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Donnerstag, 21. November 2013

"Schattenkind" von Anne Holt



Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen
Titel Schattenkind
Autor Anne Holt
Verlag Piper
Seitenzahl 336
Erscheinungsdatum 15. Oktober 2013
Genre Krimi & Thriller
Das Buch bei

Der 22. Juli 2011 hat sich tief in die norwegische Seele eingebrannt. Anders Behring Breivik zündete zunächst mehrere Bomben in Oslo, dann erschlich er sich Zugang zum Sommerferienlager auf der Insel Utøya. Über 500 Jugendliche waren an diesem Tag im Camp, als Breivik begann, wahllos auf Betreuer und Teilnehmer zu schießen. 69 Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, mussten ihr Leben lassen. 

In "Schattenkind" geht es nicht direkt um diese Ereignisse, aber die nationale Tragödie bildet den bedrückenden Hintergrund für ein häusliches Drama: ein kleiner Junge stirbt. Anscheinend ist er von einer Trittleiter gefallen und unglücklich mit dem Kopf aufgeschlagen. Die Eltern sind fassungslos, beinahe wahnsinnig vor Trauer. Eine Freundin der Familie, die Kriminalpsychologin Inger Johanne Vik, ist zufällig an diesem Tag zu Gast, und sie wird schnell in die Abgründe hinter diesem scheinbaren Unfall gezogen... Warum kam Sander so oft mit blauen Flecken oder gar gebrochenen Knochen in die Schule? Ist der Kollege des Vaters, der sich mit dem Jungen angefreundet hat, wirklich der liebe Onkel, der er zu sein scheint? Was hat es mit den verstörenden, abartigen Inhalt des Laptops des Vaters auf dich? 
Der Leser wird direkt mitten in das familiäre Trauma gestoßen, aber schnell etablieren sich auch die schrecklichen Todesfälle auf Utøya als allgegenwärtige Kulisse - denn zunächst hat kein Polizist Zeit, sich um den Tod des kleinen Sander zu kümmern. Er wird beinahe bedeutungslos im Vergleich, und nur ein junger, unerfahrener Ermittler wird schließlich abgestellt, um die Eltern zu befragen und sich das Umfeld des Jungen anzusehen. Unterstützt wird er dabei von Inger Johanna, die Lesern von Anne Holt bereits aus früheren Büchern bekannt ist. 

Die Autorin baut schon in den ersten Seiten Spannung auf, die im Verlauf des Romans auch selten einmal nachlässt und dem Leser eine Verschnaufpause gönnt. Es ist dabei eine eher subtile, psychologische Spannung, die größtenteils ohne drastische, blutige Schilderungen von Gewalt und Tod auskommt. Und es geht hier nicht nur um die Klärung des Todesfalls, sondern um Themen wie Trauerbewältigung, persönliche Haftbarkeit und die Frage, ob man Menschen, die man schon viele Jahre kennt, wirklich bis ins Innerste kennt. Die Atmosphäre ist bedrückend, aber packend. 

Die Charaktere waren für mich alle sehr glaubwürdig - auch oder gerade die, die einem (erst einmal) nicht sympathisch sind. So konnte ich zum Beispiel den jungen Polizisten erst nicht leiden, aber im Verlauf des Buches erfährt man immer mehr über ihn und er gewinnt eine berührende emotionale Tiefe, so dass er am Ende sogar mein Lieblingscharakter war. Ich hoffe darauf, ihn in zukünftigen Bücher von Anne Holt wiederzutreffen! 

Die Familie von Sander lebt nach seinem Tod wie in einer Blase, als einzige abgeschottet vom kollektiven Albtraum Norwegens. Wer könnte ihnen das übelnehmen? Wie ein Freund der Familie, für den Sander wie ein kleiner Bruder war, an einer Stelle sagt: ihm ist bewusst, dass es auf Utøya 69 tote Kinder gab, aber nur Sander hat er gekannt und geliebt, und damit wiegt für ihn der Tod dieses einzelnen Kindes schwerer. 

Inger Johanna steht in diesem Roman sehr alleine da. Ihr Mann, beteiligt an den Ermittlunge von Utøya, ist emotional zerissen und leidet dermaßen, dass sie ihn nicht weiter belasten will - und dann kommt für Inger Johanna ein weiteres, sehr persönliches Problem dazu. 

Der Schreibstil ist wunderbar. Klar und oft eher nüchtern, aber trotzdem eindringlich... Mir gefiel sehr gut, wie konsequent die Autorin auf Effekthascherei und übertrieben dramatische Schilderungen verzichtet. Die Geschichte ist tragisch genug, dass leise Töne mehr als genügen, um sie zu erzählen. 

Ich bin leider schon relativ früh darauf gekommen, was passiert ist - allerdings blieb es dennoch spannend, weil die Frage blieb, ob und wie der Fall geklärt werden würde, und welche Konsequenzen es für die Beteiligten haben würde. 

Das Ende... Ohje, das Ende. Nachdem ich die letzten Seiten gelesen hatte, war ich so schockiert, dass ich das Buch am Liebsten an die Wand gepfeffert hätte. Ich habe mich bitter bei meinem Mann beschwert, und er wies mich darauf hin, dass es ein konsequenter Schluss dieses Buches ist und nahtlos in die Thematik passt. Nach drei Tagen des Nachdenkens muss ich ihm Recht geben, aber es bleibt ein Ende, das nicht leicht verdaulich ist. 
Für mich ist "Schattenkind" ein erstklassiger nordischer Krimi, der das Kunststück schafft, eine nationale Tragödie zum Hintergrund zu machen, ohne ihm die Tragweite und Relevanz zu nehmen. 

Cover 4 Sterne
Originalität 4,5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 4 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 5 Sterne

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