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Sonntag, 18. August 2013

"Retra - Insel der Schatten" / "Burn Bright" - Marianne de Pierres


Meine Wertung 5 von 5 Sternen
Titel Retra - Insel der Schatten
Autor Marianne de Pierres
Verlag Heyne
Seitenzahl 305
Erscheinungsdatum 12. August 2013
Genre Dystopie / Science Fiction



Ixion ist die Insel der ewigen Nacht, der ewigen Jugend, der ewigen Party... Wer hier lebt, muss dank eines eingepflanzten Chips weniger schlafen und braucht sich keine Gedanken um etwas anderes als das eigene Vergnügen zu machen - Essen und Unterkunft werden gestellt; ebenso bekommt jeder Bewohner der Insel einen Kleiderschrank, der stets mit wunderschöner, frischgewaschener Kleidung gefüllt ist. Sogar Alkohol und Drogen gibt es soviel, wie sich ein vergnügungssüchtiger Jugendlicher nur wünschen kann, und es gibt haufenweise angesagter Klubs, in denen man rund um die Uhr feiern kann!

Kein Wunder, dass jedes Jahr Hunderte oder gar Tausende von Teenagern von zuhause ausreißen, um die Barke nach Ixion zu nehmen, die zweimal im Jahr fährt. Kaum einer davon macht sich Gedanken darüber, was die bleichen, distanzierten Riper, die die Insel verwalten, eigentlich davon haben... Zu sehr sind sie von der Aussicht auf immerwährendes Vergnügen geblendet.

Nur die junge Retra ist nicht nach Ixion gekommen, um zu feiern - sie will ihren Bruder suchen, ohne den sie sich gänzlich verloren fühlt. Als sogenannte Seal ist Ixion für sie eine fremde und sogar abstoßende Welt: im abgeschotteten Gebiet der Seals haben Mädchen Schleier und verhüllende Kleidung zu tragen, den Blick zu Boden gesenkt zu halten, einen Schritt hinter den Männern zu gehen... Nicht mal reden dürfen sie ohne Erlaubnis mit Menschen außerhalb ihrer Familie. Es fällt Retra schwer, nicht unangenehm aufzufallen, und tatsächlich wird sie auch direkt unter Beobachtung gestellt - denn Schamgefühl ist in Ixion eine Sünde.




Die Geschichte ist wirklich wahnsinnig originell: ja, es ist eine Dystopie, und davon wird der Markt zur Zeit quasi überschwemmt, aber ich habe noch nie eine Dystopie mit einer vergleichbaren Grundidee gelesen. Denn für die Jugendlichen auf Ixion scheint es ja zunächst eher eine Utopie zu sein, schließlich wird ihnen jeder Wunsch von den Augen abgelesen. In den Kritiken zur englischen Originalausgabe habe ich ab und an gelesen, es sei unrealistisch, dass sich die Kids keine Gedanken darüber machen, dass das Ganze doch einen Haken haben MUSS.

Aber mal ehrlich: schauen wir uns doch mal unsere Realität an. In vielen Ländern wird Komasaufen unter Jugendlichen ein immer größeres Problem, wobei es auch bedrückend oft vorkommt, dass sich ein Minderjähriger buchstäblich zu Tode säuft. Und unser Fernsehprogramm? Anscheinend gibt es genug Jugendliche, denen man nur vorgaukeln muss, man würde ihnen einen Party-Urlaub finanzieren, und schon kann man sie zu den strengsten Eltern der Welt schicken oder sie 24 Stunden am Tag bei zutiefst peinlichem Verhalten filmen, dass dann Mama und Papa auf die Palme bringt. Immer mehr und mehr wird uns in unserer heutigen Welt schon suggeriert, dass nur das eigene Vergnügen zählt und dass einem ein supertolles Leben quasi zusteht - dass da bei manchen Menschen (und nicht nur Jugendlichen!) jedes Gefühl dafür abhanden kommt, dass irgendjemand dafür zahlen muss, wundert mich nicht.

