicher viel besser gefallen, als es mir gefallen hat. Mir hat der frappierend schlechte Umgang mit dieser Thematik das ganze Buch verleidet! Aber auch die blassen Hauptcharaktere verhindern meiner Meinung nach, dass die wirklich nette und vielversprechende Grundidee ihr Potential voll ausschöpft.

Cover 3,5 Sterne
Originalität 3 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 3 Sterne
Charaktere 2 Sterne
Schreibstil 4 Sterne
Recherche 1 Sterne
Romantik 1,5 Sterne

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