Aber genug abgeschweift! Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass dieser Roman unserer heutigen Gesellschaft eigentlich nur den Spiegel entgegenhält. Dass wir die Geschichte dabei ausgerechnet durch Retras Augen sehen, die den krassen Gegensatz verkörpert, machte das Ganze für mich umso interessanter. Dabei ist auch ihr Lebensstil ein ungesundes Extrem, nur eben am anderen Ende des Pegels: sie wurde von Geburt an geradezu darauf abgerichtet, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu verleugnen. Dadurch dauert es auch ein wenig, bis man als Leser ein Gefühl dafür bekommt, wer sie wirklich ist - denn auch Retra entdeckt sich gerade erst selbst. Aber ich habe sehr schnell mit ihr mitgefiebert und ihr die Daumen gedrückt, denn mehr und mehr entwickelte sich das schüchterne Mädchen zu einer starken jungen Frau, wobei es eine spannende, unerwartete Wendung gibt.

Die anderen Charaktere wurden für mich sehr schnell lebendig und viele von ihnen habe ich richtig ins Herz geschlossen. Was für mich ein deutliches Zeichen dafür ist, wie ansprechend und eindringlich die Autorin ihre Figuren schildert: obwohl es viele, viele Charaktere sind, konnte ich sie immer ohne Probleme auseinanderhalten und jederzeit geradezu vor mir sehen! (Dabei habe ich ein furchtbares Namensgedächtnis!) Mein Lieblingscharakter ist Lenoir: er ist einer der Ripers, die die Insel kontrollieren, und er lässt sich nicht einfach so in die Schubladen "gut" oder "böse" stecken... Ich hoffe sehr, dass er in den nächsten beiden Bänden wieder eine zentrale Rolle spielen wird!

Es gibt eine Art Liebesgeschichte, die ich sehr faszinierend fand - ich sage "eine Art", weil sie mit Romantik und zärtlichen Gefühlen erstmal sehr wenig zu tun hat! Aber sie hat mich direkt in ihren Bann gezogen und war ein Grund dafür, warum ich einfach wissen musste, wie es in Band 2 weitergeht. Ich bin normal kein "Shipper", aber dieses Mal will ich wirklich ein Happy End für dieses ungleiche Paar sehen!

Apropros in den Bann gezogen: die Spannung baut sich von Anfang an sehr schnell auf, denn als Leser hat man direkt das Gefühl: hier muss was faul sein, das ist zu schön, um wahr zu sein. Was habe ich für wilde Theorien aufgestellt! (Angefangen bei: Die Ripers sind eine Art Zombies und füttern die Jugendlichen nur fett, um sie dann zu fressen. Ja, das war total daneben.) Bald schon häufen sich die Zeichen, dass wirklich etwas Bedrohliches, Böses hinter Allem steckt, und dass die Ripers nicht nur die wohlwollenden Beschützer sind, als die sie sich gerne präsentieren... Manche Szenen sind richtig gruselig. Und ich wäre NIE darauf gekommen, um was es wirklich geht! Die Geschichte hat so viele Fassetten, Wendungen und unerwartete Vorkommnisse, und dabei bleibt alles in sich schlüssig.

Der Schreibstil ist, zumindest im englischen Original, sehr dicht und spannungsgeladen und hat bei mir ein richtiges Kopfkino ausgelöst - ich würde dieses Buch wahnsinnig gerne verfilmt sehen!


Wer Dystopien mag, sollte dieser ungewöhnlichen Variante davon wirklich eine Chance geben - mich hat sie unterhalten, gefesselt, berührt und wollte mich nicht mehr los lassen.

Cover 5 Sterne
Originalität 5 Sterne
Spannungsaufbau & Tempo 5 Sterne
Charaktere 5 Sterne
Schreibstil 5 Sterne
Romantik 4 Sterne
Erotik 4 Sterne


Kommentare :

  1. Danke für den Tipp und ich habe grad bemerkt, dass ich das Buch auf Englisch tatsächlich schon auf dem Kindle habe :-) Na dann gibt es ja keinen Grund mehr für mich, es nicht zu lesen. Und Dystopien gehören ja eh zu meinen Lieblingen, also werde ich es mir definitiv bald vorknöpfen.
    Liebe Grüße

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    1. Das geht mir in letzter Zeit oft so: ein Buch erscheint neu auf deutsch, und dann stelle ich fest, dass ich das englische Original schon Ewigkeiten auf dem Kindle habe. :-)

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Danke für deinen Kommentar! :D